{"id":1820,"date":"2018-08-13T16:04:50","date_gmt":"2018-08-13T14:04:50","guid":{"rendered":"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/?p=1820"},"modified":"2022-09-30T14:36:15","modified_gmt":"2022-09-30T12:36:15","slug":"2-5-luftdichtheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/2-5-luftdichtheit\/","title":{"rendered":"2.5\u2002Luftdichtheit"},"content":{"rendered":"<h2>2.5.1 Geschichtliches<\/h2>\n<p>Die Luftdichtheit der Geb\u00e4udeh\u00fclle war schon immer von Bedeutung. \u00dcber alle Bauepochen hinweg wurde versucht, eine m\u00f6glichst geringe Luftdurchl\u00e4ssigkeit zu erreichen. Bekannt ist das Ausstopfen von Ritzen und Fugen mit Moos und Lehm im Holzbau, aber auch Bekleidungen aus Gips oder grossfl\u00e4chigen, gestemmten Holzt\u00e4fern dienten dem Zweck einer m\u00f6glichst hohen Luftdichtheit. Als generell luftundicht sind die fr\u00fcheren Fenster und Bauteil\u00fcberg\u00e4nge zu bezeichnen, Falzdichtungen waren noch nicht bekannt.<\/p>\n<p>Bis zur Erd\u00f6lkrise 1973 hatten die Massivbauten ein nach heutigen Kriterien schlechtes W\u00e4rmed\u00e4mm- verm\u00f6gen, mit U-Werten um 1 W\/m<sup>2<\/sup>\u00b7K, sowie undichte Fenster, wegen fehlender Falzdichtungen. Solche Bauten wiesen eine eher hohe Luftdurchl\u00e4ssigkeit auf. Nach der Energiekrise 1973 stand bei der Geb\u00e4udeh\u00fclle die Reduktion der Transmissions- und L\u00fcftungsw\u00e4rmeverluste im Vordergrund. Die W\u00e4nde und D\u00e4cher wurden besser w\u00e4rmeged\u00e4mmt, die Fenster gedichtet. Von diesen beiden Massnahmen bewirkte das Dichten der Fenster eine erhebliche Verbesserung der Luftdichtheit der Geb\u00e4udeh\u00fclle.<\/p>\n<p>Heute sind wir einerseits mit Geb\u00e4uden in \u00abMassivbauweise\u00bb konfrontiert, die sehr luftdicht sind; f\u00fcr Fensterl\u00fcftung oft zu luftdicht, mit entsprechenden Konsequenzen bei ungeeignetem Nutzerverhalten. Andererseits f\u00fchren luftundichte Konstruktionen und Bauteil\u00fcberg\u00e4nge, bei Windeinwirkung von aussen, zu Beanstandungen wie Zuglufterscheinungen oder zu niedriger Raumlufttemperatur.<\/p>\n<h2>2.5.2 Begriffe<\/h2>\n<h3>Luftdurchl\u00e4ssigkeit der Geb\u00e4udeh\u00fclle<\/h3>\n<p>Zur Beschreibung der Luftdurchl\u00e4ssigkeit einer Geb\u00e4udeh\u00fclle wird gem\u00e4ss Norm SIA 180:2014 die genormte Kenngr\u00f6sse q<sub>a50<\/sub> verwendet (Norm SN EN ISO 9972;2015, qE 50). Gemessen wird der Luftwechsel eines Geb\u00e4udes, der infolge Leckstellen in der Geb\u00e4udeh\u00fclle auftritt, dies bei einer k\u00fcnstlich erzeugten Druckdifferenz zwischen innen und aussen von etwa 10 Pa bis ca. 80 Pa. Der Messwert wird bei der Referenz-Druckdifferenz von 50 Pa bestimmt.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-2-5-1\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap02_3634-3_Bautechnik_Bild_2-5-1.png\" alt=\"Eine luftundichte Geb\u00e4udeh\u00fclle kann verschiedene Probleme verursachen. Es wird deshalb\u00a0nach den heutigen Regeln der Baukunst eine luftdichte Geb\u00e4udeh\u00fclle gefordert. Je dichter die Geb\u00e4udeh\u00fclle, desto kleiner ist die Gefahr, dass sich bauphysikalische, energetische oder komfortrelevante Probleme ergeben.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.5.1:\u2002Eine luftundichte Geb\u00e4udeh\u00fclle kann verschiedene Probleme verursachen. Es wird deshalb\u00a0nach den heutigen Regeln der Baukunst eine luftdichte Geb\u00e4udeh\u00fclle gefordert. Je dichter die Geb\u00e4udeh\u00fclle, desto kleiner ist die Gefahr, dass sich bauphysikalische, energetische oder komfortrelevante Probleme ergeben.