{"id":1860,"date":"2018-08-13T15:11:52","date_gmt":"2018-08-13T13:11:52","guid":{"rendered":"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/?p=1860"},"modified":"2022-09-30T15:03:42","modified_gmt":"2022-09-30T13:03:42","slug":"5-2-lueftungsanlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/5-2-lueftungsanlagen\/","title":{"rendered":"5.2\u2002L\u00fcftungsanlagen"},"content":{"rendered":"<h2>5.2.1 Luftwechsel<\/h2>\n<p>Neu gebaute oder sanierte Geb\u00e4ude sind in der Regel dermassen luftdicht, dass ohne eine systematische Lufterneuerung aus bauphysikalischer Sicht Probleme auftreten k\u00f6nnen. Architekten und Fachplaner m\u00fcssen daher f\u00fcr alle Geb\u00e4udekategorien in einer fr\u00fchen Planungsphase L\u00fcftungskonzepte entwickeln (Norm SIA180). Das L\u00fcftungskonzept und das Luftdichtheitskonzept m\u00fcssen aufeinander abgestimmt sein. Die Auslegung von L\u00fcftungsanlagen in Wohngeb\u00e4uden erfolgt \u00fcblicherweise auf Grundlage der Norm SIA 382\/5. Im Folgenden werden diese M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Luftwechsel thematisiert:<\/p>\n<ul>\n<li>Manuelle Fensterl\u00fcftung<\/li>\n<li>Automatisierte Fensterl\u00fcftung<\/li>\n<li>Einfache L\u00fcftungsanlagen<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>Einzelwohnungsanlagen<\/li>\n<li>Mehrwohnungsanlagen<\/li>\n<li>L\u00fcftungsanlagen mit aktiven \u00dcberstr\u00f6mern<\/li>\n<li>Einzelraum-L\u00fcftungsger\u00e4te<\/li>\n<li>Abluftsysteme mit Aussenwand-Luftdurchl\u00e4ssen<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<h2>5.2.2 Manuelle Fensterl\u00fcftung<\/h2>\n<p>In den meisten Bestandsbauten und teilweise auch in neuen Geb\u00e4uden werden die R\u00e4ume \u00fcber manuell zu \u00f6ffnende Fenster be- und entl\u00fcftet. Dieses L\u00fcftungskonzept funktioniert so gut, wie es durch die Nutzer bedient wird. Die Wirkung dieser L\u00fcftung ist von der Fenstergr\u00f6sse, der Lage der Fenster, dem \u00d6ffnungsgrad der Fenster und der Wetterlage (Temperaturdifferenz zwischen innen und aussen, Wind usw.) abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Im Winter, wenn es draussen sehr kalt ist und der Raum auf 20 \u00b0C geheizt ist, wird beim \u00d6ffnen von raumhohen Fenstern ein etwa 20-facher Luftwechsel erzeugt. Dies bedeutet, dass innerhalb von nur 3 Minuten die gesamte Raumluft einmal ausgetauscht wird. Durch diesen hohen Luftwechsel wird der Raum sehr schnell abgek\u00fchlt. Werden die Fenster wieder geschlossen, muss die kalte Luft \u00fcber die Raumheizung wieder aufgew\u00e4rmt werden.<\/p>\n<p>Ist die Temperaturdifferenz zwischen innen und aussen klein, ist auch die Wirkung der Fensterl\u00fcftung entsprechend bescheiden. In diesem Fall kann die Wirkung eventuell erh\u00f6ht werden, wenn Durchzug erzeugt wird. Dabei werden sich gegen\u00fcberliegende Fenster, evtl. in unterschiedlichen R\u00e4umen, ge\u00f6ffnet (Querl\u00fcftung).<\/p>\n<p>Dauernd schr\u00e4g gestellte Fenster f\u00fchren in der kalten Jahreszeit zu erheblichen W\u00e4rme- und somit Energieverlusten. Es str\u00f6mt dauernd warme Luft nach draussen und durch den dauernden Eintrag von kalter Aussenluft wird die Geb\u00e4udemasse abgek\u00fchlt.