{"id":1848,"date":"2018-08-13T15:12:33","date_gmt":"2018-08-13T13:12:33","guid":{"rendered":"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/?p=1848"},"modified":"2022-09-30T14:56:32","modified_gmt":"2022-09-30T12:56:32","slug":"3-9-trennwaende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/3-9-trennwaende\/","title":{"rendered":"3.9\u2002Trennw\u00e4nde"},"content":{"rendered":"<p>Unter Trennw\u00e4nden werden vertikale Trennelemente zwischen R\u00e4umen innerhalb eines Geb\u00e4udes oder zwischen zwei angrenzenden Geb\u00e4uden verstanden. Die an Trennw\u00e4nde zu stellenden Anforderungen sind abh\u00e4ngig von der Nutzung der angrenzenden R\u00e4ume und dem statischen Konzept des Geb\u00e4udes.<\/p>\n<h2>3.9.1 Anforderungen<\/h2>\n<p>An geb\u00e4udeinterne Trennw\u00e4nde k\u00f6nnen je nach Fall folgende Anforderungen gestellt werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Tragende und aussteifende Funktion (abh\u00e4ngig vom statischen Konzept).<\/li>\n<li>Mechanische Festigkeit und Befestigungsm\u00f6glichkeiten von Gegenst\u00e4nden (z.B. in Gewerber\u00e4umen).<\/li>\n<li>W\u00e4rmeschutz (falls Trennelement zwischen beheiztem und unbeheiztem Raum).<\/li>\n<li>Schallschutz (nutzungsabh\u00e4ngig).<\/li>\n<li>Brandschutz.<\/li>\n<li>Strahlenschutz (z.B. R\u00f6ntgenr\u00e4ume).<\/li>\n<li>Schallabsorption der Oberfl\u00e4che (raumakustische Anforderungen).<\/li>\n<\/ul>\n<h2>3.9.2 W\u00e4rmeschutz<\/h2>\n<p>Anforderungen an den W\u00e4rmeschutz von Trennw\u00e4nden bestehen dort, wo beheizte R\u00e4ume an nicht beheizte Bereiche grenzen. Massgebend sind die Normen und Empfehlungen des SIA (180, 380\/1) sowie die entsprechenden Verordnungen der Kantone (MuKEn). Gem\u00e4ss Norm SIA 180:2014 \u00abW\u00e4rmeschutz, Feuchteschutz und Raumklima in Geb\u00e4uden\u00bb m\u00fcssen W\u00e4nde gegen nicht beheizte R\u00e4ume einen U-Wert \u2264 0,6 W\/m<sup>2<\/sup>\u00b7K erreichen. Aus energetischer Sicht ist davon auszugehen, dass ein U-Wert von \u2264 0,25 W\/m<sup>2<\/sup>\u00b7K erreicht werden muss.<\/p>\n<p>Weil diese Trennw\u00e4nde nicht der Witterung ausgesetzt sind, ist der Konstruktionsspielraum gross, um den W\u00e4rmeschutz zu gew\u00e4hrleisten. In der Regel werden die W\u00e4rmed\u00e4mmschichten auf der \u00abKaltseite\u00bb der Wand angebracht und je nach Anforderung bez\u00fcglich mechanischen Widerstands und \u00c4sthetik sichtbar belassen (z.B. Verbundplatten), verputzt oder mit einer Bekleidung versehen. Oder die W\u00e4rmed\u00e4mmung befindet sich innerhalb der Tragstruktur, z.B. bei Leichtbauw\u00e4nden.<\/p>\n<h2>3.9.3 Schallschutz<\/h2>\n<p>Die schalltechnische Anforderung einer Trennwand betrifft die Luftschalld\u00e4mmung, welche in Norm SIA 181:2020 \u00abSchallschutz im Hochbau\u00bb, in Abh\u00e4ngigkeit der L\u00e4rmempfindlichkeit und des St\u00f6rgrades der jeweiligen Nutzungen der gegeneinander abzugrenzenden R\u00e4ume, festgelegt ist (<a href=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/2-6%e2%80%82schallschutz-laermschutz-und-raumakustik\/\">vgl. Kapitel 2.6 \u00abSchallschutz, L\u00e4rmschutz und Raumakustik\u00bb<\/a>).