<\/div>\n<h3>Aussenluftwechsel<\/h3>\n<p>Den Ersatz von \u00abverbrauchter\u00bb Luft durch Aussenluft bezeichnet man als \u00abAussenluftwechsel\u00bb. Weil die Geb\u00e4udeh\u00fclle grunds\u00e4tzlich luftdicht sein muss, ist die Versorgung der Nutzer\/Bewohner mit frischer Aussenluft entweder Aufgabe der Haustechnik (z.B. Komfortl\u00fcftung) oder des Nutzers (aktives L\u00fcften). Der Aussenluftwechsel infolge \u00abnat\u00fcrlicher\u00bb Triebkr\u00e4fte (Wind, Temperaturdifferenzen) wird als \u00abnat\u00fcrlicher Luftwechsel\u00bb, \u00abKamin-\u00bb oder \u00abStackeffekt\u00bb bezeichnet. Die Anforderung an den Mindestluftwechsel h\u00e4ngt vor allem von der Luftfeuchtigkeit und den Schadstoffen im Innenraum ab. Es werden pro Stunde Luftwechselraten zwischen 0,3 und 0,5 gefordert.<\/p>\n<h3>Luftdichtung<\/h3>\n<p>Unter der Luftdichtung versteht man eine warmseitig der W\u00e4rmed\u00e4mmung verlaufende, luftdichte Schicht, die den Luftdurchgang und konvektive Feuchteeintr\u00e4ge vermeiden muss. Die Luftdichtung ist l\u00fcckenlos zu verlegen und luftdicht an angrenzende Bauteile und Durchdringungen anzuschliessen. Die Funktion der Luftdichtung kann auch eine raumseitige Beplankung oder Bekleidung \u00fcbernehmen, es braucht hierf\u00fcr nicht zwingend eine separate Schicht.<\/p>\n<h3>Dampfbremse<\/h3>\n<p>Die Dampfbremse hat prim\u00e4r die Aufgabe, die Wasserdampfdiffusion durch ein Bauteil zu verringern und Kondensatausscheidungen so weit als m\u00f6glich zu vermeiden. Die Dampfbremse kann aber auch die Funktion der Luftdichtung \u00fcbernehmen, sie muss dann aber l\u00fcckenlos ausgef\u00fchrt (St\u00f6sse \u00fcberlappt und luftdicht verklebt) und luftdicht an angrenzende und durchdringende Bauteile angeschlossen werden.<\/p>\n<h3>Winddichtung\/Fassadenbahn<\/h3>\n<p>Der Begriff \u00abWinddichtung\u00bb ist funktionell klar vom Begriff \u00abLuftdichtung\u00bb zu unterscheiden (vgl. Bild 2.5.2)! Als Winddichtung oder Fassadenbahn wird eine kaltseitig der W\u00e4rmed\u00e4mmschicht verlegte Schicht aus Folien, Kraftpapieren oder Holzwerkstoffplatten bezeichnet. Sie soll einerseits die W\u00e4rmed\u00e4mmung vor Witterungseinfl\u00fcssen sch\u00fctzen (insbesondere w\u00e4hrend der Ausf\u00fchrungsphase) und andererseits das Hinterstr\u00f6men der W\u00e4rmed\u00e4mmung durch kalte Aussenluft verhindern. Das Vermeiden von Zuglufterscheinungen (insbesondere bei starkem Wind) ist jedoch in erster Linie Aufgabe der Luftdichtung.<\/p>\n<h2>2.5.3 Anforderungen gem\u00e4ss Norm SIA 180<\/h2>\n<p>Die Norm SIA 180:2014 definiert Grenz- und Zielwerte f\u00fcr Neubauten und Umbauten\/Erneuerungen. Beim Grenzwert wird unterschieden zwischen Bauten mit nat\u00fcrlicher und solchen mit mechanischer L\u00fcftung (vgl.\u00a0Bild 2.5.3). Einzelleckagen d\u00fcrfen auch bei eingehaltenem Grenzwert nicht zu Sch\u00e4den am Geb\u00e4ude (z.B. durch Konvektionskondensat) und zur Verminderung der Behaglichkeit (z.B. infolge Zugluft und Geruch) f\u00fchren. Die Geb\u00e4udeh\u00fclle und die Trennbauteile zu den angrenzenden Nutzungszonen m\u00fcssen grunds\u00e4tzlich luftdicht sein.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-2-5-2\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap02_3634-3_Bautechnik_Bild_2-5-2.png\" alt=\"Es sind die drei \u00abFunktionsebenen\u00bb Luftdichtheit\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.5.2:\u2002Es sind die drei \u00abFunktionsebenen\u00bb Luftdichtheit (warmseitig), W\u00e4rme- und Schalld\u00e4mmung (Konstruktionsaufbau, Fenster) und Wind-\/Schlagregendichtheit (aussen, kaltseitig) zu unterscheiden und entsprechend zu konzipieren.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<p>Der q<sub>a50<\/sub>-Wert ist nicht zu verwechseln mit dem effektiven Luftwechsel n<sub>L<\/sub> unter \u00abnat\u00fcrlichen Bedingungen\u00bb, als Folge von Wind- und Temperaturdifferenzen sowie unter Ber\u00fccksichtigung des Benutzerverhaltens. Es bestehen folgende Schwierigkeiten:<\/p>\n<ul>\n<li>Es ist nicht bekannt, mit welcher Konstruktion bzw. welchen Detailausbildungen die vorgegebenen q<sub>a,50<\/sub>-Werte erreicht werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Es fehlen weitgehend Messungen und einfache Rechenmethoden, die den Bezug zwischen dem q<sub>a50<\/sub>-Wert und dem effektiven Luftwechsel n<sub>L<\/sub> herstellen.