{"id":1808,"date":"2018-08-13T16:05:33","date_gmt":"2018-08-13T14:05:33","guid":{"rendered":"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/?p=1808"},"modified":"2018-10-10T15:47:18","modified_gmt":"2018-10-10T13:47:18","slug":"1-2%e2%80%82entwurf-und-konstruktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/1-2%e2%80%82entwurf-und-konstruktion\/","title":{"rendered":"1.2\u2002Entwurf und Konstruktion"},"content":{"rendered":"<h2>1.2.1 Der architektonisch-konstruktive Entwurf<\/h2>\n<p>Bei jedem Entwurf befasst sich der Architekt mit den entwurfsrelevanten Faktoren Raum, Nutzung, Form und Umwelt. In Bezug auf diese Faktoren und deren Gewichtung, insbesondere der h\u00e4ufig vorausgesetzten Randbedingungen (Raumprogramm, Ort), entwickelt sich im Verlaufe des Entwurfsprozesses letztlich ein m\u00f6glichst ausgewogenes, architektonisches Projekt.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-1-2-1\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap01_3634-3_Bautechnik_Bild_1-2-1.png\" alt=\"Erste \u00dcberlegungen zur Raumstruktur mit tragenden und trennenden Bauteilen zur Bildung eines Baus.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 1.2.1:\u2002Erste \u00dcberlegungen zur Raumstruktur mit tragenden und trennenden Bauteilen zur Bildung eines Baus.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<p>Anf\u00e4nglich handelt es sich dabei um ein abstrakt gedachtes, in Pl\u00e4nen und Modellen (1:100\/200) dargestelltes, r\u00e4umliches Gebilde. Der Architekt \u00ab\u00fcbersetzt\u00bb ein gefordertes Nutzungsprogramm in Raumzusammenh\u00e4nge, in eine architektonische Modellvorstellung, unter Ber\u00fccksichtigung gestalterischer und (orts-)umweltbezogener Aspekte. Dieser ersten Raumdisposition liegen bereits Ordnungen zugrunde, welche die raumbildenden Elemente (W\u00e4nde, St\u00fctzen, Decken) organisieren. Die etablierte Ordnung, das Verh\u00e4ltnis von prim\u00e4ren (tragenden) und komplement\u00e4ren (trennenden) Bauteilen zur Bildung eines Baus wird als Baustruktur definiert. Sie enth\u00e4lt erste wichtige konstruktive Informationen: Prim\u00e4rsystem (Tragstruktur, Rohbau), Komplement\u00e4rsystem (Ausbau). Das architektonisch-konstruktive Konzept ist in dieser Entwurfsphase weitgehend vorhanden.<\/p>\n<h2>1.2.2 Die Materialisierung der Geb\u00e4udeh\u00fclle<\/h2>\n<p>Die Umsetzung des noch abstrakten Modells in die materielle Wirklichkeit wird durch die Entwurfsphase des Konstruierens eingeleitet. Konstruieren bedeutet auch Materialisieren, d.h., Konstruieren ist das Vorwegnehmen einer baubaren Realit\u00e4t. Materialvorstellungen zu haben heisst wiederum, konstruktive Zusammenh\u00e4nge miteinzubeziehen. Material ist selten nur Oberfl\u00e4che, sondern bedingt die Kenntnis der Fertigungsweisen und der Leistung. Materialien wirken nicht nur durch ihre Eigengesetzlichkeiten des Machens und der Leistung (F\u00e4higkeiten wie W\u00e4rme zu speichern, Schall zu absorbieren, gegen\u00fcber Stoffen der Umgebung vertr\u00e4glich oder\u00a0unvertr\u00e4glich zu sein, zu oxydieren, zu faulen \u2026), ebenso wirken sie durch Sinneseindr\u00fccke