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7.4 Ausbau von Untergeschossräumen

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Als Keller- und Abstellräume benutzte Untergeschossräume bieten durch nachträglichen Ausbau die Möglichkeit, höherwertigen Nutzraum zu erzeugen. Im Vergleich zum Estrichraum, wo primär das Steildach anzupassen ist und auch die natürliche Beleuchtung meist problemlos gewährleistet werden kann, sind bei Untergeschossräumen vielfältigere Probleme anzugehen.

Im Zusammenhang mit dem Ausbau von Untergeschossräumen stellt sich neben den gängigen Fragen betreffend natürliche Beleuchtung, Wärme- und Feuchteschutz zwangsläufig auch die Frage der Mauerwerksanierung bzw. der Trockenlegung bestehender Aussen- und Innenwände.

Eine wichtige Komponente stellt bei ausgebauten Untergeschossen auch die Haustechnik, insbesondere Heizung und Lüftung dar. Untergeschossräume werden mit Vorteil über separate Heizgruppen oder Heizsysteme beheizt (evtl. längere Heizperiode gegenüber Obergeschossräumen), und die Raumluft muss eventuell entfeuchtet werden.

Die komplexe Problemstellung erfordert ein konsequent richtiges Vorgehen, von der Objektaufnahme bis zur Nutzung und zum Unterhalt.

7.4.1 Zwei verschiedene Untergeschosstypologien

Im Folgenden sollen zwei verschiedene Untergeschosstypen näher betrachtet werden.

Fallbeispiel 1:

Untergeschosse von alten, «historisch wertvollen» Gebäuden, z.B. mit Deckengewölben und Bruchsteinmauerwerken, oft ohne Fenster (keine natürliche Beleuchtung), mit eingeschränkten Sanierungsmöglichkeiten. Solche Räume eignen sich nach dem Ausbau z.B. als Ausstellungs- und Aufenthaltsräume, Probelokale u.Ä.

Fallbeispiel 2:

Natürlich beleuchtete Untergeschosse bei kaum eingeschränkter Sanierungsmöglichkeit und somit auch wenig eingeschränkter zukünftiger Nutzung. Solche Räume eignen sich z.B. als Büro, Wohn- oder Schlafräume u.Ä.

Ablaufschema für Ausbau von Untergeschossräumen.
Bild 7.4.1: Ablaufschema für Ausbau von Untergeschossräumen.

7.4.2 Untersuchung des Istzustandes

Durch Untersuchungen am Bauwerk sind die vorhandenen Bauteile in ihren konstruktiven Ausprägungen zu erfassen (Konstruktionsaufbauten, Materialien, Feuchteschutz- und Entwässerungssysteme), und es können offensichtliche mechanische Schäden (Putzabplatzungen, Salzausblühungen) sowie biologische Schäden (Vermoosung, Schimmelpilze) erkannt werden. Neben rein bautechnischen Abklärungen, die eventuell konkrete Mängel aufzeigen (z.B. Ursachen von Feuchtigkeitsproblemen), müssen zusätzliche Voruntersuchungen durchgeführt werden, bevor konkrete Sanierungsmassnahmen zum Schutz gegen Mauerfeuchtigkeit definiert werden können.

Als wichtigste Einzeldaten sind die Feuchtigkeit sowie die maximale Wasseraufnahme des Baustoffes zu ermitteln. Aus diesen beiden Werten ergibt sich der Sättigungs- bzw. Durchfeuchtungsgrad des Baustoffes. Weiterhin ist es wichtig, den Anteil an hygroskopischer Feuchtigkeit zu bestimmen und den Anteil an Kondenswasser zu ermitteln. Die vorgenannten Daten sind deshalb wichtig, weil sich aufsteigende Feuchtigkeit nicht ohne Weiteres am Bauwerk direkt messen lässt. Hat man jedoch die einzelnen Daten ermittelt, ergibt sich daraus die Möglichkeit, den Anteil an aufsteigender Feuchtigkeit zu ermitteln bzw. abzuschätzen.

Neben der Feuchtigkeitsbilanz sind die wasserlöslichen Salze nach Art und Verteilung, insbesondere Sulfate, Chloride und Nitrate, zu ermitteln.

