{"id":1830,"date":"2018-08-13T15:13:51","date_gmt":"2018-08-13T13:13:51","guid":{"rendered":"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/?p=1830"},"modified":"2022-09-30T14:41:26","modified_gmt":"2022-09-30T12:41:26","slug":"2-10-regeln-der-baukunde-normen-und-empfehlungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/2-10-regeln-der-baukunde-normen-und-empfehlungen\/","title":{"rendered":"2.10\u2002Regeln der Baukunde, Normen und Empfehlungen"},"content":{"rendered":"<h2>2.10.1 Beeinflussung der Anforderungen<\/h2>\n<p>Die Anforderungen, die an die Geb\u00e4udeh\u00fclle und damit auch an einzelne Bauteile, welche die Geb\u00e4udeh\u00fclle bilden, gestellt werden, haben sich im Verlaufe der Zeit st\u00e4ndig ver\u00e4ndert und werden auch in Zukunft neuen Gesichtspunkten und ver\u00e4nderten Randbedingungen anzupassen sein. Die Parameter, welche die zu stellenden Anforderungen beeinflussen, sind enorm vielschichtig und basieren weitgehend auf den in den Kapiteln 2.1 bis 2.9 beschriebenen Kriterien.<\/p>\n<h3>Nutzung<\/h3>\n<ul>\n<li>Raumklimatische Bedingungen (Raumlufttemperatur, relative Raumluftfeuchtigkeit, Oberfl\u00e4chentemperaturen, Luftwechsel).<\/li>\n<li>L\u00e4rmempfindlichkeit (Schalld\u00e4mmverm\u00f6gen).<\/li>\n<li>Raumakustische Bed\u00fcrfnisse (Schallabsorption, Nachhallzeit).<\/li>\n<li>Beleuchtung (nat\u00fcrliche und k\u00fcnstliche).<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Geb\u00e4udestandort\/Exposition<\/h3>\n<ul>\n<li>Aussenklima (Lufttemperatur, Luftgeschwindigkeit, Feuchtigkeit und Niederschl\u00e4ge, Frost, Sonneneinstrahlung).<\/li>\n<li>L\u00e4rmbelastung (Schallschutz- bzw. L\u00e4rmschutz).<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Angrenzende R\u00e4ume\/Medien<\/h3>\n<ul>\n<li>Aussenklima (Aussenluft, Erdreich, Grundwasser).<\/li>\n<li>Klima in benachbarten R\u00e4umen (nicht beheizt, gek\u00fchlt).<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Bauteil\/Funktion<\/h3>\n<ul>\n<li>Fenster (Bel\u00fcftung, Belichtung, Durchsicht).<\/li>\n<li>Flachdach (wasserdicht, beschr\u00e4nkt begehbar, begehbar, begr\u00fcnt, befahrbar).<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Statische Funktion<\/h3>\n<ul>\n<li>Tragende Bauteile (D\u00e4cher, Decken, Bodenplatten, Aussen- und Innenw\u00e4nde).<\/li>\n<li>Nicht tragende Bauteile (ausfachende Aussenw\u00e4nde, Trennw\u00e4nde).<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Energie und Umwelt<\/h3>\n<ul>\n<li>Wirtschaftlichkeit (Energiepreis, Kosten\/Nutzen).<\/li>\n<li>Umweltschutz (Schonung von Energieressourcen, Schadstoffemission).<\/li>\n<li>\u00d6kologie (ganzheitliche Betrachtungsweise, Umwelteinfl\u00fcsse von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung).<\/li>\n<\/ul>\n<h2>2.10.2 Bauphysikalische Anforderungen<\/h2>\n<p>Die Bauphysik hilft, die relevanten, auf ein Bauwerk einwirkenden Einfl\u00fcsse zu erkennen und entsprechende Beurteilungskriterien und Anforderungen zu definieren.