<\/p>\n<p>Bei der manuellen Fensterl\u00fcftung gilt es zu beachten:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\"><\/li>\n<li>dass bei ge\u00f6ffnetem Fenster kein Schutz vor Aussenl\u00e4rm besteht,<\/li>\n<li>die nachstr\u00f6mende Aussenluft nicht gefiltert wird,<\/li>\n<li>die W\u00e4rme aus der nach aussen str\u00f6menden Luft nicht zur\u00fcckgewonnen wird und<\/li>\n<li>die durch die Fenster nachstr\u00f6mende Aussenluft die thermische Behaglichkeit im Raum erheblich beeintr\u00e4chtigen kann (Zugluft).<\/li>\n<\/ul>\n<h2>5.2.3 Automatisierte Fensterl\u00fcftung<\/h2>\n<p>Mittels Antriebssystemen und einer intelligenten Regulierung\/Steuerung kann das \u00d6ffnen von Fenstern automatisiert werden. Mit diesem System kann der minimal notwendige hygienische Luftwechsel und der Schutz vor Feuchtesch\u00e4den auf einfache Weise auch bei Abwesenheit der Nutzer weitgehend sichergestellt werden.<\/p>\n<p>Automatisierte Fensterl\u00fcftungssysteme sind mit einem Wettersensor ausger\u00fcstet, der bei starkem Wind oder Regen die Fenster automatisch schliessen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Bei Wohnungen werden automatische Fensterantriebe teilweise in Kombination mit Fortluft-Dunstabzugshauben eingesetzt. Das heisst, dass sich bei Betrieb der Dunstabzugshaube ein in der N\u00e4he liegendes Fenster automatisch \u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Wie bei der manuellen Fensterl\u00fcftung ist auch hier zu beachten, dass der Schutz gegen Aussenl\u00e4rm bei ge\u00f6ffnetem Fenster nicht gew\u00e4hrleistet ist, die nachstr\u00f6mende Aussenluft nicht gefiltert wird und aus der ausstr\u00f6menden Luft die W\u00e4rme nicht zur\u00fcckgewonnen werden kann.<\/p>\n<h2>5.2.4 Einfache L\u00fcftungsanlagen<\/h2>\n<p>Es gilt klarzustellen, dass einfache L\u00fcftungsanlagen keine Klimaanlagen sind!<\/p>\n<p>F\u00fcr die mechanische Be- und Entl\u00fcftung von Wohnbauten (Ein- und Mehrfamilienh\u00e4user) werden in der Regel einfache L\u00fcftungsanlagen (Wohnungsl\u00fcftung, Komfortl\u00fcftung) mit W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung (WRG) eingebaut. \u00dcber die WRG kann im Winter die in der Abluft enthaltene W\u00e4rme zu etwa 80 % zur\u00fcckgewonnen und an die kalte Aussenluft \u00fcbertragen werden. Da bei gut w\u00e4rmeged\u00e4mmten Geb\u00e4uden die L\u00fcftungsw\u00e4rmeverluste bei h\u00e4ndischem Fensterl\u00fcften bis zu 40 % der Gesamt-W\u00e4rmeverluste ausmachen, leisten Wohnungsl\u00fcftungsanlagen einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion des Energieverbrauchs. Durch die gute W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung kann in der Regel auch auf ein zus\u00e4tzliches Nachw\u00e4rmen der Zuluft verzichtet werden. Mit diesen L\u00fcftungsanlagen k\u00f6nnen der notwendige hygienische Luftwechsel sichergestellt und die \u00fcblichen Luftbelastungen abgef\u00fchrt werden. Wird in der Zuluft ein Filter der geforderten Qualit\u00e4t ISO ePM1 50 % eingebaut, ist die Qualit\u00e4t der in den Raum eingef\u00fchrten Luft in der Regel besser als die Qualit\u00e4t der Aussenluft.<\/p>\n<p>Die Luftf\u00fchrung in den Wohnungen erfolgt nach dem Kaskadenprinzip (vgl. Bild 5.2.1): In den R\u00e4umen, wo sich Personen aufhalten (Wohnen, Schlafen, Arbeiten), wird die Zuluft eingeblasen. In den R\u00e4umen mit Luftbelastungen (WC, Bad\/Dusche, im Bereich der K\u00fcche, Abstellr\u00e4ume) wird die Luft wieder abgesogen. Vom Zuluftbereich str\u00f6mt die Luft durch \u00dcberstr\u00f6mer (T\u00fcrschlitze, schalld\u00e4mmende \u00dcberstr\u00f6mer o.\u00c4.) in den Abluftbereich. Diese \u00dcberstr\u00f6mbereiche (Korridore, evtl. Zimmer) werden so mitbel\u00fcftet.