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3.2 Flachdächer

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Basis dieser Hinweise zum Flachdach ist die Wegleitung zur Norm SIA 271:2007, welche von den beiden Verbänden «Gebäudehülle Schweiz» und «suissetec» herausgegeben wird.

3.2.1 Definition

Als Flachdächer werden Dächer ohne oder mit geringer Neigung und fugenloser, wasserdichter Abdichtung bezeichnet.

3.2.2 Konzeptionelle Überlegungen

Ein Flachdach muss vielfältigen Anforderungen genügen. Die Anforderungen und Kriterien für die Systemwahl resultieren aus den Wünschen der Bauherrschaft betreffend Nutzung des Flachdachs und den bauphysikalischen Anforderungen, z.B. an den Wärme- und Schallschutz. Folgende Kriterien sind für die Projektierung und Ausführung von Flachdächern relevant (vgl. Entscheidungsmatrix in Bild 3.2.1).

Nutzen des Flachdaches

Neben den Grundanforderungen wie Dichtheit, Wärme- und Schallschutz kann das Flachdach vielfältigen Nutzen bringen:

  • Begrünte Flächen können als Naherholungsraum dienen (Intensivbegrünung), für ein besseres Mikroklima sorgen, Staub binden und als Retentionsfläche die Kanalisation entlasten (Extensivbegrünung). Baugesetze und Vorschriften der Kantone/Gemeinden fordern teilweise explizit, dass Flachdächer begrünt werden.
  • Begehbare und befahrbare Flachdächer (Norm SIA 273) bieten offensichtliche Nutzflächen.
  • Flachdächer sind willkommener Standort für Installationen (Klimageräte, Lüftungsanlagen o. Ä.).
  • Wegen der kleinstmöglichen Verschattung und der Möglichkeit, die Sonnenkollektoren oder Photovoltaikelemente optimal auszurichten, ist das Flachdach oft der ideale Standort für die Erzeugung von erneuerbarer Energie. Es gibt integrierte oder aufgeständerte Systeme für die Energiegewinnung auf dem Flachdach.
  • Mit Oberlichtern und Lichtbändern können Innenräume natürlich beleuchtet werden.

Architektur

Das Flachdach kann von erhöhten Standorten aus eingesehen werden und ist deshalb als fünfte Fassade für die Architektur des Gebäudes und das Erscheinungsbild einer Überbauung von Bedeutung.

Hindernisfreie Bauten/Türschwellen

Bei Ausgängen zu Balkonen oder Terrassen sind bei hindernisfreien Bauten Schwellen bis zu 25 mm Höhe über dem Innenboden und dem Gehbelag beim Flachdach zulässig. Beim Anschluss an Türen gilt es jedoch, als «Primäranforderung» eine «Schwellenhöhe» von 60 mm ab OK Schutz- oder Nutzschicht einzuhalten (bzw. 60 mm ab Schutz- oder Nutzschicht bis zur oben offenen Begrenzung beim Fensteranschluss). Wenn diese Höhe von 60 mm bei hindernisfreien Bauten unterschritten werden muss, sind zusätzliche Massnahmen erforderlich (vgl. Kapitel 3.2.15).

Bauphysik

Je nach Raum- und Aussenklima, Gebäudestandort und Konstruktionssystem resultieren differente Bauphysikanforderungen.

Feuchteschutz

Durch konvektive Luftströme, Kapillarleitung und Wasserdampfdiffusion darf in der Konstruktion keine schädliche Anreicherung von Feuchte auftreten. Diesbezüglich speziell zu beachten sind Flachdächer in Verbindung mit Holzbaukonstruktionen (vgl. Kapitel 2.4.2 und Bild 3.2.7).

Luftdichtheit

Zur Vermeidung von konvektivem Feuchteeintrag und zur Verhinderung von erhöhten Lüftungswärmeverlusten und Zuglufterscheinungen muss beim Flachdach die Luftdichtheit gewährleistet sein. Dieses Kriterium ist speziell bei Unterkonstruktionen zu beachten, die ohne spezielle Massnahmen nicht genügend luftdicht sind, z.B. Holz- und Profilblechkonstruktionen.

Entscheidungsmatrix für die Wahl des Abdichtungssystems.
Bild 3.2.1: Entscheidungsmatrix für die Wahl des Abdichtungssystems.

Schallschutz und Lärmschutz

Bei Flachdächern zwischen unterschiedlichen Nutzungseinheiten sind Schallschutzanforderungen aus Norm SIA 181 einzuhalten. Es betrifft dies insbesondere den Trittschallschutz bei begehbaren Dächern über anderen Nutzungseinheiten. Ein genügender Schallschutz wird primär durch die Masse der Unterkonstruktion (Luft- und Trittschallschutz) und durch trittschalldämmende Schichten (Trittschalldämmschicht, trittschalldämmende Schutz- und Drainageschichten) beeinflusst.

In lärmbelasteten Gebieten, insbesondere bei Fluglärm, muss das Flachdach zusammen mit den Fassaden (Aussenwände und Fenster) den erforderlichen Lärmschutz bieten. Unter Umständen ist für die Gewährleistung des Lärmschutzes eine schwere Unterkonstruktion erforderlich (z.B. Stahlbeton), Flachdächer in Leichtbaukonstruktion (Holz- und Stahlbau) können diesbezüglich problematisch sein.

Wärmeschutz im Winter und Sommer

Das Flachdach ist prädestiniert für einen optimalen Wärmeschutz, weil die Wärmedämmschicht meist ohne durchdringende Fremdbaustoffe lückenlos verlegt werden kann. Für einen geringen Wärmefluss bei möglichst geringer Aufbauhöhe können auch Hochleistungswärmedämmstoffe eingesetzt werden, bis hin zur Vakuumdämmung. Auch für den sommerlichen Wärmeschutz ist ein kleiner U-Wert von Vorteil, daneben gilt es, aber auch andere Kriterien zu beachten:

  • Begrünung mit geringen Temperaturschwankungen im Abdichtungsbereich,
  • raumseitige, speicherfähige Masse und
  • Verschattung bei Oberlichtern o. Ä.

Ökologie/Recycling

Bei der Materialwahl sind auch ökologische Kriterien zu berücksichtigen (Umweltbeeinträchtigung, graue Energie). Nach Abschluss der Nutzungsphase soll die Flachbedachung, dank möglichst wenig Verbund unter den Schichten, einfach zurückgebaut und sortenrein entsorgt oder recycliert werden können.

Gefälle

Das Gefälle wirkt sich auf die Höhenkoten bei An- und Abschlüssen aus und ist deshalb in einer frühen Planungsphase konkret zu planen. Das Gefälle kann entweder mit der Unterkonstruktion gewährleistet oder mittels Gefälleplatten durch die Wärmedämmschicht erreicht werden. Ein Gefälle von mind. 1,5 % (Gussasphalt mind. 2 %) ist in der Regel gefordert und von Vorteil. Wird das Mindestgefälle unterschritten, sind zusätzliche Massnahmen erforderlich (vgl. Kapitel 3.2.15).

Flachdach ohne Verbund oder im Verbund

In Norm SIA 271 wird differenziert nach Abdichtungssystemen ohne Verbund bzw. solchen, die im Verbund ausgeführt werden. Ein Abdichtungssystem im Verbund muss bereits bei Auftragserteilung klar gefordert werden, ansonsten wird das Flachdach in der Regel ohne Verbund ausgeführt. Vorteile bezüglich der Witterungsabhängigkeit bei der Ausführung (Feuchtigkeit, Temperatur), den Erstellungskosten und der Rückbaubarkeit führen in der Regel zu Flachdächern ohne Verbund.