<\/p>\n<p>F\u00fcr eine B\u00fcrotrennwand innerhalb der gleichen<br \/>\nNutzungseinheit (gleiche Firma) wird z.B. ein Luftschallschutz von D<sub>i<\/sub> \u2265 35 bis D<sub>i<\/sub> \u2265 40 dB empfohlen. Bei<br \/>\nWohnungstrennw\u00e4nden gilt es, einen Mindestluftschallschutz von D<sub>i<\/sub> \u2265 52 dB zu garantieren. Bei Stockwerkeigentum und Geb\u00e4udetrennw\u00e4nden (Doppel- und Reiheneinfamilienh\u00e4user) sind die erh\u00f6hten Anforderung mit D<sub>i<\/sub> \u2265 55 dB einzuhalten.<\/p>\n<p>Neben dem Schalld\u00e4mmverm\u00f6gen der Trennwand sind auch Schallnebenweg\u00fcbertragungen zu ber\u00fccksichtigen, z.B. in Form von undichten Anschl\u00fcssen oder flankierenden Bauteile mit geringem Fl\u00e4chengewicht (z.B. Fensterfronten oder Unterlagsb\u00f6den unter Leichtbauw\u00e4nden).<\/p>\n<h2>3.9.4 Konstruktionsbeispiele<\/h2>\n<p>F\u00fcr Wandkonstruktionen stehen viele konstruktive M\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung. Die Bilder 3.9.1 und 3.9.2 geben einen \u00dcberblick \u00fcber g\u00e4ngige Wandkonstruktionen und die in etwa zu erwartenden Schalld\u00e4mmwerte, wobei die Konstruktionsauswahl wie folgt differenziert wird.<\/p>\n<h4>Nicht tragende, einschalige W\u00e4nde<\/h4>\n<p>Mit Schalld\u00e4mmwerten R&#8216;<sub>w<\/sub> im Bereich von 32 bis 43 dB werden diese Konstruktionen f\u00fcr Vormauerungen und Trennw\u00e4nde ohne spezielle Anforderungen an den Schallschutz eingesetzt. Durch die geringe Masse neigen solche Wandscheiben zu Schalll\u00e4ngsleitung und k\u00f6nnen den Schallschutz, den z.B. eine angrenzende Geschossdecke gew\u00e4hrleisten muss, ung\u00fcnstig beeintr\u00e4chtigen. Durch konsequentes schalltechnisches Entkoppeln kann\/muss dies vermieden werden.<\/p>\n<h4>Tragende, einschalige W\u00e4nde<\/h4>\n<p>Mit zunehmendem Fl\u00e4chengewicht erh\u00f6ht sich das Schalld\u00e4mmverm\u00f6gen einer Wand entsprechend dem \u00abMassegesetz\u00bb (vgl. \u00abG\u00f6sele-Kurve\u00bb in Bild 2.6.5). Mit den Mauerwerken in Bild 3.9.1 k\u00f6nnen Schalld\u00e4mmwerten R&#8216;<sub>w<\/sub> im Bereich von 45 bis 56 dB erreicht werden. Vor-aussetzung ist aber eine beidseitig aufgetragene Putzschicht von mind. 1,5 cm Dicke, welche die Luftdichtheit gew\u00e4hrleistet und die fl\u00e4chenbezogene Masse erh\u00f6ht, sowie keine erh\u00f6hten Schall\u00fcbertragungen \u00fcber flankierende Bauteile.<\/p>\n<p>Mit Betonw\u00e4nden l\u00e4sst sich, bei gleicher Wanddicke, wegen der gr\u00f6sseren Rohdichte, ein besserer Schallschutz erreichen als mit gemauerten W\u00e4nden. Die M\u00f6glichkeit, \u00fcber ein immer h\u00f6heres Fl\u00e4chengewicht einen noch besseren Schallschutz zu erreichen, nimmt jedoch mit zunehmendem Fl\u00e4chengewicht ab und hat seine Grenze bei R&#8216;<sub>w<\/sub> \u2248 61 dB, wof\u00fcr etwa 30 cm dicke Betonw\u00e4nde erforderlich sind.<\/p>\n<h4>Zweischalige, gemauerte W\u00e4nde<\/h4>\n<p>Im Vergleich zu gleich schweren einschaligen W\u00e4nden kann mit zweischaligen W\u00e4nden ein h\u00f6herer Schallschutz erreicht werden. Voraussetzung ist jedoch eine optimale Trennung der beiden Wandschalen: Je gr\u00f6sser der mit Faserd\u00e4mmstoff bed\u00e4mpfte Schalenabstand ist, desto gr\u00f6sser wird der Zuwachs an Schallschutz.