<\/p>\n<p>Je nach Grundrissgestaltung ist es m\u00f6glich, auch im Wohnbereich auf eine Zuluft\u00f6ffnung zu verzichten. Durch das Kaskadenprinzip wird der Raum trotzdem gen\u00fcgend gut durchstr\u00f6mt. Durch diese Anordnung kann der Installationsaufwand f\u00fcr die L\u00fcftungsanlage klein gehalten werden. Im Idealfall k\u00f6nnen die Luftleitungen im Korridorbereich im Deckenhohlraum gef\u00fchrt werden (vgl. Bild 5.2.2). So k\u00f6nnen kurze Leitungen realisiert werden und der Zugang f\u00fcr allf\u00e4llige sp\u00e4tere Erneuerungen bleibt sichergestellt. Zudem l\u00e4sst sich so die Dicke der Betondecke meist reduzieren.<\/p>\n<p>Die Lufteinf\u00fchrung in den Raum erfolgt \u00fcblicherweise \u00fcber L\u00fcftungsgitter im Sturzbereich von T\u00fcren (vgl. Bild 5.2.3). An der gleichen Stelle kann auch in den entsprechenden R\u00e4umen die Abluft gefasst werden. Nur wenn R\u00e4ume mit grossen Raumtiefen zu entl\u00fcften sind, sollte die Abluft m\u00f6glichst nahe an der Quelle (WC, Dusche) gefasst werden.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-5-2-1\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap05_3634-3_Bautechnik_Bild_5-2-1.png\" alt=\"Komfortl\u00fcftung nach dem Prinzip der \u00abKaskadenl\u00fcftung\u00bb.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 5.2.1:\u2002Komfortl\u00fcftung nach dem Prinzip der \u00abKaskadenl\u00fcftung\u00bb.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<div id=\"bild-hle-5-2-2\" class=\"img-hle\">\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap05_3634-3_Bautechnik_Bild_5-2-2a.png\" alt=\"Installation der L\u00fcftung in der abgeh\u00e4ngten Decke: Variante mit flexiblen Schl\u00e4uchen oder mit Spirorohren und Blechkan\u00e4len.\" \/><\/p>\n<h3><\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap05_3634-3_Bautechnik_Bild_5-2-2b.png\" \/><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 5.2.2:\u2002Installation der L\u00fcftung in der abgeh\u00e4ngten Decke: Variante mit flexiblen Schl\u00e4uchen oder mit Spirorohren und Blechkan\u00e4len.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<p>Werden die Luftleitungen in der Betondecke eingelegt, muss aus installationstechnischer und statischer Sicht die Decke entsprechend dicker ausgef\u00fchrt werden (vgl. Bild 5.2.4). Durch diese Leitungsf\u00fchrung erh\u00f6ht sich aber die Flexibilit\u00e4t bei der Platzierung der Durchl\u00e4sse, wobei anzumerken ist, dass der Standort der Luftdurchl\u00e4sse nur geringen Einfluss auf die Luftqualit\u00e4t und Luftverteilung im Raum hat. Wichtig ist, dass f\u00fcr den gew\u00e4hlten Standort und den dimensionierten Luftvolumenstrom die richtigen Durchl\u00e4sse eingebaut werden. Nur so kann ein zugfreier und behaglicher Betrieb der L\u00fcftungsanlage sichergestellt werden.<\/p>\n<p>Die in der Norm SIA 382\/5 aufgef\u00fchrten Luftvolumenstr\u00f6me (z.B. 30 m<sup>3<\/sup>\/h Zuluft f\u00fcr R\u00e4ume, in denen sich Personen aufhalten) sollten nicht \u00fcberschritten werden. Diese Vorgaben gelten f\u00fcr die mittlere Betriebsstufe. Auf dieser Stufe wird die L\u00fcftungsanlage bei Anwesenheit der Bewohner und in der Nacht betrieben. Und somit gelten auf dieser Betriebsstufe auch die Anforderungen an die Schallbelastung (Norm SIA 382\/5 und Norm SIA 181: z.B. f\u00fcr erh\u00f6hte Anforderung in Schlafzimmern \u2264 25 dBA). Die Empfindlichkeit der Nutzer gegen\u00fcber Betriebsger\u00e4uschen von L\u00fcftungsanlagen ist gross, dieser kann entsprochen werden, wenn gen\u00fcgend gute, auf das Frequenzspektrum der Schallquelle abgestimmte Schalld\u00e4mpfer eingebaut werden und bei der Wahl der Durchl\u00e4sse auch die Schallbelastung ber\u00fccksichtigt wird.