wie Farbe, Textur \u2026<\/p>\n<p>F\u00fcr den Entwurfsprozess hilfreich wirkt Material besonders \u00fcber seine systembildenden und -beeinflussenden Eigenschaften. Beispielsweise ergibt Stahl Stabsysteme, neigt zu grossen Spannweiten, ist feuerempfindlich, ein sehr guter W\u00e4rmeleiter, ist schwingungsfreudig, und er rostet bei ungesch\u00fctzter Anwendung. Beton neigt zu st\u00e4bigen und fl\u00e4chigen Systemen, er ist bei gegebener<br \/>\nDimension in seiner Tragf\u00e4higkeit variabel, rissempfindlich, ein guter W\u00e4rmeleiter, bedingt eine Schalungshohlform, ist am Ort oder im Werk herstellbar.<\/p>\n<p>Diese \u00dcberlegungen k\u00f6nnen sinngem\u00e4ss auf weitere tragwerksbildende Materialien wie Holz und Mauerwerksteine \u00fcbertragen werden. Wesentlich ist die Folgerung, dass die Materialwahl nicht beliebig ist!<\/p>\n<div id=\"bild-hle-1-2-2\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap01_3634-3_Bautechnik_Bild_1-2-2.png\" alt=\"Horizontale und vertikale Raumbildner definieren die Bau- und Tragstruktur.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 1.2.2:\u2002Horizontale und vertikale Raumbildner definieren die Bau- und Tragstruktur.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<p>Von der Baustruktur gehen gewisse Materialisierungstendenzen f\u00fcr das Tragsystem aus: Stabsysteme neigen dazu, in Stahl (feuersicher verkleidet), Holz, Beton oder in pfeilerf\u00f6rmigem Mauerwerk materialisiert zu werden. Fl\u00e4chige Systeme tendieren ebenfalls zu bestimmten Stoffen oder Stoffkombinationen. So bestehen Affinit\u00e4ten gewisser Wandsysteme und Bauteile zu entsprechenden Baustrukturen. Beispielsweise neigt die Verwendung der Zweischalenmauerwerktechnik zur Baustruktur der Massiv- oder teilweise zur Schottenbauweise, die Vorhangwandtechnik (Curtain wall) zur Skelett- oder zur Schottenstruktur.<\/p>\n<p>Der Vorgang des Materialisierens ist nicht an einem bestimmten Ort des Entwurfsprozesses angesiedelt. Vielmehr ist das \u00dcberdenken der Materialisierung im klassischen Entwurfsweg vom Nutzungsprogramm bis hin zum Bauprojekt immer wieder erforderlich.<\/p>\n<p>Wie kommt man nun beim Entwerfen zu einer Vorstellung \u00fcber die zu verwendenden Materialien?<\/p>\n<h3>\u00abAuf dem Weg der inneren Einfl\u00fcsse\u00bb<\/h3>\n<p>Beschreitet man das vorher angedeutete, oft auch als funktionalistisch bezeichnete Entwurfsverfahren, befindet man sich in der Regel schon eine gute Strecke im Entwurf drin, bevor das Bed\u00fcrfnis nach Materialisierung akut wird. R\u00e4umliche Ordnung, Terrainbezug und Baustruktur sind im Werden; es ist h\u00f6chste Zeit, dass Materialisierungsvorstellungen sich einstellen, falls der Entwurf nicht Cartonage bleiben soll. Dabei kann von den schon vorhandenen konkreten Ans\u00e4tzen einer Baustruktur ausgegangen werden.