<\/p>\n<p>In der heutigen Baupraxis stellen aber Zweischalenw\u00e4nde die Ausnahme dar; die Geschossdecken m\u00fcssen meist \u00fcber den zweischaligen W\u00e4nden durchlaufen (Statik, Erdbebensicherheit) und verhindern so den Nutzen solcher Wandkonstruktionen.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-3-9-1\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap03_3634-3_Bautechnik_Bild_3-9-1.png\" alt=\"Gegen\u00fcberstellung verschiedener Trennw\u00e4nde in Massivbauweise, mit Angabe des zu erwartenden Luftschalld\u00e4mmverm\u00f6gens.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 3.9.1:\u2002Gegen\u00fcberstellung verschiedener Trennw\u00e4nde in Massivbauweise, mit Angabe des zu erwartenden Luftschalld\u00e4mmverm\u00f6gens.<\/div>\n<h4>Metallst\u00e4nderw\u00e4nde<\/h4>\n<p>Bei Metallst\u00e4nderw\u00e4nden wird aus Gr\u00fcnden der Flexibilit\u00e4t oft diskutiert, ob diese statt auf die Betondecke auf den Unterlagsboden gestellt werden k\u00f6nnen. Bei unter der Wand durchlaufendem Unterlagsboden kann jedoch kaum ein besserer Schallschutz als etwa D<sub>i<\/sub> = 40 dB erreicht werden.<\/p>\n<p>Abh\u00e4ngig von Metallprofil (Art, Anzahl), Schalenabstand und Art der Beplankung (Rohdichte bzw. Fl\u00e4chengewicht) kann gem\u00e4ss Systemlieferant mit solchen W\u00e4nden ein Schalld\u00e4mmverm\u00f6gen R<sub>w,R<\/sub> (Rechenwert ohne L\u00e4ngsleitung \u00fcber flankierende Bauteile) im Bereich von 40 bis 70 dB erreicht werden. Unter Betrachtung aller am Bau beteiligten Schall\u00fcbertragungen ist in der Praxis meist mit geringeren Schalld\u00e4mmmassen zu rechnen (vgl. Bild 3.9.2).<\/p>\n<h4>Holzst\u00e4nderw\u00e4nde<\/h4>\n<p>Bei Holzst\u00e4nderw\u00e4nden ist die Konstruktionssystematik \u00e4hnlich wie bei den Metallst\u00e4nderw\u00e4nden. Gegen\u00fcber den schalltechnisch optimierten Metallprofilen erreichen Holzst\u00e4nderw\u00e4nde jedoch ein geringeres Schalld\u00e4mmverm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Als Beplankung kommen neben Gipskarton- und Gipsfaserplatten auch Holzwerkstoffplatten zur Anwendung (z.B. OSB-Platten, Dreischichtplatten u.\u00c4.), die aber infolge geringerer Rohdichte weniger effizient sind als die schwereren Gipskarton- oder Gipsfaserplatten. Eine Verbesserung kann bei nur einem Holzst\u00e4nder dadurch erreicht werden, dass die Beplankung auf der einen Wandseite mittels Federschiene entkoppelt am St\u00e4nder befestigt wird.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-3-9-2\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap03_3634-3_Bautechnik_Bild_3-9-2.png\" alt=\"Gegen\u00fcberstellung verschiedener Leichtbau-Trennw\u00e4nde, mit Angabe des zu erwartenden Luftschalld\u00e4mmverm\u00f6gens.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 3.9.2:\u2002Gegen\u00fcberstellung verschiedener Leichtbau-Trennw\u00e4nde, mit Angabe des zu erwartenden Luftschalld\u00e4mmverm\u00f6gens.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter Trennw\u00e4nden werden vertikale Trennelemente zwischen R\u00e4umen innerhalb eines Geb\u00e4udes oder zwischen zwei angrenzenden Geb\u00e4uden verstanden. 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