7.4.3 Einzelmassnahmen bei Trockenlegung

Die bei einer Trockenlegung bzw. einem Ausbau von Untergeschossräumen zur Diskussion stehenden Einzelmassnahmen lassen sich in zwei Hauptgruppen unterteilen (Zuordnung der Ziffer vgl. Bilder 7.4.5 und 7.4.6).

Massnahmen zur Trockenlegung

Bei diesen handelt es sich auf der einen Seite um Massnahmen, die ein weiteres Durchfeuchten, insbesondere der Wände, z.B. infolge kapillar aufsteigender Feuchtigkeit verhindern. Auf der anderen Seite sind es Massnahmen, welche einen gewissen Feuchtigkeitstransport erlauben, ohne dass dies kurzfristig zu weiteren Schäden führt. Die im Folgenden angesprochenen Einzelmassnahmen werden, in Abhängigkeit der Analyse und Beurteilung der Mängel und Schäden sowie der Anforderungen aus der zukünftigen Nutzung, definiert und oft als Kombination von mehreren Einzelmassnahmen angewendet.

Horizontalsperre durch Bohrlochinjektionen.
Bild 7.4.2: Horizontalsperre durch Bohrlochinjektionen.

Altersheim Pfrundhaus, Zürich, Mauerwerkschäden im Gewölberaum.
Bild 7.4.3: Altersheim Pfrundhaus, Zürich, Mauerwerkschäden im Gewölberaum.

Aufenthaltsraum für Personal im sanierten Gewölberaum des Altersheims Pfrundhaus
Bild 7.4.4: Aufenthaltsraum für Personal im sanierten Gewölberaum des Altersheims Pfrundhaus (Fotos: Renesco AG).

(1) Vorbehandlung des Mauerwerks

Je nach Zustandsbeurteilung wird als Vorarbeit sowohl bei Aussen- als auch bei Innenwänden der alte Putz bis auf das rohe Mauerwerk abgeschlagen und Fugen werden etwa 3 cm tief ausgekratzt. Mauerwerke werden gereinigt und je nach Analyse der bauschädlichen Salze wird eine dementsprechende Umwandlung der Salze vorgenommen. Zu den Vorarbeiten können auch der Haftspritzbewurf und der Ausgleichsputz, zum Ausgleichen der ausgekratzten Mauerwerksfugen und von starken Unebenheiten, gezählt werden.

(2) Äussere Entwässerung

Mit Dränagesystemen, wie z.B. Sickerplatten und Sickerleitungen, wird Oberflächen- und Sickerwasser vom Mauerwerk ferngehalten bzw. abgeführt. Durch den Einbau von Kontroll- und Reinigungsschächten ist die Funktionstüchtigkeit auf Dauer zu gewährleisten.

(3) Sperrputz

Auf der Innenseite angebrachte Sperrputze, die relativ hohe Dampfdiffusionswiderstände aufweisen, reduzieren den Feuchtigkeitstransport aus dem Mauerwerk an die Oberfläche. Es besteht dadurch aber auch das Risiko, dass Feuchtigkeit im Mauerwerk höher aufsteigt und durch Abdunstung im Sockelbereich zu Folgeschäden führt.

(4) Feuchtigkeitsschutzbeschichtung

In Kombination mit der äusseren Entwässerung (2) verhindert die Feuchtigkeitsschutzbeschichtung das Eindringen von Wasser in das Mauerwerk.

(5) Feuchtigkeitsisolation

Das Einsatzgebiet von Feuchtigkeitsisolationen ist vergleichbar mit demjenigen der Sperrputze. Auf der Aussenseite ist durch geeignete Anschlussausbildung zu gewährleisten, dass die Abdichtung nicht hinterwandert wird. Innen werden solche Abdichtungen vor allem in (15) als Massnahme gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit eingesetzt und entlang der Wände mehr oder weniger hoch aufgezogen bzw. mit den horizontalen Sperrriegeln verbunden.