<\/p>\n<p>Die Bauphysik nimmt konkret Stellung zu Themen wie klimatische Randbedingungen, W\u00e4rmeschutz, Energie, L\u00e4rm- und Schallschutz, Luftaustausch und Luftdichtigkeit, Feuchtigkeit, Brandschutz, Tageslicht und tr\u00e4gt damit wesentlich zur fachgerechten Konstruktion der Geb\u00e4udeh\u00fclle bei. Die Bauphysik gibt keine Konstruktionsrezepte vor, sondern zeigt physikalische Gesetzm\u00e4ssigkeiten f\u00fcr Vorg\u00e4nge auf, welche im oder um das Geb\u00e4ude ablaufen. Bei der Konstruktion und Ausf\u00fchrung von Neubauten oder der Sanierung bestehender Bauten ist es wichtig, diese Gesetzm\u00e4ssigkeiten zu kennen und deren Einfl\u00fcsse auf die Konstruktion zu beachten. Bauphysik als angewandte Physik am Geb\u00e4ude soll ein integrierender Bestandteil der Denkweise von Architekten und Bauingenieuren sein; das heisst, zur L\u00f6sung eines spezifischen Bauproblems m\u00fcssen alle bauphysikalischen Aspekte miteinbezogen werden.<\/p>\n<p>Auch dieses Fachbuch ber\u00fccksichtigt die bauphysikalischen Gesetzm\u00e4ssigkeiten, wie sie in den Fachb\u00fcchern aus der Schriftenreihe \u00abBau und Energie\u00bb im vdf Hochschulverlag, Z\u00fcrich, als Grundlage festgehalten sind:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00abPhysikalische Grundlagen\u00bb von H. Moor<\/li>\n<li>\u00abBauphysik\u00bb von Ch. Z\u00fcrcher und Thomas Frank<\/li>\n<\/ul>\n<h2>2.10.3 Regeln der Baukunde<\/h2>\n<p>Regeln der Baukunde sind Grunds\u00e4tze, die sowohl von der Bauwissenschaft als auch der Baupraxis als allgemein g\u00fcltig anerkannt werden. Es sind Grunds\u00e4tze, welche zum allgemein vorausgesetzten Wissen von jedem auf seinem Fachgebiet t\u00e4tigen Baufachmann z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich kann davon ausgegangen werden, dass die von Fachverb\u00e4nden und Vereinigungen (z.B. dem SIA) herausgegebenen Normen, Richtlinien und Merkbl\u00e4tter einen wesentlichen Teil des anerkannten Wissens der Baubranche enthalten. Weil jedoch mit der bautechnischen Forschung der Stand der Technik und, als Ausfluss davon, auch die anerkannten Regeln der Baukunde sich laufend \u00e4ndern, sind neben den Normen und Richtlinien auch die innert k\u00fcrzeren Zeitperioden verf\u00fcgbaren Erkenntnisse aus Fachartikeln und aus Publikationen der Material- und Systemlieferanten sowie der Verb\u00e4nde (z.B. Geb\u00e4udeh\u00fclle Schweiz und suissetec) zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<h3>Beispiel \u00abLuftdurchl\u00e4ssigkeit der Geb\u00e4udeh\u00fclle\u00bb<\/h3>\n<ul>\n<li>Die Luftdurchl\u00e4ssigkeit der Geb\u00e4udeh\u00fclle war schon seit geraumer Zeit von Bedeutung. Bekannt ist das Ausstopfen von Ritzen und Fugen mit Moos und Lehm im Holzbau. Auch grossfl\u00e4chige, gestemmte Holzverkleidungen hatten den Zweck, hohe Luftdurchl\u00e4ssigkeit zu verhindern.<\/li>\n<li>Mit der Massivbauweise in Backstein oder Stahlbeton, mit Betondecken gegen kalte Estrichr\u00e4ume oder mit Flachd\u00e4chern trat, abgesehen von den Fugen bei den Fenstern, die Problematik der Luftdichtheit etwas in den Hintergrund.<\/li>\n<li>Das Problem der Luftdichtheit wurde vor allem im Zusammenhang mit w\u00e4rmeged\u00e4mmten Leichtbaukonstruktionen, insbesondere dem Steildach \u00fcber ausgebauten Dachgeschossr\u00e4umen, neu erkannt.<\/li>\n<li>Erste H\u00e4lfte der 80<sup>er<\/sup>-Jahre: verschiedene Fachartikel zum Thema Luftdichtheit, insbesondere im Zusammenhang mit w\u00e4rmeged\u00e4mmten Steild\u00e4chern, und erste Hinweise von Systemlieferanten zur erforderlichen luftdichten Ausbildung der Dampfbremse.<\/li>\n<li>1. M\u00e4rz 1988: die in Kraft gesetzte Norm SIA 238 \u00abW\u00e4rmed\u00e4mmung in Steild\u00e4chern\u00bb definiert Anforderungen an eine Luftdichtheitsschicht.