<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap02_3634-3_Bautechnik_Table_2.png\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.5.3:\u2002Grenz- und Zielwerte (Quelle: SIA-Norm 180, 2014, Tabelle 5). Bei Bauten in den Standards MINERIG-P und -A werden mit q<sub>a,50<\/sub> \u2264 0,8 (Neubauten) bzw. \u2264 1,6 (Umbauten\/Erneuerungen) besonders hohe Anforderungen an die Luftdurchl\u00e4ssigkeit der Geb\u00e4udeh\u00fclle gestellt.<\/div>\n<h2>2.5.4 Luftdichtheit in Abh\u00e4ngigkeit der\u00a0Bauweise<\/h2>\n<p>Im Rahmen des Impulsprogrammes Holz (IPH) wurde die Luftdurchl\u00e4ssigkeit der Geb\u00e4udeh\u00fclle in Abh\u00e4ngigkeit der Bauweise untersucht. Schwergewichtig hat man die Auswirkungen von verschiedenen Steildachkonstruktionen und Bauteil\u00fcberg\u00e4ngen Steildach\/Wand, betreffend die Luftdichtheit, \u00fcberpr\u00fcft und dabei folgende Erkenntnisse gewonnen, die auch heute noch ihre technische und physikalische Richtigkeit haben, obwohl diese schon \u00fcber 20 Jahre alt sind.<\/p>\n<p>Bei der Konzeption der Luftdichtheitsebene (und der W\u00e4rmed\u00e4mmschicht) gibt es grunds\u00e4tzlich zwei Anordnungsm\u00f6glichkeiten: innerhalb und ausserhalb der Tragkonstruktion. Welche Anordnung gew\u00e4hlt wird, h\u00e4ngt von verschiedenen Faktoren ab:<\/p>\n<ul>\n<li>Gestalterische Wirkung (z.B. Holzkonstruktion innen sichtbar oder verdeckt).<\/li>\n<li>Realisierbarkeit (besonders bei Sanierungen).<\/li>\n<li>Wirtschaftlichkeit (Arbeitsaufwand, Materialwahl).<\/li>\n<li>Langfristige Funktionst\u00fcchtigkeit (gew\u00e4hlte Materialien, konstruktive Ausbildung von Anschl\u00fcssen und Durchdringungen).<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr die Dichtungssysteme werden drei Varianten unterschieden (vgl. Bild 2.5.4):<\/p>\n<ul>\n<li>Bei den Systemen A und A<sub>St<\/sub> wird die gesamte Tragkonstruktion aussenseitig durch die Luftdichtung bzw. Dampfbrems-\/Luftdichtheitsschicht und die W\u00e4rmed\u00e4mmschicht \u00abeingepackt\u00bb. Dies erlaubt innen sichtbare Tragstrukturen wie z.B. Sparren und St\u00fctzen\/<br \/>\nStreben in W\u00e4nden.<\/li>\n<li>Beim System A resultieren aufwendige Abdichtungsarbeiten bei den durchdringenden Sparren im Vordachbereich. Diese Durchdringungen k\u00f6nnen durch die sogenannte Sticherkonstruktion (System A<sub>St<\/sub>) vermieden werden.<\/li>\n<li>Die Anordnung der Luftdichtheitsschicht gem\u00e4ss System B verursacht vor allem bei mehrgeschossigen Holzbauten aufwendige Abdichtungsarbeiten bei Durchdringungen und Anschl\u00fcssen im Deckenbereich. Die Dichtungsarbeiten gem\u00e4ss System B k\u00f6nnen wetterunabh\u00e4ngig ausgef\u00fchrt werden, wobei das \u00ab\u00dcber-Kopf-Arbeiten\u00bb im Dachbereich eine sorgf\u00e4ltige Ausf\u00fchrung erschwert.<\/li>\n<\/ul>\n<div id=\"bild-hle-2-5-4\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap02_3634-3_Bautechnik_Group_13.png\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.5.4:\u2002Darstellung der Dichtungssysteme: Systematische Durchdringungen bei der luftdichten Ebene erschweren oder verunm\u00f6glichen eine l\u00e4ngerfristig luftdichte Konstruktion. Mit Stichern kann z.B. der Traufanschluss ohne Durchdringungen luftdicht ausgef\u00fchrt werden. Bei Verlegung der Luftdichtung unter dem Tragwerk erschweren Anschl\u00fcsse an Pfetten, Pfosten, Zangen u.\u00c4. die Ausf\u00fchrung der Luftdichtheit.<\/div>\n<h2>2.5.5 Planung\/konzeptionelle \u00dcberlegungen<\/h2>\n<p>Mit einem Luftdichtheitskonzept muss festgelegt werden, wie die Luftdichtheit gew\u00e4hrleistet werden kann, wobei es folgende Massnahmen zu beachten gilt:<\/p>\n<ul>\n<li>Massnahmen in der Fl\u00e4che.<\/li>\n<li>Ausbildung der An- und Abschl\u00fcsse.<\/li>\n<li>Dichtungsmassnahmen bei Durchdringungen.