(6) Horizontalsperre (chemische Verfahren)

Über Bohrlöcher werden chemische Präparate mittels Druck oder drucklos in das Mauerwerk (Aussen- und Innenwände) eingebracht. Durch Verschliessung bzw. Verdichtung vorhandener Hohlräume wird das weitere Aufsteigen von Feuchtigkeit behindert. Grössere Hohlräume sind vorgängig mit sulfatbeständigem Mörtel zu verpressen.

(7) Horizontalsperre (mechanische Verfahren)

Unter mechanischen Verfahren versteht man die Mauertrennung durch das Einschieben von Blechen und Folien. Zur Anwendung kommt dieses Verfahren bei Backsteinmauerwerken o.Ä., wo eine konkrete Ebene (z.B. in Form einer Lagerfuge) zum Einschieben von Blechen vorhanden ist. Durch solche Horizontalsperren wird das weitere Aufsteigen von Feuchtigkeit in Aussen- oder Innenwänden verhindert.

(8) Elektrophysikalische Verfahren

Durch einen Stromfluss von der positiven zur negativen Elektrode wird der Wassertransport unterbunden und das Wasser im unteren Mauerwerksbereich festgehalten. Das Wasser soll gegen diesen Stromkreis nicht wieder aufsteigen können. Neben der Korrosionsfestigkeit des Elektrodenmaterials ist für die Funktionstüchtigkeit solcher Systeme auch die Fähigkeit relevant, über den gesamten Mauerwerksbereich einen genügenden Stromfluss zu erzeugen.

(9) Sanierputz

Sanierputze können notwendige Abdichtungsmassnahmen an einem Mauerwerk nicht ersetzen. Gelingt es, durch Vertikal- und Horizontalabdichtung, den Salz- und Feuchtigkeitstransport in das Mauerwerk zu unterbinden, stellt der Sanierputz sowohl als Aussenputz angewendet (Fassade) als auch im Gebäudeinnern (Aussen- und Innenwände) eine mögliche, flankierende Massnahme dar.

Durch die Kombination von stark reduzierter, kapillarer Leitfähigkeit und hoher Wasserdampfdurchlässigkeit wird die Verdunstungszone des Wassers von der Oberfläche in tiefere Schichten verlagert. Dadurch findet auch die Kristallisation der im Mauerwerk befindlichen Restsalze in diesen Schichten statt. Sanierputze besitzen gegenüber herkömmlichen Putzen eine günstigere Porengeometrie. Dadurch erhöht sich die Haltbarkeitsdauer der Sanierputze gegenüber herkömmlichen Putzen um ein Mehrfaches. Erst nach nahezu vollständiger Füllung des Porenraums können die Salze den Putz zerstören.

Sanierputze gewährleisten eine trockene, salzfreie Oberfläche.

(10) Oberputze/Anstriche

Zur Strukturausgleichung kann es notwendig sein, dass auf dem Sanierputz ein Oberputz aufgebracht werden muss. Oberputze und Anstriche haben sich an den bauphysikalischen Kenndaten des Sanierputzes zu orientieren. Dies gilt insbesondere für die Wasserdampfdurchlässigkeit.

(11) Sockelausbildung

Je nach Massnahmen zur Verhinderung des Feuchtetransportes in den Untergeschossraum (Vertikalabdichtung) kann Feuchtigkeit eventuell höher aufsteigen als vor der Sanierung und im Sockelbereich durch Verdunstung zur Beeinträchtigung des Fassadenputzes führen. (9) und (10) stellen auch im Sockelbereich wirksame flankierende Massnahmen dar.

Ausbaumassnahmen zur Gewährleistung der vorgesehenen Nutzung

Bei diesen handelt es sich um Massnahmen für einen genügenden Wärme- und Feuchteschutz, abgestimmt auf die vorgesehene Nutzung.

(12) Wärmeschutz mit Perimeterdämmung

Im Zusammenhang mit (2) lässt sich die Wärmedämmschicht auf der Aussenseite, mit einer feuchtigkeitsunempfindlichen Wärmedämmschicht (Polystyrolhartschaum extrudiert, Schaumglas) realisieren. Mit dem System der Perimeterdämmung kann eine Aussendämmung über Terrain (verputzt oder mit hinterlüfteter Fassadenbekleidung) lückenlos weitergeführt werden.