3.2.3 Flachdachschichten

Damit das Flachdach langfristig funktionstüchtig bleibt, sind Anforderungen an den Schichtaufbau und die Ausführung der An- und Abschlüsse zu beachten. Ein Abdichtungssystem besteht aus vielen Schichten (vgl. Bild 3.2.2), die so aufeinander abgestimmt sein müssen, dass das Flachdach als Bauteil langfristig funktionstüchtig ist. Im Folgenden wird aufgezeigt, welche Materialien für die verschiedenen Flachdachschichten möglich sind.

Schichten eines Abdichtungssystems, die für die Funktionstüchtigkeit entscheidend sind.
Bild 3.2.2: Schichten eines Abdichtungssystems, die für die Funktionstüchtigkeit entscheidend sind.

Unterkonstruktion

  • Stahlbeton
  • Gasbeton
  • Holz (Mehrschichtplatten, Holzschalung, Brettstapel)
  • Profilblech

Dampfbremse/Luftdichtigkeit

  • Polymerbitumen-Dichtungsbahn
  • Kunststofffolie

Trittschalldämmung

  • Mineralfaserplatten
  • Polystyrolhartschaumplatte EPS gewalkt
  • Trittschalldämmende Schutz- und Drainageplatten

Wärmedämmung

  • Polyurethanhartschaumplatte PUR (Vlies- oder Alu-kaschiert)
  • Expandierte Polystyrolhartschaumplatte EPS
  • Extrudierte Polystyrolhartschaumplatte XPS
  • Mineralfaserplatten (Stein- und Glaswolle)
  • Schaumglasplatte CG
  • Polyisocyanuratschaumplatte PIR
  • Aerogelplatten
  • Vakuumisolationspanele VIP

Abdichtung

  • Polymerbitumen-Dichtungsbahn
  • Kunststoff- und Elastomerdichtungsbahn
  • Flüssigkunststoff
  • Gussasphalt
  • Starre mineralische Abdichtung (bedingt einsetzbar)

Ausgleichs-, Trenn- und Gleitschichten

  • Vlies
  • Filz
  • PE-Folie
  • Mörtel und Spachtelmasse

Drainage- und Wasserspeicherschichten

  • Rundkies
  • Drainagematte (unterschiedliche Druckfestigkeiten)
  • Splitt (bedingt drainierend)
  • Wasserspeicherplatte
  • Noppenbahn
  • Trittschalldämmende Drainagematten/-platten

Nutzschichten

  • Zementplatte, Verbundstein
  • Natur- und Kunststeinbelag
  • Holzrost
  • Ortbeton
  • Intensivbegrünung
  • Spezialbelag

Schutzschichten

  • Kiesschicht und andere Schüttstoffe
  • Dachbegrünung (Extensivbegrünung)
  • Filz und Vlies
  • Gummigranulatmatte
  • Kunststoffschutzbahn
  • Kunststoffplatte
  • Druckverteilplatte (Ortbeton)
  • Beschieferung auf Abdichtungsbahn

3.2.4 Abdichtungssysteme

Flachdach ohne Schutz- und Nutzschichten (Nacktdach)

Abdichtungssysteme ohne Schutz- und Nutzschichten können verklebt, verschweisst oder mechanisch befestigt werden. Auf starre Unterkonstruktionen wie Beton ist eine Verklebung oder Verschweissung möglich, auf Leichtbauunterkonstruktionen wie Profilblech sind mechanische Befestigungen empfehlenswert (vgl. Bild 3.2.3).

Die oberste Schicht einer Abdichtung ohne Schutz- und Nutzschichten muss UV-beständig ausgeführt werden. Dazu kommen folgende Materialien zur Anwendung:

  • Polymerbitumen-Dichtungsbahn beschiefert,
  • Kunststoffdichtungsbahn,
  • Elastomerdichtungsbahnen,
  • Flüssigkunststoff (nur auf starren Unterkonstruktionen) und
  • Gussasphalt.

Abdichtungen ohne Schutz- und Nutzschichten müssen mechanisch befestigt oder verklebt ausgeführt werden. Es sind die unterschiedlichen Hagelzonen der Schweiz zu beachten. Je nach Zone muss die Abdichtung verstärkt ausgeführt oder es muss eventuell auf ein Nacktdachsystem verzichtet werden. Abdichtungen ohne Schutz- und Nutzschichten müssen zwingend ein durchgehendes Gefälle von mind. 1,5 %, Gussasphalt ein Gefälle von mind. 2 % aufweisen.

Flachdach bekiest (teilweise geschützte Abdichtung)

Unter teilweise geschützten Abdichtungen versteht man Abdichtungssysteme mit beschränkt begehbaren Schutz- und Beschwerungsschichten (Rundkies o.Ä., vgl. Bild 3.2.4). Teilweise geschützte Abdichtungen können für alle Abdichtungssysteme eingesetzt werden. Ungeschützte An- und Abschlüsse können mit beschieferten oder UV-beständigen Bahnen ausgeführt oder mit Blechabdeckungen o. Ä. geschützt werden.

Um die Anforderungen im Bezug auf Windsog zu erfüllen, ist eine minimale Auflast von 80 kg/m2 erforderlich. Dies ergibt bei Rundkies mit Körnung 16/32 mm eine Schichthöhe von etwa 50 mm.

Stehendes Wasser kann zu einer erhöhten Belastung durch Mikroorganismen und einer Schädigung der Abdichtung führen. Abdichtungen sollten daher ein durchgehendes Gefälle von mind. 1,5 % aufweisen. Bei einem Gefälle unter 1,5 % sind Ausnahmeregelungen zu beachten (vgl. Kapitel 3.2.15).

Flachdach begehbar (Terrasse)

Abdichtungssysteme mit begehbaren Nutzschichten (Zementplatten, Natursteinplatten, Holzroste usw.) bieten als Terrassen o. Ä. hohen Nutzwert (vgl. Bild 3.2.5). Zwischen der Abdichtung und der Nutzschicht muss eine Schutzschicht verlegt werden.

Wenn das Flachdach als Umkehrdach ausgeführt wird, empfiehlt es sich die Wärmedämmschicht punktweise aufzukleben, damit Bewegungen in der Nutzschicht vermieden werden können. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass die Entwässerung zwischen der Wärmedämmschicht und der Abdichtung gewährleistet bleibt.

An- und Abschlüsse müssen gegen mechanische Beschädigungen geschützt werden. Dies kann mittels Schutzblechen, Schutzplatten, Wärmedämmstoffplatten mit Mörtelbeschichtung o. Ä. erreicht werden.

Systemaufbauten für Nacktdächer.
Bild 3.2.3: Systemaufbauten für Nacktdächer.

Stehendes Wasser unter der begehbaren Nutzschicht kann durch Ausblühungen, Algenbildungen o.Ä. zu optischen Beeinträchtigungen führen. Abdichtungen für begehbare Bauteile müssen daher ein durchgehendes Gefälle von mind. 1,5 % aufweisen. Gehbeläge sollen mit einem Gefälle von 1,5 % verlegt werden. Wenn der Gehbelag mit kleinerem Gefälle verlegt wird, müssen spezielle Anforderungen an den Fugenanteil beachtet werden.

Bei Loggien können bei genügendem Witterungsschutz (Überdachung, geschlossene Brüstung) Kompromisse an die Anschlüsse (Schwellenhöhe) und an die Entwässerung (direkt entwässerte Rinne vor den Fenstern) gemacht werden.