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Luftdichtheit warmseitig gew\u00e4hrleisten<\/h3>\n<p>Bei der Planung ist zu ber\u00fccksichtigen, dass die Konstruktion warmseitig der W\u00e4rmed\u00e4mmung luftdicht sein muss. Ein Anschluss der Luftdichtung im Kaltbereich kann zu Kondensat und entsprechenden Folgesch\u00e4den f\u00fchren. Die Oberfl\u00e4chen- bzw. Grenzschichttemperatur im Bereich des luftdichten Anschlusses muss deshalb h\u00f6her sein als die f\u00fcr das Schimmelpilzwachstum kritische Temperatur und damit auch h\u00f6her als die Taupunkttemperatur der Raumluft. Gem\u00e4ss Norm SIA 180:2014 ist ein f<sub>Rsi<\/sub>-Faktor von 0,70 bis 0,76 (je nach Klimastation) einzuhalten, um Schimmelpilzbildung bei normalen raumklimatischen Bedingungen (Wohn-, B\u00fcro-, Schulbauten) zu vermeiden. Auch im Bereich des luftdichten Anschlusses soll somit ein \u00abf<sub>Rsi<\/sub>&#8211; bzw. Temperaturfaktor\u00bb von 0,70 bis 0,76 eingehalten werden (Beispiel f<sub>Rsi<\/sub> = 0,75: +12,5 \u00b0C Oberfl\u00e4chentemperatur bei +20 \u00b0C Raumlufttemperatur und \u201310 \u00b0C Aussenlufttemperatur).<\/p>\n<p>Die Luftdichtheitsebene ist sorgf\u00e4ltig zu planen und die erforderlichen Massnahmen sind auszuschreiben. Die Lage und der Verlauf der Luftdichtung in der Fl\u00e4che, bei den An- und Abschl\u00fcssen sowie bei Durchdringungen m\u00fcssen im Luftdichtheitskonzept festgelegt werden. Die Arbeiten sind zwischen den am Bau Beteiligten zu koordinieren.<\/p>\n<p>Es ist zu beachten, dass nicht nur die Geb\u00e4udeh\u00fclle, sondern auch die Trennbauteile zwischen unterschiedlichen Nutzungen in den Planungsperimeter mit einbezogen werden (vgl. Bild 2.5.5). F\u00fcr jedes Bauteil der H\u00fcllfl\u00e4che und diejenigen zwischen differenten Nutzungszonen ist die Art und Lage der Luftdichtung festzulegen. Der Wechsel der Luftdichtheitsebene in Konstruktionen (z.B. von innen nach aussen) ist problematisch und nach M\u00f6glichkeit zu vermeiden. Durchdringungen der Luftdichtheitsschicht sollen weitgehend vermieden werden. Speziell zu planen sind die Bauteil\u00fcberg\u00e4nge, wie z.B. der luftdichte Fenstereinbau oder der Anschluss Aussenwand\/Dach.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-2-5-5\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap02_3634-3_Bautechnik_Bild_2-5-5.png\" alt=\"Beispiel f\u00fcr Luftdichtheitsperimeter bei einem Einfamilienhaus\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.5.5:\u2002Beispiel f\u00fcr Luftdichtheitsperimeter bei einem Einfamilienhaus (eine Nutzungseinheit) und einem Mehrfamilienhaus (mehrere Nutzungseinheiten).<\/div>\n<h3>Luftdichtheitsmesskonzept<\/h3>\n<p>Es muss nicht nur ein Luftdichtheits- und L\u00fcftungskonzept, sondern auch ein Konzept f\u00fcr die Messung der Luftdichtheit erstellt werden. Diese Konzepte sind aufeinander abzustimmen. Ist dies nicht der Fall, k\u00f6nnen einzelne Nutzungszonen innerhalb der thermischen Geb\u00e4udeh\u00fclle nicht gemessen werden (z.B. eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus).<\/p>\n<h2>2.5.6 Ausf\u00fchrungshinweise<\/h2>\n<p>Die Luftdichtheitsschicht und ihre Anschl\u00fcsse d\u00fcrfen w\u00e4hrend und nach dem Einbau weder durch Witterungseinfl\u00fcsse noch durch nachfolgende Arbeiten (z.B. Installation von Elektrorohren) besch\u00e4digt werden. Werden Durchdringungen durch nachfolgende Arbeiten erforderlich, so sind diese nach Abschluss der Arbeiten wieder luftdicht herzustellen. Alle Anschl\u00fcsse der Luftdichtheitsschicht sind spannungsfrei auszuf\u00fchren. Dauernde Zugkr\u00e4fte auf Klebeverbindungen und Luftdichtheitsbahnen (z.B. durch Auflast von W\u00e4rmed\u00e4mmstoffen, feuchte- und temperaturbedingte L\u00e4ngen\u00e4nderungen und Bauteilbewegungen) sind zu vermeiden. Klebeverbindungen reagieren darauf mit Kriechen, bis hin zum Versagen und Luftdichtheitsbahnen k\u00f6nnen reissen. Durch mechanische Befestigungen oder andere geeignete Massnahmen kann dem entgegengewirkt werden.