<\/p>\n<p>Gesetzt der Fall, ein <b>Massivbau<\/b> sei naheliegend (vgl. Bild 1.2.3), weil die vorwiegende Geschlossenheit nach aussen und die Trennung der R\u00e4ume untereinander gegeben waren: Durch einheitliches Wandmaterial oder durch Differenzieren der Wandmaterialien (z.B. Innenw\u00e4nde \u2013 Aussenw\u00e4nde) l\u00e4sst sich dieser Sachverhalt unterstreichen. Soll also die Materialwahl den architektonischen Ausdruck verst\u00e4rken? Demgegn\u00fcber k\u00f6nnte es sein, dass beispielsweise die Materialwahl ausschliesslich durch ausf\u00fchrungstechnische, bauphysikalische oder \u00f6konomische Erw\u00e4gungen bestimmt wird.<\/p>\n<p>Steht ein <b>Schottenbau<\/b> zur Diskussion (vgl. Bild 1.2.4), weil der tunnelartige, r\u00e4umliche Aufbau dies nahelegt, l\u00e4sst sich durch materielle Differenzierung der tragenden und nicht tragenden W\u00e4nde (beispielsweise Mauerwerk \u2013 Gipsleichtbauw\u00e4nde), durch Darstellen der Tragrichtung der Decken (vielleicht Hourdisdecke) auf diesen grundlegenden r\u00e4umlichen Sachverhalt reagieren. Oder ist die Raumwirkung durch die prim\u00e4re offene \u2013 geschlossene Situation schon stark genug, sodass die Materialwahl der Wirksamkeit z.B. physiologischer Kriterien \u00fcberlassen werden kann?<\/p>\n<div id=\"bild-hle-1-2-3\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap01_3634-3_Bautechnik_Bild_1-2-3.png\" alt=\"Massivbau.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 1.2.3:\u2002Massivbau.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<div id=\"bild-hle-1-2-4\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap01_3634-3_Bautechnik_Bild_1-2-4.png\" alt=\"Schottenbau.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 1.2.4:\u2002Schottenbau.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<p>Der <b>Skelettbau<\/b> (vgl. Bild 1.2.5) erlaubt die Darstellung tragender und trennender Raumbildner, unter Zuhilfenahme von Materialien, welche Tragen und Nichttragen repr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Soll \u00fcberhaupt mit einem formal materiellen Ansatz gearbeitet werden, oder entsteht diese Baustruktur, weil eine hohe \u00c4nderungsrate, z.B. der Trennwandstellungen zu erwarten ist, also Kriterien der Handlichkeit und Lebensdauer, die Materialien bestimmen?<\/p>\n<p>Massiv-, Schotten- und Skelettbau sind reine, eher theoretische Extremf\u00e4lle (welche allerdings mit vielen typischen, architektonisch wertvollen Beispielen belegt werden k\u00f6nnen). In der Praxis entstehen allerdings mehrheitlich hybride Strukturen, sogenannte <b>Mischbauten<\/b> (vgl. Bild 1.2.6), welche partiell die entsprechenden Eigenschaften ihrer Grundtypen aufweisen.<\/p>\n<p>Materialien m\u00fcssen nicht, k\u00f6nnen aber eine Rolle spielen in der Kl\u00e4rung r\u00e4umlicher und struktureller Beziehungen, besonders in grossen und komplexen r\u00e4umlichen Zusammenh\u00e4ngen, z.B. als Orientierungshilfe durch die Rolle von Farbe und Textur auf W\u00e4nden, St\u00fctzen und Decken, zur Klarstellung von \u00f6ffentlichen und privaten Bereichen oder von ver\u00e4nderlichen und unver\u00e4nderlichen Bauteilen.<\/p>\n<p>Erfolgt die Materialisierung aufgrund rein architektonischer Kriterien, wird eine korrekte technisch-baukonstruktive L\u00f6sung erschwert, oftmals verunm\u00f6glicht. Eine rein pragmatisch-technische Durchf\u00fchrung der Materialisierung f\u00fchrt meistens zu einem unbefriedigenden architektonischen Ausdruck.