Systemaufbauten für bekieste Dächer.
Bild 3.2.4: Systemaufbauten für bekieste Dächer.

Systemaufbauten für begehbare Dächer.
Bild 3.2.5: Systemaufbauten für begehbare Dächer.

Flachdach begrünt

Bei begrünten Flachdächern wird unterschieden zwischen Abdichtungssystemen mit extensivem oder intensivem Begrünungsaufbau, ein- oder mehrschichtig ausgeführt (vgl. Bild 3.2.6). Die Abdichtung muss wurzelfest ausgeführt werden. Der Wurzelschutz kann in der Abdichtung integriert sein (wurzelfeste Abdichtung), oder er muss mit einer zusätzlichen Wurzelschutzschicht sichergestellt werden.

Ungeschützte An- und Abschlüsse können durch beschieferte oder UV-beständige Bahnen, Blechabdeckungen o. Ä. geschützt werden.

Für eine funktionstaugliche, extensive Dachbegrünung empfiehlt sich ein minimaler Schichtaufbau von 80 mm Substrat, verdichtet. Die lose verlegte Abdichtung ist damit auch genügend gegen Windsog geschützt.

Die Abdichtung sollte ein durchgehendes Gefälle von mind. 1,5 % aufweisen. Bei einem Gefälle unter 1,5 % ist durch konstruktive Massnahmen sicherzustellen, dass sich die Vegetationsschicht nicht in stehendem Wasser befindet, und es sind die normativen Ausnahmeregelungen zu beachten.

Flachdächer bei Holzbaukonstruktion

Bei Holzbaukonstruktionen stehen jeweils drei unterschiedliche Konstruktionssysteme zur Diskussion, welche in der Regel meist aus Sicht der konzipierten Tragstruktur gewählt werden. Aus bauphysikalischer Sicht, insbesondere hinsichtlich des Feuchteschutzes, würde man hingegen oft andere Konstruktionsentscheide treffen (vgl. Bild 3.2.7).

Tragstruktur mit Balkenlage

Wenn die Wärmedämmung zwischen einer Balkenlage angeordnet ist, muss die «dampfdichte» Flachdachabdichtung entweder unterlüftet werden oder die Abdichtung ist über einer zusätzlichen Überdämmung zu verlegen (vgl. Kapitel 2.4 «Feuchteschutz»).

Die Variante mit Durchlüftung ist insbesondere bei Attikadächern kaum sinnvoll auszuführen:

  • Zu- und Abluftöffnungen können in der Regel nicht normkonform erstellt werden: Der lichte Querschnitt muss grösser als 1/300 der unterlüfteten Dachfläche sein, die Verminderung durch Lochbleche u.Ä. ist dabei zu berücksichtigen.
Systemaufbauten für begrünte Dächer.
Bild 3.2.6: Systemaufbauten für begrünte Dächer.

Systemaufbauten für Flachdächer bei Holzbaukonstruktionen.
Bild 3.2.7: Systemaufbauten für Flachdächer bei Holzbaukonstruktionen.

  • An- und Abschlüsse der Flachdachabdichtung sind in Verbindung mit Zu- und Abluftöffnungen schwierig zu realisieren.
  • Die erforderliche Konstruktionshöhe steht meist nicht zur Verfügung: Die Höhe des Durchlüftungsraums muss mind. 100 mm betragen und der Querschnitt des Durchlüftungsraums muss grösser als 1/150 der unterlüfteten Dachfläche sein.

Die Überdämmung der ausgedämmten Holztragstruktur ist aus feuchtetechnischer Sicht bei Bauten mit «normalen» raumklimatischen Bedingungen (z.B. Wohn- und Verwaltungsbauten) zwingend (vgl. auch Kapitel 2.4.2). Ohne Überdämmung ist diese Flachdachkonstruktion nur bei geringer Feuchtebelastung denkbar (z.B. unbeheizte Lagerhallen o.Ä.). Es sind hohe Anforderungen an die Luftdichtheit zu stellen, ein konvektiver Feuchteeintrag ist zu vermeiden. Insbesondere beim Übergang vom Ober- zum Attikageschoss, wo die Balkenlage vom Warmbereich (unten und oben warm) in den Kaltbereich läuft (unten warm, oben kalt), ist die Luftdichtheit in der Regel nur schwierig zu gewährleisten. Insbesondere bei Attikadächern (Terrassen) soll deshalb wenn möglich die Variante mit Flachdachaufbau über einer flächigen Tragstruktur gewählt werden.

Tragstruktur mit Mehrschichtplatte o.Ä.

Wenn der Flachdachaufbau über einer flächigen Tragstruktur aufgebracht wird, befindet sich diese im Warm- und Trockenbereich. Dieses bauphysikalisch unproblematische Konstruktionssystem ist insbesondere bei Attikaterrassen gegenüber allen anderen Systemen klar zu bevorzugen.

Balkon

Beim Balkon handelt es sich in der Regel um eine begehbare, ungedämmte Flachdachkonstruktion. Die Abdichtung wird direkt auf die Unterkonstruktion aufgebracht (vgl. Bild 3.2.8). Für die Abdichtung von Balkonen eignen sich alle gängigen Abdichtungsmaterialien. Die Abdichtung ist auf die gewünschten Nutzschichten abzustimmen.

Systemaufbauten für Balkone.
Bild 3.2.8: Systemaufbauten für Balkone.

Betreffend die Ausführung des Abdichtungssystems inklusive An- und Abschlüsse und Entwässerung gelten dieselben Anforderungen wie bei begehbaren Flachdächern (Terrassen) sinngemäss. Je nach Witterungsschutz (Vordächer, geschlossene Brüstung) können bei Balkonen Kompromisse an die Anschlüsse (Schwellenhöhe) und an die Entwässerung (direkt entwässerte Rinne vor den Fenstern) gemacht werden.

Bei geklebten Nutzschichten (Keramikplatten, Natursteinplatten o. Ä.) sind spezielle Massnahmen zu treffen, mit denen Aussinterungen durch die Plattenfugen und Frostschäden verhindert werden können, wie z.B. eine zusätzliche Abdichtung mit Flüssigkunststoff zwischen Betonkonstruktion und Plattenbelag.

An- und Abschlüsse müssen gegen mechanische Beschädigungen geschützt werden. Dies kann mittels Schutzblechen, Schutzplatten o. Ä. erreicht werden.

Stehendes Wasser unter der begehbaren Nutzschicht kann durch Ausblühungen, Algenbildungen o. Ä. zu optischen Beeinträchtigungen führen. Bei aufgeklebten Nutzschichten kann stehendes Wasser zu Ablösungen infolge Eisbildung führen. Abdichtungen für begehbare Bauteile müssen daher ein durchgehendes Gefälle von mind. 1,5 % aufweisen. Für Gussasphalt ist ein Gefälle von mind. 2 % einzuhalten.

3.2.5 Unterkonstruktion

Unter dem Begriff Unterkonstruktion werden die tragende Schicht oder Schichten des nachfolgenden Abdichtungssystems zusammengefasst. Die oberste Schicht einer Unterkonstruktion dient als Untergrund für die weiteren Schichten des Abdichtungssystems und deren An- und Abschlüsse. Je nach Ausführung und Dicke leistet die Unterkonstruktion einen Beitrag an den Wärmedurchgangswiderstand des gesamten Flachdachaufbaues.