<\/p>\n<div class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap02_3634-3_Bautechnik_Table_1.png\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.5.6:\u2002Massnahmen und Kontrollen betreffend die luftdichte Geb\u00e4udeh\u00fclle und gute Raumluftqualit\u00e4t<br \/>\n<span class=\"quelle-em\">(Quelle: SIA-Norm 180, 2014, Tabelle 6).<\/span><\/div>\n<h3>Materialwahl<\/h3>\n<p>Alle Materialien, welche zum Herstellen einer luftdichten Schicht verwendet werden, m\u00fcssen aufeinander abgestimmt und f\u00fcr den Verwendungszweck geeignet sein. Die Materialien m\u00fcssen die bau\u00fcblichen Bewegungen aufnehmen k\u00f6nnen oder diese Bewegungen m\u00fcssen konstruktiv ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Folgende Plattenmaterialien gelten als luftdicht und eignen sich, um in der Fl\u00e4che eine luftdichte Schicht herzustellen (spezielle Massnahmen sind im Bereich von St\u00f6ssen, Anschl\u00fcssen und Durchdringungen zu planen):<\/p>\n<ul>\n<li>Gipsfaserplatten und Gipskartonplatten<\/li>\n<li>Holzwerkstoffplatten (Vorsicht bei Grobspanplatten)<\/li>\n<li>Faserzementplatten<\/li>\n<li>nicht perforierte Metallbleche<\/li>\n<\/ul>\n<p>Folgende Plattenmaterialien gelten \u00fcblicherweise als nicht luftdicht:<\/p>\n<ul>\n<li>Mineralwolleplatten<\/li>\n<li>por\u00f6se Weichfaserplatten<\/li>\n<li>Holzwolle-Leichtbauplatten<\/li>\n<li>Trapezbleche im Bereich der St\u00f6sse\/\u00dcberlappungen<\/li>\n<li>Nut- und Kammschalungen<\/li>\n<li>Platten als optische raumseitige Bekleidung, wie z.B. Akustikdecken<\/li>\n<\/ul>\n<p>Luftdichte Bahnen bestehen zum Beispiel aus:<\/p>\n<ul>\n<li>Kunststoffwerkstoffen<\/li>\n<li>Bitumen- oder Polymerbitumen<\/li>\n<li>Papierwerkstoffen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Folgende Dichtmaterialien k\u00f6nnen f\u00fcr Fugen und St\u00f6sse verwendet werden:<\/p>\n<ul>\n<li>einseitig oder doppelseitig klebende Klebeb\u00e4nder auf Acrylatbasis<\/li>\n<li>Butylb\u00e4nder<\/li>\n<li>vorkomprimierte Dichtb\u00e4nder<\/li>\n<li>Klebemassen<\/li>\n<\/ul>\n<p>In jedem Fall ist eine ausreichende Haftung oder ein ausreichender Anpressdruck zwischen den verwendeten Materialien sicherzustellen. Werden f\u00fcr Anschl\u00fcsse zwischen Bahnen und Massivbauteilen vorkomprimierte Fugendichtb\u00e4nder eingesetzt, ist auf die spezifische minimal und maximal zul\u00e4ssige Pressung zu achten.<\/p>\n<p>Hinsichtlich Anwendung, Untergrundbeschaffenheit und Verarbeitungstemperaturen sind die jeweiligen Herstellervorschriften zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Aufbringen von Klebeb\u00e4ndern und Klebemassen sind im Allgemeinen folgende Untergrundeigenschaften sicherzustellen:<\/p>\n<ul>\n<li>tragf\u00e4hig<\/li>\n<li>trocken<\/li>\n<li>geschlossen und ausreichend eben<\/li>\n<li>staub- und fettfrei<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fugenf\u00fcllmaterialien, wie z.B. Montagesch\u00e4ume, sind nicht oder nur in geringem Masse f\u00e4hig, Baubewegungen aufzunehmen, und daher nicht zur Herstellung einer luftdichten Abdichtung geeignet.<\/p>\n<p>Sind \u00f6kologische Aspekte zu ber\u00fccksichtigen (z.B. Zusatz ECO bei allen MINERGIE-Labels), ist der Materialwahl spezielle Beachtung zu schenken. Produkte, welche auch die \u00f6kologischen Anspr\u00fcche erf\u00fcllen, sind auf der Homepage von MINERGIE und des Vereins Eco-Bau aufgef\u00fchrt. Als Hilfe f\u00fcr die Materialausschreibung dienen die ECO-BKP-Merkbl\u00e4tter von Eco-Bau.<\/p>\n<h3>Ausf\u00fchrung der Luftdichtung in der Fl\u00e4che<\/h3>\n<p>Holzwerkstoffplatten, wie z.B. Mehrschichtplatten oder Spanplatten und Gipsfaserplatten, k\u00f6nnen mit Klammern, Schrauben oder N\u00e4geln in den Untergrund (z.B. die Tragstruktur) befestigt werden. Die Perforation dieser Verbindungsmittel beeintr\u00e4chtigt die Luftdichtheitsschicht nicht. Die Plattenst\u00f6sse sind mit einseitig klebenden Klebeb\u00e4ndern abzudichten. Bei nicht hinterlegten Plattenst\u00f6ssen wird eine Nut- und Federausbildung empfohlen, damit die Klebeverbindung durch Baubewegungen nicht dauerhaft mechanisch belastet wird.