<\/li>\n<li>1. Juni 1988: gem\u00e4ss \u00fcberarbeiteter Norm SIA 180 muss die Geb\u00e4udeh\u00fclle m\u00f6glichst dicht sein und es werden provisorische n<sub>L,50<\/sub>-Grenzwerte, zur Beurteilung der Luftdurchl\u00e4ssigkeit der Geb\u00e4udeh\u00fclle, definiert.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bereits seit Mitte der 80<sup>er<\/sup>-Jahre kann das luftdichte Ausbilden von w\u00e4rmeged\u00e4mmten Leichtbaukonstruktionen, insbesondere des Steildachs, als Regel der Baukunde betrachtet werden, obwohl dieses Gedankengut erst 1988 in die Normen aufgenommen wurde.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-2-10-1\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap02_3634-3_Bautechnik_Bild_2-10-01.png\" alt=\"Die Geb\u00e4udeh\u00fclle und die relevanten Bauteile m\u00fcssen vielf\u00e4ltigen Einfl\u00fcssen standhalten und hohen Anforderungen gen\u00fcgen.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.10.1:\u2002Die Geb\u00e4udeh\u00fclle und die relevanten Bauteile m\u00fcssen vielf\u00e4ltigen Einfl\u00fcssen standhalten und hohen Anforderungen gen\u00fcgen.<\/div>\n<h2>2.10.4 Normen und Empfehlungen<\/h2>\n<p>Der SIA definiert mittels Normen und Empfehlungen die Regeln der Baukunde. Aber auch Merkbl\u00e4tter und Dokumentationen des SIA oder anderer Fachverb\u00e4nde definieren den jeweiligen Stand der Bautechnik. Die Zusammenstellung in Bild 2.10.3 gibt einen \u00dcberblick \u00fcber relevante Normen und Empfehlungen des SIA (Stand Februar 2022).<\/p>\n<div id=\"bild-hle-2-10-2\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap02_3634-3_Bautechnik_Bild_2-10-02.png\" alt=\"Von der wissenschaftlichen Forschung zur Regel der Baukunde.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.10.2:\u2002Von der wissenschaftlichen Forschung zur Regel der Baukunde.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<div class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4397\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/2.10.3.png\" alt=\"\" width=\"1084\" height=\"908\" srcset=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/2.10.3-200x168.png 200w, https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/2.10.3-300x251.png 300w, https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/2.10.3-400x335.png 400w, https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/2.10.3-600x503.png 600w, https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/2.10.3-768x643.png 768w, https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/2.10.3-800x670.png 800w, https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/2.10.3-1024x858.png 1024w, https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/2.10.3.png 1084w\" sizes=\"(max-width: 1084px) 100vw, 1084px\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 2.10.3:\u2002\u00dcberblick \u00fcber relevante Normen und Empfehlungen des SIA, welche die Geb\u00e4udeh\u00fclle betreffen.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2.10.1 Beeinflussung der Anforderungen Die Anforderungen, die an die Geb\u00e4udeh\u00fclle und damit auch an einzelne Bauteile, welche die Geb\u00e4udeh\u00fclle bilden, gestellt werden, haben sich im Verlaufe der Zeit st\u00e4ndig ver\u00e4ndert und werden auch in Zukunft neuen Gesichtspunkten und ver\u00e4nderten Randbedingungen anzupassen sein. 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