Die Unterkonstruktion kann z.B. aus folgenden Materialien bestehen (vgl. auch Bild 3.2.9):

  • Stahlbeton oder Gasbeton,
  • Holz (Mehrschichtplatten, Holzschalung, Brettstapel) und
  • Profilbleche.
Varianten von Unterkonstruktionen für den Aufbau einer Flachbedachung.
Bild 3.2.9: Varianten von Unterkonstruktionen für den Aufbau einer Flachbedachung.

Grundsätzlich muss die Unterkonstruktion den gestellten Anforderungen des nachfolgenden Dachaufbaus genügen, um deren Funktion langfristig zu erfüllen. Bei der Projektierung der Unterkonstruktion muss berücksichtigt werden, dass die Abdichtung im Endzustand das erforderliche Gefälle aufweist. Dabei sind auch die erforderlichen Anschlusshöhen zu beachten. Kann mit den Zwischenschichten das notwendige Gefälle nicht erreicht werden (z.B. mit einer Gefälledämmung), muss das Gefälle in der Unterkonstruktion geplant und ausgebildet werden.

Vor der Ausführung der Abdichtungsarbeiten muss die Untergrundbeschaffenheit im Bezug auf Ebenheit (keine Überzähne), Trockenheit und Gefälle durch den Unternehmer im Beisein der Bauherrschaft oder deren Vertretung (Architekt oder Bauleitung) geprüft werden.

3.2.6 Gefälle

Ein Gefälle erleichtert die Ausführung der nachfolgenden Schichten. Durch die schnelle Entwässerung der Fläche werden Trocknungs- und Reinigungsarbeiten vermindert. Im Gebrauchszustand verhindert ein Gefälle Schmutzablagerungen. Bei Gehbelägen wird durch das Gefälle die Nutzbarkeit der Terrassen nach Niederschlägen bereits nach kurzer Zeit wieder uneingeschränkt ermöglicht.

Gefälleausbildung

Grundsätzlich hat die Abdichtung in der Falllinie der Fläche in Richtung Entwässerung ein Gefälle von mind. 1,5 % aufzuweisen. Dies kann sowohl mit der Unterkonstruktion, einer Gefälleschicht aus Zementestrich oder einer Gefälledämmung erreicht werden (vgl. Bild 3.2.10). Bei Dächern im Verbund sind jedoch Zementestriche nicht zulässig.

Gefälle bei Gehbelägen

Gehbeläge benötigen ein Gefälle von mind. 1,5 %. Je nach Oberflächenbeschaffenheit der Platten (Rauigkeit) muss dieses Gefälle erhöht werden. Eine Ausnahme bilden Gehbeläge mit einem Fugenanteil über 5 % und offenen Fugen von mindestens 4 mm: Solche Gehbeläge können auch ohne Gefälle ausgeführt werden.

Möglichkeiten für die Gefälleausbildung und die Anordnung der Dachwassereinläufe und Entwässerungsrinnen
Bild 3.2.10: Möglichkeiten für die Gefälleausbildung und die Anordnung der Dachwassereinläufe und Entwässerungsrinnen (z.B. bei Terrassen) sowie Anforderungen an das Gefälle in Abhängigkeit vom Konstruktionssystem.

Aufbordung der Dampfbremse beim Dachrand. Bei dieser Detailausbildung müssen neben der Wasserdampfdiffusion zusätzliche Anforderungen an die Luftdichtheit
Bild 3.2.11: Aufbordung der Dampfbremse beim Dachrand. Bei dieser Detailausbildung müssen neben der Wasserdampfdiffusion zusätzliche Anforderungen an die Luftdichtheit (Anschluss an Holzbau) und an die Bauzeitabdichtung (Schutz des Holzbaus) gestellt werden. Zudem gilt es zu vemeiden, dass im Hohlraum zwischen Aussenwand (Mauerwerk/Stahlbeton) und Wärmedämmung die warm-feuchte Luft bis in den feuchteempfindlichen Dachrand gelangen kann (Kaltbereich, Konvektionskondensat, Feuchteschadenrisiko!).

3.2.7 Dampfbremse und Luftdichtheitsschicht

Wärmegedämmte Konstruktionen müssen luftdicht sein. Die Luftdichtheitsschicht ist warm- bzw. raumseitig der Wärmedämmung (Seite mit höherem Dampfdruck) anzuordnen. Die Lage der Luftdichtung im Konstruktionsaufbau und der Verlauf inkl. aller An- und Abschlüsse ist im Detail zu planen (vgl. Bild 3.2.11).

Dampfbremse als Luftdichtheitsschicht

Wenn die Dampfbremse gleichzeitig auch die Funktion der Luftdichtung übernehmen muss, sind alle Anschlüsse und Überlappungen luftdicht auszuführen.

Varianten für die Ausführung von Dampfbremse/Bauzeitabdichtung mit Bitumendichtungsbahnen.
Bild 3.2.12: Varianten für die Ausführung von Dampfbremse/Bauzeitabdichtung mit Bitumendichtungsbahnen.

Aufbordung

Die Aufbordungshöhe der Dampfbremse richtet sich nach den Anforderungen bezüglich Luftdichtheit. Ohne besondere Anforderungen endet die Dampfbremse in der Regel oberkant der Wärmedämmschicht.

Materialisierung

Betreffend Materialisierung wird zwischen bituminösen und Kunststoff-Dampfbremsen unterschieden. Die bituminösen Dampfbremsen werden in der Regel auf den Untergrund aufgeklebt oder aufgeschweisst (vgl. Bild 3.2.12). Bei Abdichtungssystemen im Verbund kommen nur bituminöse Dampfbremsen zum Einsatz. Diese werden vollflächig auf den Untergrund aufgeschweisst.

Kunststoffdampfbremsen bestehen aus Polyethylenfolien und werden lose verlegt. Die Überlappungen werden mit Butylkautschukbändern verklebt.

Dampfdiffusionswiderstand

Bei nicht belüfteten Systemen ist ein sd-Wert (sd-Wert = diffusionsäquivalente Luftschichtdicke) von mind. 150 m gefordert. Bei Begrünungsaufbauten mit geplantem Wasseranstau muss der sd-Wert mind. 250 m betragen. Spezielle Raumklimabedingungen (hohe Raumluftfeuchte, Überdruckverhältnisse usw.) sind im Luftdichtheitskonzept und bei der Beurteilung des Dampfdiffusionsverhaltens zu berücksichtigen.

Wird von diesen Anforderungen abgewichen, ist die Funktionstauglichkeit mit einem validierten Berechnungsprogramm nachzuweisen.

Dampfbremse als Bauzeitabdichtung

Übernimmt die Dampfbremse gleichzeitig die Funktion der Bauzeitabdichtung, so wird diese auf den Untergrund aufgeklebt oder aufgeschweisst. Die Überlappungen und Anschlüsse sind entsprechend den zu erwartenden Belastungen wasserdicht auszubilden und Aufbordungen sind entsprechend hoch zu führen. Die Dampfbremse bzw. Bauzeitabdichtung muss den zu erwartenden Belastungen durch Wind, direkte Sonnenbestrahlung, Wasser und mechanische Beanspruchung standhalten. Die Dampfbremse ist an das Entwässerungssystem anzuschliessen.

Wärmedämmstoffe und erforderliche Schichtdicken für unterschiedliche U-Werte.
Bild 3.2.13: Wärmedämmstoffe und erforderliche Schichtdicken für unterschiedliche U-Werte.

3.2.8 Wärmedämmung

Im Flachdach werden organische und anorganische Wärmedämmstoffe eingesetzt. Die Eigenschaften der Wärmedämmstoffe sind auf die Nutzung im Gebrauchszustand abzustimmen. Dabei sind die Wärmeleitfähigkeit und die Druckbelastung entsprechend dem geplanten Einsatz zu berücksichtigen. Für nicht genutzte Dächer (nackt oder bekiest) wird eine Druckbeanspruchung von ≥ 50 kPa und für begrünte oder begehbare Dächer (Belastung über 100 kg/m2) eine Druckbeanspruchung von ≥ 120 kPa gefordert.