<\/p>\n<p>Luftdichte Bahnen k\u00f6nnen mit Klammern oder doppelseitigen Klebeb\u00e4ndern auf dem Untergrund befestigt werden. Es braucht eventuell eine zus\u00e4tzliche mechanische Sicherung, um das Losl\u00f6sen der Bahnen zu verhindern. Bei erh\u00f6hten Anforderungen an die Luftdichtheit (z.B. Schwimmb\u00e4der, MINERGIE-A\/P-Bauten) ist eine Abklebung von Verbindungsmitteln zu empfehlen. Die Perforation der Luftdichtheitsbahnen durch Schrauben oder N\u00e4gel, zum Fixieren der innenseitigen Unterkonstruktion, beeintr\u00e4chtigt die Luftdichtheit in der Regel nicht. Bei kritischen Konstruktionen und hohen Anforderungen k\u00f6nnen Nageldichtungen in Form von B\u00e4ndern oder Pads verwendet werden, um eine Verletzung der Luftdichtheitsschicht zu vermeiden.<\/p>\n<p>Die Stossausbildung von Bahnen in der Fl\u00e4che findet in der Regel durch eine \u00dcberlappung von mind. 40 mm statt. Diese \u00dcberlappung ist mit einseitig klebenden Klebeb\u00e4ndern (Acryl, Butyl) luftdicht zu \u00fcberkleben. Falten in der Bahn m\u00fcssen soweit \u00fcberklebt werden, dass ein Luftkanal ausgeschlossen werden kann, oder sie sind aufzuschneiden und anschliessend wieder spannungsfrei zu \u00fcberkleben.<\/p>\n<h4>Mauerwerk und Betonbauteile<\/h4>\n<p>Um die Luftdichtheit zu gew\u00e4hren, muss das Mauerwerk verputzt werden. Der Verputz muss vom Boden bis zur Decke reichen. Sind Schalld\u00e4mmlager eingebaut, muss der Grundputz bis auf das Schalld\u00e4mmlager hinunter ausgef\u00fchrt werden. Bei abgeh\u00e4ngten Decken muss der Putz ebenfalls bis zu Betondecke hoch gef\u00fchrt werden. Bei sichtbar oder hinter Bekleidungen gef\u00fchrten Installationen muss der Grundputz hinter diesen vollfl\u00e4chig ausgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Ausf\u00fchrung von luftdichten Anschl\u00fcssen bei Bauteil\u00fcberg\u00e4ngen und an durchdringende Bauteile ist bei unebenen, wechselnden, offenen und ungleichen Oberfl\u00e4chen (z.B. Backsteinmauerwerk mit Stoss- oder Lagerfugen und Lufthohlr\u00e4umen) ein Glattstrich mit Leichtm\u00f6rtel oder Leichtputzen erforderlich. Der Glattstrich muss vor dem Einbau der Fenster ausgef\u00fchrt sein (vgl. Bild 2.5.7).<\/p>\n<h3>Ausbildung von An- und Abschl\u00fcssen<\/h3>\n<p>Die Qualit\u00e4t der Luftdichtheit steht und f\u00e4llt mit der Ausbildung der An- und Abschl\u00fcsse. Vorteilhaft sind solche Luftdichtheitskonzepte, die zu m\u00f6glichst wenigen An- und Abschl\u00fcssen f\u00fchren, z.B. durch die Vordachausf\u00fchrung mit Stichern anstelle von Sparren, welche die luftdichte Schicht durchdringen.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-2-5-7\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Bautechnik_S69_2-5-7.png\" alt=\"Rund um das Fenster verlaufender, luftdichter Anschluss mit einem \u00abdampfdichten\u00bb, einputzbaren Luftdichtheitsband. F\u00fcr den Anschluss an das Mauerwerk ist vorg\u00e4ngig ein Glattstrich auszuf\u00fchren.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.5.7:\u2002Rund um das Fenster verlaufender, luftdichter Anschluss mit einem \u00abdampfdichten\u00bb, einputzbaren Luftdichtheitsband. F\u00fcr den Anschluss an das Mauerwerk ist vorg\u00e4ngig ein Glattstrich auszuf\u00fchren.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<p>Unabh\u00e4ngig vom Konzept gilt es bei jedem Bauvorhaben, die Fenster luftdicht einzubauen. Es ist dabei in der Regel vorteilhaft, den luftdichten Anschluss von innen her, zwischen Wand und innerer Rahmenpartie, zu gew\u00e4hrleisten. Nur bei gen\u00fcgender \u00dcberd\u00e4mmung kann die Luftdichtheit von aussen her, durch das Abkleben der Fuge zwischen Aussenwand und Fenster erfolgen. Bei solchen Detailausbildungen ist der rechnerische Nachweis zu erbringen, dass der luftdichte Anschluss warmseitig zu liegen kommt bzw. dass bei den Klebefl\u00e4chen je nach Klimastandort ein \u00abf<sub>Rsi<\/sub>&#8211; bzw. Temperaturfaktor\u00bb von 0,70 bis 0,76 erreicht wird (vgl. Bild 2.5.8).