<\/p>\n<p>Damit wird versucht zu illustrieren, dass ein wesentliches Einzugsgebiet f\u00fcr Materialisierungsvorstellungen im Programm (Nutzungsanforderungen) selber liegt; dann aber auch in fr\u00fchen Ordnungsans\u00e4tzen und Vorstellungen, welche w\u00e4hrend des Entwerfens entwickelt werden.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-1-2-5\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap01_3634-3_Bautechnik_Bild_1-2-5.png\" alt=\"Skelettbau.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 1.2.5:\u2002Skelettbau.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<div id=\"bild-hle-1-2-6\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap01_3634-3_Bautechnik_Bild_1-2-6.png\" alt=\"Mischbau.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 1.2.6:\u2002Mischbau.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<p>Nun k\u00f6nnte es scheinen, dass, auf dem Weg der inneren Wahrscheinlichkeit vorgehend, die Materialisierungsentscheide lange hinausgeschoben werden k\u00f6nnten. Tats\u00e4chlich kann es sich der Routinier erlauben, Fragen der Materialisierung oft erst zur Bearbeitung der Werkpl\u00e4ne aktiv werden zu lassen \u2013 wenigstens scheint dies von aussen betrachtet so. Gerade der Routinier aber zeichnet sich dadurch aus, dass er oft auf einem meist schmalen Pfad\u00a0von materiellen M\u00f6glichkeiten operiert, den er sich durch die lange Erfahrung und das gewiefte Ausscheiden von Untauglichem erschlossen hat. Solange die Grenzen der Tauglichkeit nicht \u00fcberschritten werden, ist ein sicheres und unbek\u00fcmmertes Entwerfen zul\u00e4ssig, quasi ein Entwerfen in einer Bandbreite von vorabgekl\u00e4rten, bew\u00e4hrten, miteinander technisch und formal vertr\u00e4glichen Standards. Man kann sagen, der Betreffende arbeitet mit einem konstruktiven Vokabular.<\/p>\n<p>Wer aber auf Neuland operiert, wird mit Vorteil die Rolle der Materialien bei der Bildung r\u00e4umlicher Ordnung fr\u00fchzeitig kl\u00e4ren, versuchsweise (provisorisch) schon bei der Entwicklung der Baustruktur, sp\u00e4testens im 1:100-Entwurfsstadium. Dieses Vorgehen ist jedoch nur bei schon vorhandener \u00dcbersicht und Sicherheit in der Materie zu empfehlen. Diese Abkl\u00e4rung erfolgt am besten mit dem Werkzeug des Schichtenrisses (siehe 4.1.4 \u00abKonstruktionsdetails\u00bb), wobei der Massstab dem gestellten Problem anzupassen ist (1:50 bis 1:1).<\/p>\n<p>\u00dcber die inneren Einfl\u00fcsse zu einer Vorstellung \u00fcber die zu verwendenden Materialien zu kommen, heisst aber auch, dass von aussen her keine wesentlichen offensichtlichen Einfl\u00fcsse f\u00fcr die Materialisierung einwirken. Oft sind aber Entscheidungsfelder ausgezeichnet dadurch, dass der Kontext des Bauwerks die Verwendung bestimmter Stoffe vordringlich macht oder andere gar verbietet. Dabei denke man etwa an kulturell oder geschichtlich geschlossene Situationen, wie sie im intakten Bauerndorf oder einer historisch eindeutigen Stadtrinde anzutreffen sind. Hier ist nicht mehr alles m\u00f6glich: Steildach bedingt Steildach, Biberschwanzziegel verbieten neuen Faserzementschiefer, Verputz bedingt Verputz, Lochfassade bedingt Lochfassade. Oder: wie weitgehend sind nachbarliche Gegebenheiten eigentlich verbindlich?