Innerhalb der Wärmedämmschicht dürfen keine Hohlräume vorhanden sein, welche eine Konvektion zulassen. Es ist auf eine lückenlose Verlegung zu achten.

Wärmedämmung nassseitig der Abdichtung (Umkehrdach)

Im Umkehrdachsystem sind gefälzte Platten aus extrudiertem Polystyrol (XPS) mit Schaumhaut zu verwenden, wobei die Wärmedämmschicht einlagig auszuführen ist.

Bei feuchteempfindlichen Unterkonstruktionen (z.B. Holz) und bei Leichtkonstruktionen muss die Kondensatfreiheit unter der Abdichtung nachgewiesen werden.

Bei der wärmetechnischen Beurteilung ist der Einfluss des Wärmeverlusts durch den Wasserabfluss unter der Wärmedämmschicht zu berücksichtigen. Für die Berechnung des U-Werts gilt die Norm SN EN ISO 6946. Norm SIA 380/1 verlangt ohne Nachweis einen U-Wert-Zuschlag von 30 % (Nachweis gemäss Norm SN EN ISO 6946, die übergeordnet Gültigkeit hat).

Unter Berücksichtigung dieser hohen U-Wert-Zuschläge und den geltenden Wärmeschutzanforderungen hat das Umkehrdach kaum eine Marktchance. Verschiedene Systemanbieter verfügen deshalb über spezielle, wasserableitende und diffusionsoffene Trennlagen, mit denen der U-Wert-Zuschlag gegen Null tendieren soll (vgl. dazu Prüfatteste der jeweiligen Systemanbieter).

Materialverträglichkeit

Die Verträglichkeit mit den angrenzenden Baustoffen (z.B. EPS und PVC-weich) ist zu beachten (evtl. Systemlieferant konsultieren). Allenfalls müssen Trennlagen eingebaut werden. Die Wärmedämmung muss den teilweise hohen Hitzebeanspruchungen bei der Ausführung der Flachbedachung standhalten (Heissbitumen, Schweiss- oder Lötarbeiten.

Längenänderungen

Wärmedämmschichten dürfen durch thermische oder feuchtebedingte Längenänderung keine Schäden an den An- und Abschlüssen verursachen. Nötigenfalls sind die Wärmedämmplatten auf den Untergrund zu kleben, oder es sind elastische Pufferstreifen einzubauen.

Konstruktionsbeispiel für Schwellenanschluss.
Bild 3.2.14: Konstruktionsbeispiel für Schwellenanschluss.

Feuchtegehalt

Wärmedämmstoffe sind vor der Witterung geschützt zu lagern und trocken einzubauen. Der Feuchtigkeitsgehalt darf beim Einbau folgende Werte nicht überschreiten:

  • Hartschaum- und Mineralfaserplatten: 0,5 Volumenprozent oder 500 g/m2
  • Holzfaser- und Korkplatten: 16 Masseprozent

Bei Sanierungen dürfen die bestehenden Wärmedämmschichten maximal 5 Volumenprozente Feuchte aufweisen. Der Wassergehalt darf 2000 g/m2 nicht übersteigen. Eine genaue Überprüfung der bestehenden Wärmedämmungsschicht ist vor der Sanierung eine wichtige Aufgabe. Nasse Wärmedämmplatten können ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen.

Schwellenanschlüsse

Wärmedämmschichten bei Schwellenanschlüssen mit einer Höhe kleiner als 60 mm (schwellenlose Übergänge) müssen im Bereich der Schwelle eine Druckfestigkeit von 350 kPa aufweisen. Die Breite des druckfesten Streifens soll etwa 30 bis 60 cm betragen (vgl. Bild 3.2.14).

Einsatz und Kriterien für Ausgleichs-, Trenn- und Gleitschichten.
Bild 3.2.15: Einsatz und Kriterien für Ausgleichs-, Trenn- und Gleitschichten.

3.2.9 Ausgleichs-, Trenn- und Gleitschichten

Ausgleichs-, Trenn- und Gleitschichten schützen Folgeschichten vor mechanischer Verletzung bei rauem Untergrund, werden zwischen zwei zueinander nicht verträglichen Materialien eingesetzt oder gewährleisten unterschiedliche Bewegungen ohne Schadenfolge (vgl. Bild 3.2.15).

3.2.10 Abdichtung

Abdichtungsbahnen bilden die wasserführende Ebene des Flachdaches. Sie schützen einerseits den darunter liegenden Systemaufbau, aber auch die gesamte Gebäudesubstanz vor eindringender Feuchtigkeit. Abdichtungsbahnen sind vielen Witterungseinflüssen wie Regen, Schnee, Temperaturwechseln, Wind und mechanischen Belastungen ausgesetzt. Die geeignete Baustoffwahl ist eine wichtige Voraussetzung für die Funktionstüchtigkeit während der Gebrauchsphase. Die Abdichtungen sowie die An- und Abschlüsse sollen als Einheit geplant und ausgeführt werden.

In Norm SIA 271 wird zwischen folgenden Abdichtungen unterschieden:

  • Polymerbitumen-Dichtungsbahnen PBD,
  • Kunststoffdichtungsbahnen TPO (Thermoplastische Polyolefine) oder PVC (Polyvinylchlorid),
  • Elastomerdichtungsbahnen EPDM
  • (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk),
  • Gussasphalt MA und
  • Flüssigkunststoffe FLK.

Generelle Anforderungen

Je nach Einsatzgebiet werden unterschiedliche Anforderungen an die Abdichtung gestellt. Für beschwerte Dächer, mit Kies oder Begrünung, sind einerseits die mechanische Durchschlagsfestigkeit (stossartige Belastung) wichtig, anderseits ist die Wurzelfestigkeit eine unabdingbare Voraussetzung. Bei Dächern ohne Schutz- und Nutzschicht (Nacktdächer) spielt der Widerstand gegen Hagelschlag in vielen Gebieten eine zentrale Rolle. Beim Hagelschlag kann die kantonale Gebäudeversicherung die nötige Klassierung des Widerstandes, je nach Gefährdung am Objektstandort, festlegen. Dazu muss der Brandschutz gemäss Vorgaben der Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen (VKF) eingehalten werden.

Materialverträglichkeit

Nicht alle Baustoffe sind bei direktem Kontakt miteinander verträglich (vgl. Bild 3.2.16). Es müssen allenfalls Trennschichten eingesetzt werden.

Dilatationen

Unter dem Begriff Dilatation versteht man das Ausbilden einer Bewegungsfuge. Bewegungsfugen sind geplante Trennstellen zwischen zwei Bauteilen oder zwei Bauwerken. Bewegungen können in alle Richtungen auftreten und z.B. durch Längenänderungen (z.B. thermische Einflüsse) verursacht werden.

Beurteilung der Verträglichkeit von Abdichtungen mit anderen Materialien.
Bild 3.2.16: Beurteilung der Verträglichkeit von Abdichtungen mit anderen Materialien.

Schemaskizze betreffend die Ausführung eines bituminösen Fugenbandes.
Bild 3.2.17: Schemaskizze betreffend die Ausführung eines bituminösen Fugenbandes.