(13) Wärmeschutz mit Innendämmung

Auch für die Innendämmung werden mit Vorteil feuchtigkeitsunempfindliche Wärmedämmstoffe verwendet und es ist eventuell eine Dampfbremse/-sperre einzubauen. Die so wärmegedämmten Aussenwände werden bekleidet oder mit einer Vormauerung versehen. Insbesondere im Deckenbereich sind die Auswirkungen der kaum vermeidlichen Wärmebrücken auf ein unschädliches Mass zu begrenzen (Detailoptimierung).

(14) Zusätzliche Wand auf der Innenseite

Bei den hier angesprochenen Wänden kann es sich um einzelne Wandelemente handeln, die z.B. in einer Galerie das schadenfreie Aufhängen von Bildern ermöglichen. Oder es wird bei grossen Räumen generell eine zusätzliche Wand vorgemauert (wärmedämmend oder wärmegedämmt), wobei zwischen derselben und der bestehenden Aussenwand mit Vorteil ein belüfteter und eventuell sogar kontrollierbarer Hohlraum bzw. Kontrollgang entsteht.

(15) Bodenkonstruktion

Die Bodenkonstruktion wird meist von Grund auf neu konzipiert und kann so den im Kapitel 3.4.7 «Konstruktionsaufbauten über Erdreich» für Neubauten definierten Konstruktionsaufbauten entsprechen. Wichtige Schicht ist die Isolation gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit, die z.B. im Bereich der horizontalen Sperrriegel bei Aussen- und Innenwänden «dicht» angeschlossen werden muss.

(16) Deckenkonstruktion

Bei Gewölben ist die Decke im Randbereich, je nach Feuchtigkeitsbelastung, mehr oder weniger analog der Aussenwand zu sanieren (Vorbehandlung, Sanierputz, Oberputze und Anstriche). Bei horizontalen Decken sind neben üblichen Sanierungsarbeiten auch Massnahmen zur schalltechnischen und raumakustischen Verbesserung denkbar.

7.4.4 Fallbeispiel 1

Zum Fallbeispiel 1, Untergeschoss eines alten Gebäudes mit Deckengewölbe und Bruchsteinmauerwerk, gibt das Bild 7.4.5 über die zur Diskussion stehenden Einzelmassnahmen Aufschluss.

In tabellarischer Form sind denkbare Massnahmenpakete zusammengestellt und kurz beurteilt. Bei konkreten Ausbauvorhaben von Untergeschossräumen sind verschiedene, aufeinander abgestimmte Massnahmenpakete ebenfalls miteinander zu vergleichen und zu beurteilen (Ausführung, Kosten, Schadenträchtigkeit, Unterhalt, Energieaufwand für den Betrieb, Gewährleistung der neuen Nutzung).

Zur Diskussion stehende Einzelmassnahmen bei Fallbeispiel 1 «Untergeschoss mit Deckengewölbe».
Bild 7.4.5: Zur Diskussion stehende Einzelmassnahmen bei Fallbeispiel 1 «Untergeschoss mit Deckengewölbe».

7.4.5 Fallbeispiel 2

Zum Fallbeispiel 2, Untergeschoss eines alten Gebäudes mit horizontaler Decke, Bruchsteinmauerwerk und natürlicher Beleuchtungsmöglichkeit, gibt das Bild 7.4.6 über die zur Diskussion stehenden Einzelmassnahmen Aufschluss. In tabellarischer Form sind denkbare Massnahmenpakete zusammengestellt und kurz beurteilt, was bei konkreten Ausbauvorhaben objektspezifisch geschehen muss.

Zur Diskussion stehende Einzelmassnahmen bei Fallbeispiel 2 «Untergeschoss eines alten Gebäudes mit horizontaler Decke und Bruchsteinmauerwerk».
Bild 7.4.6: Zur Diskussion stehende Einzelmassnahmen bei Fallbeispiel 2 «Untergeschoss eines alten Gebäudes mit horizontaler Decke und Bruchsteinmauerwerk».

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2018-09-24T14:10:31+00:00
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