<\/p>\n<p>Hier liegt eine weitere Art, zu einer Vorstellung \u00fcber die Verwendung von Materialien zu kommen.<\/p>\n<h3>Auf dem Weg des \u00ab\u00e4usseren Einflusses\u00bb<\/h3>\n<p>Anschliessend an den vorher beschriebenen Materialisierungsansatz kann im Verlauf des Entwurfsvorganges auch ein Materialisierungsimpuls von der Umgebung ausgehen. Besonders was die Materialien der Geb\u00e4udeh\u00fclle anbetrifft, sind Angleichungen naheliegend. Allerdings stellt sich sofort die Frage, ob eine minimale Beziehung zwischen Nachbarbauten gen\u00fcgt, die sich in der Verputztextur und Farbe oder vielleicht in gewissen formalen Oberfl\u00e4chlichkeiten ersch\u00f6pft. Ob nicht, wenn schon Einfl\u00fcsse der Umgebung zur Diskussion stehen, tiefgreifendere strukturelle Bez\u00fcge gefordert sind. Damit wird auch die Frage nach dem Zeitpunkt gestellt, in dem Umweltgegebenheiten in den Entwurfsprozess einfliessen sollen, und der Eindringtiefe, die man zulassen bzw. anstreben soll. Wir stehen zwischen den Extremen der v\u00f6lligen Beziehungslosigkeit und der v\u00f6lligen Angleichung zwischen Nachbarbauten.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich k\u00f6nnen generell keine Rezepte abgegeben werden. Entscheide m\u00fcssen von der spezifischen Sache her, im jeweiligen Fall, diskutiert werden. Doch soll kurz angedeutet werden, welche Beziehungsfaktoren \u00fcberhaupt zur Diskussion stehen.<\/p>\n<p>Beziehung der Oberfl\u00e4che: Farbe, Textur, Kleinformen, die aus Sprossenteilung, Fugenteilung usw. hervorgehen.<\/p>\n<p>Beziehung des Aufbaus: weitere prim\u00e4re Formzusammenh\u00e4nge, wie z.B. Rund-, Stich- oder Scheitrechter Bogen im Backsteinmauerwerk; die Fugentechniken des Betonbaus; \u00d6ffnungsgr\u00f6ssen und Art in Mauerwerken bzw. Fach-Gr\u00f6ssen in Stabtragwerken; aber auch Homogenit\u00e4t oder Heterogenit\u00e4t der Materialisierung.<\/p>\n<p>Beziehung der Form: die Dachform, Dach-Wand-Proportion, Dachgesimse; Fl\u00e4chigkeit, Voluminosit\u00e4t, Offenheit, Geschlossenheit der Aussenwand; Format (Gr\u00f6sse, stehend und liegend) der Wand\u00f6ffnungen.<\/p>\n<p>\u00dcber die Zweckm\u00e4ssigkeit der \u00dcbernahme von Merk-malen der umgebenden Bebauung entscheidet unter anderem die Beziehung, welche der Neubau mit den bestehenden Bauten eingehen wird: Werden sie zusammen gelesen? Sind sie von weit oder von nah \u00fcberblickbar? Bilden sie eine Silhouette? Schliesst der Neubau eine L\u00fccke in der bestehenden Bebauung? Usw.