Bewegungsfugen in der Unterkonstruktion sind auch in den weiteren Schichten des Abdichtungssystems entsprechend den zu erwartenden Bewegungen zu planen und auszubilden (vgl. Bild 3.2.17). Bei Flachdachabdichtungen aus Kunststoffdichtungsbahnen sind in der Regel bei Bewegungsfugen keine speziellen Massnahmen erforderlich.

Abschottung und Tagesabschottung

Abschottung

Abschottungen sind wesentliche Elemente von sicheren Flachdächern. Sie bilden eine dichte Verbindung zwischen der Unterkonstruktion und der Abdichtung. Die Dampfbremse ist im Bereich der Abschottung auf starre Untergründe vollflächig aufzukleben oder aufzuschweissen. Die Abdichtungsbahnen können, bei gewährleisteter Verträglichkeit, direkt mit der Dampfbremse verklebt werden, oder sie sind mit einem Übergangsband auszuführen (vgl. Bild 3.2.18).

Ausführungsvarianten für Abschottung und Tagesabschottung.
Bild 3.2.18: Ausführungsvarianten für Abschottung und Tagesabschottung.

Abschottungen sind unter Berücksichtigung der Grundrissform der Dachfläche und der Art der Schutz- oder Nutzschichten (leicht oder schwer entfernbar) festzulegen und in den Bauwerksakten zu dokumentieren oder am Bauwerk dauerhaft zu markieren. Es sind folgende maximale Feldgrössen einzuhalten:

  • 600 m2 bei leicht entfernbaren Nutzschichten (Kies/extensive Begrünung)
  • 300 m2 bei schwer entfernbaren Schutz- oder Nutz- schichten (Gehbeläge/intensive Begrünung)

Bei der Planung der Abschottungen sind auch allfällige Installationen (Lüftungsanlagen, Sonnenkollektoren, Photovoltaikanlagen o. Ä.) zu berücksichtigen.

Tagesabschottung

Tagesabschottungen schützen die neu verlegte Teilfläche, insbesondere die Wärmedämmschicht, vor eindringender Feuchtigkeit bei einem Arbeitsunterbruch. Für die Ausführung der Tagesabschottung sind je nach Gebäudeform und Schichtaufbau unterschiedliche Varianten möglich. Bei Dächern mit Gefälle kleiner als 1,5 % sind Tagesabschottungen als unterlaufsichere Abschottung auszuführen.

3.2.11 Schutz- und Nutzschichten

Flachdächer bieten vielfältigen Nutzen, sie können beispielsweise als begehbare und nutzbare Flächen dienen oder begrünt werden. Je nach Nutzung resultieren unterschiedliche Anforderungen an die Schutz- und Nutzschichten.

Schutzschicht für nicht genutzte Dächer (bekiest)

Die lose aufgebrachte Schutzschicht beschwert die Flachdachabdichtung und muss ein Flächengewicht von mindestens 80 kg/m2 (etwa 50 mm Rundkies) aufweisen.

Bei Umkehrdächern muss die Auflast objektbezogen berechnet werden. Die Auflast ist abhängig von der Windlast, der Dicke der Wärmedämmschicht und der örtlichen Niederschlagsmenge.

Die Randzonen von windexponierten Gebäuden müssen entsprechend der Windbelastung gesichert werden. Dazu kann z.B. die Kiesschicht mit einem Kleber verfestigt werden, oder die exponierten Flächen werden mit Gehwegplatten belegt.

Schutzschicht bei genutzten Dächern

Zwischen der Abdichtung und der Nutzschicht ist eine der Beanspruchung entsprechende Schicht aufzubringen, die verschiedene Funktionen erfüllen kann:

  • Schutzschicht (z.B. mechanische Einflüsse),
  • Drainageschicht (schnelle Entwässerung) und
  • Gleitschicht (z.B. bei Bewegungen aus der Überkonstruktion).
Drainageschichten erhöhen den Nutzwert der Gehbeläge und schützen vor Ausblühungen und Verfärbungen.
Bild 3.2.19: Drainageschichten erhöhen den Nutzwert der Gehbeläge und schützen vor Ausblühungen und Verfärbungen.

Bei der Planung der verschiedenen Schichten ist zwingend die Nutzung im Gebrauchszustand zu beachten. Insbesondere ist die Druckbelastung durch Blumentröge, Sitzgarnituren etc. zu berücksichtigen.

Drainageschichten unter Gehbelägen

Zwischen Gehbelägen und der Abdichtung sind Flachdachschichten erforderlich, welche unter anderem Schutz- und Entwässerungsfunktionen haben. Je nach Gefälle und Ebenheit der Abdichtung (Entwässerungsebene) sowie Art der Zwischenschichten bleibt Wasser mehr oder weniger lang liegen und die Konstruktionsschichten bleiben teilweise über längere Zeit feucht. Durch das Austrocknen der feuchten Zwischenschichten durch die Gehbeläge hindurch (z.B. bei Sonneneinstrahlung, Diffusions- und Kapillartransport) kann es zu Ausblühungen beim Gehbelag kommen (vgl. Bild 3.2.19). Spezielle Drainageschichten (z.B. Drainagematte) bilden eine kontrollierte Entwässerungsebene und trennen die begehbare Überkonstruktion von der Abdichtung und vor stehendem Wasser (z.B. bei Bahnenstössen und Unebenheiten). Je nach Drainageschicht ist das Wasserableitvermögen bis zu einem Faktor 20 höher im Vergleich zu konventionellen Überkonstruktionen.

Begehbare Nutzschichten in Abhängigkeit von Gefällsverhältnissen und Schwellenhöhen.
Bild 3.2.20: Begehbare Nutzschichten in Abhängigkeit von Gefällsverhältnissen und Schwellenhöhen.

Nutzschichten (Gehbeläge aus Betonplatten, Holzrosten und aufgegossene Nutzschichten)

Gehbeläge müssen ein minimales Gefälle von 1,5 % aufweisen. Bei rauen Oberflächen ist das Gefälle zu vergrössern. Bei wasserdurchlässigen Nutzschichten (Fugenanteil > 5 %, offene Fugen mind. 4 mm breit) kann das Gefälle von 1,5 % unterschritten werden. Bild 3.2.20 gibt Auskunft über die Anforderungen an begehbare Nutzschichten, in Abhängigkeit der Gefällsverhältnisse und der Schwellenhöhen bei Fenstertüren.

Kunst- und Natursteinbeläge

Für Gehbeläge mit Kunst- oder Natursteinen sowie Keramikplatten ist das Gefälle je nach Eigenschaft der Platten und der Verlegart, gemäss den entsprechenden Normen, zu berücksichtigen:

  • SIA 244 Kunststeinarbeiten 1 bis 3 %.
  • SIA 246 Natursteinarbeiten Mindestgefälle 1,5 %.
  • SIA 248 Plattenarbeiten Mindestgefälle 2 % strukturiert, profiliert 2,5 %.

Gussasphalt als Nutzschicht

Die Gussasphaltabdichtung kann in verschiedenen Rezepturen auch als Nutzschichtbelag ausgebildet werden. Durch Einstreuen von Splitt/Quarzsand (frostbeständig) kann die Rutschsicherheit erhöht und die Oberflächenstruktur architektonischen Kriterien angepasst werden.

Extensive Dachbegrünung

Extensive Dachbegrünungen sind pflegeleichte und kostengünstige, flächige Begrünungen mit Moosen, Sedum, Extensivkräutern und Gräsern. Das Konzept dieser Begrünungsart verlangt einen dünnschichtigen, leichten Aufbau (vgl. Bild 3.2.21). Extensivbegrünungen werden aus verschiedenen Gründen erstellt, wie z.B.:

  • Kompensieren von überbauten Grünflächen,
  • Retention vom Meteorwasser,
  • Schutz der Abdichtung und
  • Geringerere Temperaturschwankungen unter der Vegetationsschicht.