<\/p>\n<div id=\"bild-hle-2-5-8\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2188 alignnone\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/10\/Web_Bild_2-5-8.png\" alt=\"\" width=\"369\" height=\"835\" srcset=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/10\/Web_Bild_2-5-8-133x300.png 133w, https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/10\/Web_Bild_2-5-8-200x453.png 200w, https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/10\/Web_Bild_2-5-8.png 369w\" sizes=\"(max-width: 369px) 100vw, 369px\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.5.8:\u2002Durch \u00dcberd\u00e4mmungen kann im \u00e4usseren \u00dcbergangsbereich vom Fensterrahmen auf das Bauwerk eine Oberfl\u00e4chen- bzw. Grenzschichttemperatur erreicht werden, die gen\u00fcgend hoch ist (f<sub>Rsi<\/sub>-Faktor \u2265 0,70 bis 0,76, je nach Klimastandort), um dort luftdicht abkleben zu k\u00f6nnen. Hierbei ist aber zu beachten, dass der luftdichte Anschluss (Verklebung) zwingend im \u00abwarmen\u00bb Eckbereich Fensterahmen\/Aussenwand erfolgen muss.<\/div>\n<h3>Durchdringungen bei Installationen<\/h3>\n<p>Es ist sinnvoll, die Installationen, ausser den nach aussen f\u00fchrenden Leitungen, innerhalb der luftdichten Geb\u00e4udeh\u00fclle, in einer hierf\u00fcr geschaffenen Installationsebene zu f\u00fchren. Von der Forderung nach solchen Installationsr\u00e4umen wird im vorfabrizierten Elementbau abgewichen, ohne dass dadurch Probleme auftreten. Durch entsprechende Abklebungen, unter optimalen Bedingungen im Werk, l\u00e4sst sich die Luftdichtheit auch dann gew\u00e4hrleisten, wenn sich das Elektroleerrohr \u00fcber der Elementbeplankung (luftdichte Schicht) befindet und diese lokal durchdringt.<\/p>\n<p>Vom Warm- in den Kaltbereich gef\u00fchrte Elektroleerrohre sind warmseitig luftdicht zu verschliessen und die Durchdringungen m\u00fcssen luftdicht ausgef\u00fchrt werden. Auf dem Markt sind heute verschiedene Abdichtungsprodukte erh\u00e4ltlich, mit denen \u00abunprofessionelle Flickarbeiten\u00bb vermieden werden k\u00f6nnen (vgl. Bilder 2.5.9 und 2.5.10).<\/p>\n<p>Ist die Deckendurchdringung von Leitungen in einem Installationsschacht Teil der Luftdichtheitsebene, so ist darauf zu achten, dass die Rohrleitungen (insbesondere Elektrorohre) nicht geb\u00fcndelt werden. Elektrorohre sind mit Abstand zueinander anzuordnen, sodass die Luftdichtheitsschicht (Brandabschottung) sauber ausgebildet werden kann. Auch bei schwer zug\u00e4nglichen Stellen ist darauf zu achten, dass die Luftdichtheitsschicht (Brandabschottung) l\u00fcckenlos ausgef\u00fchrt wird.<\/p>\n<h2>2.5.7 Untersuchungs- und Messmethoden<\/h2>\n<p>Die Messung der Luftdurchl\u00e4ssigkeit der Geb\u00e4udeh\u00fclle erfolgt ausschliesslich mit dem Differenzdruckverfahren. Dieses bildet die Grundlage f\u00fcr die Berechnung des in der Norm SIA 180:2014 verwendeten q<sub>a50<\/sub>-Werts. Als Mess-Referenzwert wird der Mittelwert der Gesamt-Luftdurchl\u00e4ssigkeit aus einer \u00dcber- und einer Unterdruckmessung festgelegt (vgl. Bild 2.5.11).<\/p>\n<p>Beim Differenzdruckverfahren wird die Aussent\u00fcre oder das Fenster eines Geb\u00e4udes durch eine Plane mit eingebautem Ventilator ersetzt (vgl. Bild 2.5.12). Mit dem Ventilator werden im Geb\u00e4udeinnern Unter- und \u00dcberdr\u00fccke von jeweils etwa 10 bis 80 Pa erzeugt und die dazugeh\u00f6rigen Luftvolumenstr\u00f6me bestimmt. Das durch den Ventilator nach aussen respektive innen str\u00f6mende Luftvolumen V entspricht der Luftmenge, die durch Leckstellen in der Geb\u00e4udeh\u00fclle eindringt. Durch Regression aus mindestens 5 Messpunkten wird der Volumenstrom bei 50 Pa Druckdifferenz berechnet.<\/p>\n<p>Absichtlich vorhandene \u00d6ffnungen bzw. Funktions\u00f6ffnungen in der Luftdichtheitsebene d\u00fcrfen vor der Messung geschlossen bzw. abgeklebt werden (vgl. Bild 2.5.13).