<\/p>\n<p>Tritt Material auf dem Weg des \u00e4usseren Einflusses in den Entwurfsvorgang ein, ist es ratsam, diesem Sachverhalt die n\u00f6tige Entwurfszeit einzur\u00e4umen, indem mit Material ein bestimmtes Formvokabular untrennbar verbunden ist. Material\/Form jedoch hat enge Verwandtschaft zur Baustruktur und greift somit unversehens tief in das r\u00e4umliche Gef\u00fcge eines Entwurfs ein. Man kann sagen, dass der Bau in solchen F\u00e4llen mit Vorteil vom Detail her entworfen wird. Aus den Randbedingungen der Details heraus entstehen Vorgaben wie: Spannweiten, Spannrichtungen, \u00d6ffnungssystem, \u00d6ffnungsgr\u00f6sse usw., welche die M\u00f6glichkeiten r\u00e4umlicher Organisation vorgeben bzw. einschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Somit wird deutlich, dass der architektonische Ausdruck eines Geb\u00e4udes im Spannungsfeld von inneren und \u00e4usseren Gegebenheiten sich im Verlaufe eines (hier nicht n\u00e4her beschriebenen) Entwurfsprozesses entwickelt. Das angemessene Abbilden dieser Einfl\u00fcsse auf die Geb\u00e4udeh\u00fclle wird durch den systematischen und sorgf\u00e4ltigen Einsatz eines konstruktiven Vokabulars erzeugt.<\/p>\n<h2>1.2.3 Das konstruktive Vokabular oder der Aktionsraum des Konstrukteurs<\/h2>\n<p>In den folgenden Kapiteln wird der eigentliche Aktionsraum des Konstrukteurs umschrieben, n\u00e4mlich prim\u00e4r die konstruktive Bew\u00e4ltigung von Bauteilen und Bauteil\u00fcberg\u00e4ngen. Wie vorg\u00e4ngig geschildert, ist die konstruktive, bautechnische Umsetzung des baustrukturellen Entwurfskonzepts die eigentliche Aufgabe des Konstrukteurs. Die Materialisierung der erforderlichen Bauteil-Schichten, die Schichtdicken und Schichtfolgen sind aufgrund der gestellten Anforderungen zu definieren.<\/p>\n<h3>Konstruktion als Teil des architektonisch-konstruktiven Entwurfs<\/h3>\n<p>Auch die Konstruktion hinterl\u00e4sst, als L\u00f6sung bautechnischer Problemstellungen, ihre Spuren und sie hat Auswirkungen auf das Erscheinungsbild des Bauwerks. Materialisierung, Fugen, Vor- und R\u00fcckspr\u00fcnge und Befestigungsarten sind mitunter auch formal in Erscheinung tretende Elemente. Beim Konstruieren entsteht architektonische Form, welche durch die Wahl von Material und Technik, durch die Ausbildung der An-, Ab- und Zusammenschl\u00fcsse bestimmt wird und zu einem technisch und formal gleichwertigen Resultat f\u00fchren soll.<\/p>\n<h3>Detailsammlung oder L\u00f6sungsprinzip<\/h3>\n<p>Ein Katalog von Standarddetails ist sicherlich Grundlage so mancher Baukonstruktion. Standarddetails bieten allenfalls auch den Vorteil, dass sie erprobt sind, sich bew\u00e4hrt haben. Standarddetails basieren jedoch oft auf Systemen und Schichten zur Erstellung eines einzelnen Bauteils und sind teilweise nur ungen\u00fcgend auf die Erfordernisse des Bauteil\u00fcberganges abgestimmt, die immer aus dem Gesichtspunkt mehrerer Bauteile zu sehen sind.<\/p>\n<p>Ein Katalog von Standarddetails ist somit kein Ersatz f\u00fcr den Innovationsprozess, der aus einer Vielzahl m\u00f6glicher Detaill\u00f6sungen das L\u00f6sungsprinzip erkennen l\u00e4sst, um es im Prozess des konstruktiven Entwerfens anzuwenden. Die Kenntnis der L\u00f6sungsprinzipien ist f\u00fcr das Konstruieren unabdingbare Voraussetzung, auch wenn die Konstruktion letztlich auf objektspezifisch angepassten Standarddetails beruht.<\/p>\n<h3>Detail-Problemtypen<\/h3>\n<p>Aus dem Geb\u00e4udeentwurf resultieren bestimmte Beziehungen zwischen den Bauteilen. Es ergeben sich immer wieder \u00e4hnliche Beziehungen, woraus eigentliche Problemtypen oder Details resultieren (vgl. Bild 1.2.7).