Intensive Dachbegrünung

Die Intensivbegrünung bietet eine fast uneingeschränkte Pflanzenvielfalt mit umfassenden Gestaltungsmöglichkeiten. Die Pflanzen werden durch einen unterirdischen Regenwasserspeicher (in der Drainageschicht) mit Wasser versorgt. Die Bewässerung erfolgt in der Regel durch einen Bewässerungsautomaten (Schwimmerventil).

3.2.12 Schallschutz

Luftschallschutz

Abgesehen von Gebäuden in durch Fluglärm belasteten Gebieten werden an Flachdächer keine speziell hohen Anforderungen an den Luftschallschutz gestellt. Bei hoher Aussenlärmbelastung ist der Schallschutz der gesamten Gebäudehülle (Fenster, Oberlichter, Aussenwände, Flachdach) normkonform zu wählen. Insbesondere bei Flachdachaufbauten über einer Betondecke ist das Flachdach betreffend das resultierende Luftschalldämmvermögen nicht kritisch.

Trittschallschutz

Bei unterschiedlichen Nutzungseinheiten stellt die Norm SIA 181 Anforderungen an den Trittschallschutz. Bei begehbaren Flachdächern (Laubengänge, Attikaterrassen o. Ä.) über anderen Wohnungen (Wohn- und Schlafräume) muss z.B. ein Trittschallschutz von L’ ≤ 53 dB (Mindestanforderung) bzw. von L’ ≤ 50 dB (erhöhte Anforderung) und bei Balkonen muss ein Trittschallschutz von L’ ≤ 63 dB (Mindestanforderung) bzw. von L’ ≤ 60 dB (erhöhte Anforderung) eingehalten werden. Durch spezielle Trittschalldämmschichten gilt es beim begehbaren Flachdach, die Übertragung von Trittschall (Körperschall) so weit zu reduzieren, dass die gestellten Anforderungen erreicht werden können. Die Trittschalldämmschicht kann unter der Abdichtung, im Bereich der Wärmedämmschicht, oder über der Abdichtung verlegt werden (vgl. Bild 3.2.22).

Mehrschichtaufbauten für extensivbegrünte Flachdächer.
Bild 3.2.21: Mehrschichtaufbauten für extensivbegrünte Flachdächer.

Die in die Wärmedämmschicht integrierte Trittschalldämmschicht (Mineralwolleplatte oder gewalkte Polystyrolhartschaumplatte) soll direkt über der Dampfbremse angeordnet und lose verlegt werden. Diese etwa 2 cm dicke Trittschalldämmschicht leistet einen Teil des erforderlichen Wärmedurchlasswiderstandes.

In der Praxis hat sich die Variante mit Drainagematte über der Abdichtung als trittschalldämmende Schicht bewährt, weil viele Gehbeläge eine Drainageschicht erfordern (Vermeidung von Verfärbungen, Ausblühungen o. Ä.) und diese Schicht auch zugleich die Funktion der Schutzschicht übernehmen kann. Es sind spezielle, trittschalldämmende Drainagematten zu empfehlen. Die noch oft eingesetzten Gummischrotmatten führen wegen der langandauernden Wasserspeicherung zu Ausblühungen bei Gehbelägen.

Systematik des Trittschallschutzes bei begehbaren Flachdächern.
Bild 3.2.22: Systematik des Trittschallschutzes bei begehbaren Flachdächern.

Bei An- und Abschlüssen ist darauf zu achten, dass der Trittschallschutz auch im Bereich der Nutzschicht vorhanden ist. Einerseits ist die Trittschalldämmschicht bis oberkant der Wärmedämmung zu führen (Randstellstreifen) und andererseits ist die Nutzschicht durch entsprechende Ausbildung der Randanschlussfugen von angrenzenden Bauteilen in schalltechnischer Hinsicht zu trennen.

3.2.13 Dachentwässerung

Die Planung und Dimensionierung der Dachentwässerung, inklusive der erforderlichen Not- und Signalüberläufe, muss entsprechend der suissetec-Richtlinie für die Dachentwässerung erfolgen. Diese Richtlinie bildet die technische Grundlage für die Planung, die Bemessung, die Erstellung und den Unterhalt von einwandfreien Dachentwässerungsanlagen.

Dachwassereinläufe

Dachwassereinläufe sind rückstausicher an das Entwässerungssystem anzuschliessen und gegenüber der Abdichtungsfläche abzuschotten und abzusenken (vgl. Bild 3.2.24). Dies ist bei allen Warmdachsystemen und Abdichtungsmaterialien erforderlich. Die Dampfbremse muss luftdicht an die Dachwassereinläufe angeschlossen werden.

Notüberläufe

Flachdächer sind in der Regel mit Notüberläufen auszurüsten. Notüberläufe müssen das gesamte berechnete Meteorwasser abführen können. Die Notüberläufe müssen eckig ausgeführt werden und eine minimale Höhe und Breite von 50 mm aufweisen. Bei Dächern mit oben dichten Abschlüssens und der Möglichkeit des schadenfreien Abfliessens des Wassers über den Dachrand kann auf Notüberläufe verzichtet werden; der Dachrand erfüllt dann die Funktion des Notüberlaufes.

Signalüberläufe

Signalüberläufe zeigen an, dass das Entwässerungssystem nicht mehr richtig funktioniert. Der Signalüberlauf kann rund ausgeführt werden und muss einen minimalen Innendurchmesser von 50 mm aufweisen. Wenn immer möglich sind Signalüberläufe gut sichtbar zu platzieren.

Terrassen

Bei der Dimensionierung der Dachwassereinläufe und der Notüberläufe bei Terrassen sind verschiedene Kriterien und Abhängigkeiten zu beachten. Mit der möglichen Schwellenhöhe und der Anordnung der Dachwassereinläufe (möglichst weit von der Schwelle entfernt) beeinflusst der Planer die zur Verfügung stehende Druckhöhe und die Anordnung der Notüberläufe.

Bild 3.2.23: Elemente für die Dachentwässerung.

Abschottung bei Dachwassereinlauf.
Bild 3.2.24: Abschottung bei Dachwassereinlauf.

Retention

Mit speziellen Retentionsabläufen kann das Entwässerungssystem bei starkem Regen entlastet werden. Dieser Dachwassereinlauf gibt nur eine bestimmte Menge Wasser in das Ablaufsystem ab. Die Höhe der Überlaufkante beim Retentionsablauf muss mit den An- und Abschlüssen abgestimmt werden.

3.2.14 An- und Abschlüsse

Die folgenden Aussagen und Anforderungen gelten unabhängig vom Abdichtungssystem. Die Abbildungen zeigen die minimal geforderten Höhen bei An- und Abschlüssen. In Bergregionen oder an exponierten Lagen sind die Details den Witterungseinflüssen bzw. der Beanspruchung entsprechend anzupassen (Dauerschneebelastung, Frost).

Oben offene An- und Abschlüsse

Der oben offene Rand von Abdichtungen muss mind. 120 mm, bei Türschwellen mind. 60 mm über oberkant Nutz- und Schutzschicht liegen (vgl. Bild 3.2.25). Er ist so zu planen, dass kein Wasser aus Regen, Schlagregen oder schmelzendem Schnee hinter die An- und Abschlüsse gelangen kann.