<\/p>\n<p>Mit dem Kennwert q<sub>a50<\/sub> wird die durchschnittliche Luftdurchl\u00e4ssigkeit der Geb\u00e4udeh\u00fclle bzw. der untersuchten Messzone beschrieben. Dieser l\u00e4sst aber keine Aussagen \u00fcber Ort und Gr\u00f6sse der Leckstellen zu. Gut zug\u00e4ngliche Leckstellen lassen sich bei Unterdruck im Geb\u00e4ude an Zuglufterscheinungen erkennen. Diese k\u00f6nnen unter anderem mittels Rauchst\u00e4bchen, Wollfaden oder Anemometer aufgesp\u00fcrt werden, lassen sich damit aber meist nur ungenau lokalisieren. Die Leckstellensuche wird deshalb durch Infrarotaufnahmen erg\u00e4nzt, welche qualitative, nicht aber quantitative Aussagen zu den Leckagen zulassen.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-2-5-9\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap02_3634-3_Bautechnik_Bild_2-5-9.png\" alt=\"Beispiel Rohrdurchdringung(Quelle: pro clima ag).\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.5.9:\u2002Beispiel Rohrdurchdringung<br \/>\n<span class=\"quelle-em\">(Quelle: pro clima ag).<\/span><\/div>\n<h3><\/h3>\n<div id=\"bild-hle-2-5-10\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap02_3634-3_Bautechnik_Bild_2-5-10.png\" alt=\"Stopfen f\u00fcr Elektrorohre(Quelle: AGRO AG\/Kaiser-Elektro).\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.5.10:\u2002Stopfen f\u00fcr Elektrorohre<br \/>\n<span class=\"quelle-em\">(Quelle: AGRO AG\/Kaiser-Elektro).<\/span><\/div>\n<h3><\/h3>\n<p>F\u00fcr die Leckstellensuche mit Infrarotger\u00e4ten ist eine Temperaturdifferenz zwischen innen und aussen von mindestens 5 Kelvin (mit spezieller Software lassen sich auch bei 0,5 Kelvin Temperaturunterschied Leckagen orten) und ein Unterdruck im Geb\u00e4ude notwendig. Die einstr\u00f6mende Kaltluft k\u00fchlt die Innenoberfl\u00e4che im Bereich der Leckstelle ab, was zu schlierenartigen Stellen in den Infrarot-Bildern f\u00fchrt (vgl. Bild 2.5.14). Besonders genau k\u00f6nnen Leckstellen visualisiert werden, wenn dabei das Subtraktionsverfahren angewendet wird, was aber zeitaufwendig ist.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-2-5-11\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap02_3634-3_Bautechnik_Bild_2-5-11.png\" alt=\"Prinzipschema Messung Luftdurchl\u00e4ssigkeit im Unterdruck\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.5.11:\u2002Prinzipschema Messung Luftdurchl\u00e4ssigkeit im Unterdruck (z.B. mit Blower-Door).<\/div>\n<h3><\/h3>\n<div id=\"bild-hle-2-5-12\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap02_3634-3_Bautechnik_Bild_2-5-12.png\" alt=\"Eingebautes Blower-Door-Ger\u00e4t.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.5.12:\u2002Eingebautes Blower-Door-Ger\u00e4t.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<div id=\"bild-hle-2-5-13\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap02_3634-3_Bautechnik_Bild_2-5-13.png\" alt=\"Provisorische Abdichtung eines L\u00fcftungskanals mit einem Ballon.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.5.13:\u2002Provisorische Abdichtung eines L\u00fcftungskanals mit einem Ballon.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<div id=\"bild-hle-2-5-14\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap02_3634-3_Bautechnik_Group_22.png\" alt=\"Thermografie-Aufnahme von Luftundichtheiten im Trauf- und Ortbereich\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.5.14:\u2002Thermografie-Aufnahme von Luftundichtheiten im Trauf- und Ortbereich <span class=\"quelle-em\">(Quelle: Ing. B\u00fcro Baucheck Tanner)<\/span>.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2.5.1 Geschichtliches Die Luftdichtheit der Geb\u00e4udeh\u00fclle war schon immer von Bedeutung. \u00dcber alle Bauepochen hinweg wurde versucht, eine m\u00f6glichst geringe Luftdurchl\u00e4ssigkeit zu erreichen. Bekannt ist das Ausstopfen von Ritzen und Fugen mit Moos und Lehm im Holzbau, aber auch Bekleidungen aus Gips oder grossfl\u00e4chigen, gestemmten Holzt\u00e4fern dienten dem Zweck einer m\u00f6glichst hohen Luftdichtheit. 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