<\/p>\n<h3>Schicht und Funktion<\/h3>\n<p>Aussenbauteile sind, zur Erreichung der gestellten W\u00e4rmeschutzanforderungen, meist mehrschichtig aufgebaut, wobei jeder Schicht eine oder mehrere spezifische Funktion(en) zugeordnet sind (Tragen, D\u00e4mmen, Sch\u00fctzen \u2026).<\/p>\n<h4>Tragen:<\/h4>\n<p>Wandscheiben in Stahlbeton, Backstein, Kalksandstein u.\u00c4., Decken aus Stahlbeton oder mittels Elementen (Platten, Stege und Hourdis) aus Stahl- oder Leichtbeton, St\u00fctzen und Tr\u00e4ger aus Stahlbeton, Stahl oder Holz.<\/p>\n<h4>W\u00e4rmed\u00e4mmung:<\/h4>\n<p>W\u00e4rmed\u00e4mmschichten aus unterschiedlichen D\u00e4mmstoffen (Matten oder Platten aus Mineralfasern und Kunststoffsch\u00e4umen), evtl. w\u00e4rmed\u00e4mmende tragende Elemente.<\/p>\n<h4>Schalld\u00e4mmung:<\/h4>\n<p>Wand- und Deckenscheiben mit entsprechend hohen Fl\u00e4chengewichten bzw. weichfedernden, trennenden Zwischenschichten (Luft- und K\u00f6rperschalld\u00e4mmung).<\/p>\n<h4>Luft- und Dampfdichtheit:<\/h4>\n<p>Dampfbremsen und Luftdichtheitsschichten, Dichtungen, luftdichte An- und Abschl\u00fcsse.<\/p>\n<h4>Brandschutz:<\/h4>\n<div id=\"bild-hle-1-2-7\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap01_3634-3_Bautechnik_Bild_1-2-7.png\" alt=\"Aus dem Geb\u00e4udeentwurf resultieren Problemtypen, welche es konstruktiv zu bew\u00e4ltigen gilt.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 1.2.7:\u2002Aus dem Geb\u00e4udeentwurf resultieren Problemtypen, welche es konstruktiv zu bew\u00e4ltigen gilt.<\/div>\n<h3> <\/h3>\n<p>Nicht brennbare bzw. brandresistente Materialien, Bekleidungen und Beschichtungen.<\/p>\n<h4>Witterungsschutz\/Feuchtigkeitsschutz:<\/h4>\n<p>Putze, Beschichtungen, Anstriche und Lacke, Bekleidungen und Hartbedachungen, Dichtungsbahnen.<\/p>\n<p>Vord\u00e4cher, Gesimse, Abdeckungen \u2026<\/p>\n<h4>Trennen, Sch\u00fctzen, N\u00fctzen:<\/h4>\n<p>Trenn- und Schutzlagen, Schutzschichten, begehbare oder befahrbare Nutzschichten, Begr\u00fcnungen.<\/p>\n<p>Durch geschickte Anordnung der Schichten bzw. Wahl der Einzelbauteile sind einerseits die Anforderungen an dieselben zu erf\u00fcllen und andererseits wird dadurch der funktionst\u00fcchtige Bauteil\u00fcbergang erm\u00f6glicht, erschwert oder gar verunm\u00f6glicht. Im Vordergrund des Konstruierens kann also nicht die Wahl von Einzelbauteilen, losgel\u00f6st vom Geb\u00e4udetypus stehen, sondern die in Abh\u00e4ngigkeit der zu l\u00f6senden Bauteil\u00fcberg\u00e4nge aufeinander abgestimmten Bauteile der Geb\u00e4udeh\u00fclle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.2.1 Der architektonisch-konstruktive Entwurf Bei jedem Entwurf befasst sich der Architekt mit den entwurfsrelevanten Faktoren Raum, Nutzung, Form und Umwelt. In Bezug auf diese Faktoren und deren Gewichtung, insbesondere der h\u00e4ufig vorausgesetzten Randbedingungen (Raumprogramm, Ort), entwickelt sich im Verlaufe des Entwurfsprozesses letztlich ein m\u00f6glichst ausgewogenes, architektonisches Projekt. 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