Oben dichte An- und Abschlüsse

Für oben dichte An- und Abschlüsse sind folgende Anforderungen zu erfüllen (vgl. Bild 3.2.26):

  • Als Abdichtungsmaterial können nur Flüssigkunststoffe, Fugenbänder, Anschlussbänder o.Ä. verwendet werden.
  • Dichte Anschlüsse dürfen nur auf starren Untergründen ausgeführt werden (Stahlbeton, Glas oder Metalle).
  • Der Anschluss muss mind. 25 mm über die Überlaufkante des dichten Dachrandes oder über die Oberkante des Notüberlaufs hochgeführt werden und der Anschluss muss mind. 25 mm über der Schutz- oder Nutzschicht liegen. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass im Bereich der Schutz- und Nutzschicht die Feuchtebelastung am grössten ist.
  • Fugen in Beton, Glas oder Metall müssen auch über der Überlaufhöhe dicht sein.
Oben offene An- und Abschlüsse.
Bild 3.2.25: Oben offene An- und Abschlüsse.

Oben dichte An- und Abschlüsse.
Bild 3.2.26: Oben dichte An- und Abschlüsse.

Ausführung von Dachrandabschlüssen.
Bild 3.2.27: Ausführung von Dachrandabschlüssen.

Abbordungen.
Bild 3.2.28: Abbordungen.

Dachrandabschlüsse

Brüstungskronen sind abzudecken oder mit geeigneten Baustoffen abzudichten. Abdeckungen von Brüstungen müssen durch ein Gefälle zur Dachfläche hin entwässert werden (empfohlenes Gefälle > 7 %). Dachrandabschlüsse müssen aussen gegen auftreibendes Wasser dicht sein. Blechabschlüsse sind aussen mind. 50 mm, bei windexponierten Lagen mind. 100 mm unter eine mögliche Infiltrationsstelle zu führen. Der Abstand zur Fassadenoberfläche muss mind. 30 mm betragen (vgl. Bild 3.2.27).

Abbordungen

Abbordungen sind mind. 200 mm unter die Arbeitsfuge Decke/Wand zu führen (vgl. Bild 3.2.28). Die Abbordung muss gegen kurzfristig aufsteigendes Wasser abgedichtet werden. Ist ein Wasseranstau ohne Versagen der Entwässerung möglich (z.B. bei Grundwasser), muss der Übergang als Anschluss an die vertikale Abdichtung gemäss Norm SIA 272 ausgeführt werden.

Aufbordungen

Aufgeklebte oder aufgeschweisste vertikale Aufbordungen müssen zusätzlich mechanisch befestigt oder mit geeigneten Flüssigkunststoffen abgeschlossen werden. Die An- und Abschlüsse müssen UV-beständig ausgeführt werden oder sie sind mit einer Schutzbekleidung zu versehen (vgl. Bild 3.2.29).

Anschlüsse an verputzte Wärmedämmsysteme müssen so ausgeführt werden, dass sich der Putz oberhalb der möglichen Stauhöhe befindet und dieser durch kapillar aufsteigende Feuchte nicht beeinträchtigt wird.

Bei begehbaren Flachdächern müssen die An- und Abschlüsse gegen mechanische Einflüsse geschützt werden. Beim Anschluss von lose verlegten Gehbelägen muss eine durchgehende Fuge von mind. 10 mm, bei aufgegossenen Belägen eine Fuge von mind. 20 mm eingehalten werden (vgl. Bild 3.2.30).

An- und Abschlüsse aus Blech

Die verwendeten Baustoffe müssen entsprechend der vereinbarten Nutzungsdauer korrosions- und alterungsbeständig sein. Baustoffe, die im Bereich von Gehwegen und befahrbaren Flächen eingesetzt werden, müssen beständig gegen Streusalz sein.

Aufbordungen.
Bild 3.2.29: Aufbordungen.

Aufbordungen bei begehbaren Flachdächern.
Bild 3.2.30: Aufbordungen bei begehbaren Flachdächern.

3.2.15 Ausnahmeregelungen

Abdichtungen mit Gefälle kleiner als 1,5 %

Flachdächer mit Gefälle unter 1,5 % können nur mit einer Kiesbeschwerung oder Begrünung über Beton, Trapezblech, belüfteten Holzkonstruktionen oder anderen nicht feuchtegefährdeten und bauphysikalisch unproblematischen Unterkonstruktionen ausgeführt werden. Dabei sind folgende Vorgaben einzuhalten:

  • Keine Schwellenanschlüsse unter 60 mm Aufbordungshöhe (vgl. Bild 3.2.31).
  • Die Dicke der Kunststoff- und Elastomerdichtungsbahnen muss mind. 1,8 mm betragen.
  • Bei Polymerbitumen-Dichtungsbahnen muss die obere Lage mind. 5,0 mm dick und wurzelfest sein.
  • Einbau einer Drainageschicht bei Begrünungen.
  • Dachwassereinläufe sind gegenüber der Abdichtungsebene um 20 mm zu senken (vgl. Bild 3.2.24).
  • Die Dampfbremse muss als Bauzeitabdichtung ausgebildet werden.
  • Tagesabschlüsse müssen als unterlaufsichere Abschottungen ausgebildet werden (vgl. Bild 3.2.18).
  • Pro Abschottungsfeld ist ein Kontrollrohr an der tiefsten Stelle einzubauen (vgl. Bild 3.2.32).

Schwellenanschlüsse unter 60 mm Aufbordungshöhe über der Nutzschicht

Soll ein schwellenloser Übergang vom Wohnraum auf die Terrasse erstellt werden, müssen einige Punkte beachtet werden, damit die Sicherheit des Anschlusses langfristig gewährleistet werden kann. Alle nachfolgend beschriebenen Anforderungen müssen zwingend eingehalten werden (vgl. auch Bild 3.2.33):

  • Die Dampfbremse muss im Schwellenbereich als Bauzeitabdichtung ausgeführt und am Rahmenprofil nicht hinterläufig angeschlossen werden.
  • Im Schwellenbereich muss eine druckfeste Dämmung (Druckfestigkeit ≥ 350 kPa) eingebaut werden.
  • Die Wärmedämmschicht muss mit der Abdichtung und der Dampfbremse (Bauzeitabdichtung) rutschfest befestigt werden (mechanisch oder kleben).
  • Die Abdichtung muss mind. 50 mm vertikal aufgebordet und hinterlaufsicher am Rahmenprofil angeschlossen werden (in der Regel mit Flüssigkunststoff).
  • Im Bereich der Türschwelle muss eine Flachdachrinne eingebaut werden (Querschnitt > 2000 mm2), die direkt entwässert wird. Davon kann abgesehen werden, wenn als begehbare Nutzschicht ein grossflächiger Rost mit einem Fugenanteil von mind. 5 % und Fugenbreiten von mind. 8 mm realisiert wird.
  • Das Gefälle muss vom Anschluss wegführen.
  • Die Dichtigkeit muss auch bei den Leibungen und insbesondere bei den Rahmenstössen und Dehnfugen gewährleistet werden!
Aufbordung bei Türschwellen.
Bild 3.2.31: Aufbordung bei Türschwellen.

Mit Kontrollrohren kann die Funktionstüchtigkeit des Flachdaches einfach geprüft werden.
Bild 3.2.32: Mit Kontrollrohren kann die Funktionstüchtigkeit des Flachdaches einfach geprüft werden.

Massnahmen bei Schwellen mit Aufbordungshöhen unter 60 mm.
Bild 3.2.33: Massnahmen bei Schwellen mit Aufbordungshöhen unter 60 mm.

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2018-09-24T13:13:14+00:00
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