<\/p>\n<p>Im Sommer kann die WRG \u00fcber einen Bypass umfahren werden, oder diese wird durch den tempor\u00e4ren Einbau einer Sommerbox ersetzt. Die Wohnungsl\u00fcftung kann, wenn gew\u00fcnscht, im Sommer auch ausgeschaltet oder in einem Intervallbetrieb betrieben werden. Falls die Wohnung \u00fcber gefangene Nasszellen oder gefangene R\u00e4ume verf\u00fcgt, muss die Entl\u00fcftung dieser R\u00e4ume aber auch im Sommer sichergestellt werden. Dies kann durch einen Intervallbetrieb (Zeitschaltprogramm) oder mit der Einschaltung der L\u00fcftungsanlage \u00fcber Lichtschalter realisiert werden.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-5-2-3\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap05_3634-3_Bautechnik_Bild_5-2-3.png\" alt=\"Zuluftdurchlass im T\u00fcrsturz.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 5.2.3:\u2002Zuluftdurchlass im T\u00fcrsturz.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<div id=\"bild-hle-5-2-4\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap05_3634-3_Bautechnik_Bild_5-2-4.png\" alt=\"L\u00fcftungseinlagen in der Betondecke. Die offenen Enden sind wegen der Verschmutzung abgeklebt.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 5.2.4:\u2002L\u00fcftungseinlagen in der Betondecke. Die offenen Enden sind wegen der Verschmutzung abgeklebt.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<div id=\"bild-hle-5-2-5\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap05_3634-3_Bautechnik_Bild_5-2-5.png\" alt=\"Installation eines Erdreich-W\u00e4rme\u00fcbertragers zur Erw\u00e4rmung oder K\u00fchlung der Aussenluft, je\u00a0nach Jahreszeit.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 5.2.5:\u2002Installation eines Erdreich-W\u00e4rme\u00fcbertragers zur Erw\u00e4rmung oder K\u00fchlung der Aussenluft, je\u00a0nach Jahreszeit.<\/div>\n<h3>Luftheizung mit Heizfunktion<\/h3>\n<p>In sehr gut ged\u00e4mmten Wohnbauten (z.B. MINERGIE- P) liegt der spezifische W\u00e4rmeleistungsbedarf oft unter 10 W\/m<sup>2<\/sup>. In solchen F\u00e4llen ist neben den konventionellen W\u00e4rmeabgabesystemen (z.B. Fussbodenheizung, Heizk\u00f6rper) auch eine Luftheizung m\u00f6glich. Dabei wird die Zuluft auf eine Temperatur von 35 bis 40 \u00b0C erw\u00e4rmt. Grunds\u00e4tzlich sollte es dann m\u00f6glich sein, mit den f\u00fcr die Wohnungsl\u00fcftung notwendigen Luftvolumenstr\u00f6men, das Haus zu heizen. Je nach Grundrissgeometrie kann es jedoch notwendig werden, R\u00e4ume, die bei einer Wohnungsl\u00fcftungsanlage im \u00dcberstr\u00f6mbereich liegen, zus\u00e4tzlich mit Luft zu versorgen, um die notwendige Heizleistung zu erreichen. Dadurch erh\u00f6ht sich der Gesamtvolumenstrom der L\u00fcftungsanlage f\u00fcr die Wohnung.<\/p>\n<p>Weil bei der Luftheizung die Verteilleitungen gegen W\u00e4rmeverluste ged\u00e4mmt werden m\u00fcssen, erh\u00f6ht sich der Platzbedarf f\u00fcr die Leitungsf\u00fchrung gegen\u00fcber der \u00fcblichen Komfortl\u00fcftung. Die Planung und Realisierung von Luftheizungsanlagen erfordert viel Erfahrung. In der Schweiz hat sich die Luftheizung nicht durchgesetzt, diese wird aber in Passivhausbauten vornehmlich in \u00d6sterreich und Deutschland h\u00e4ufig eingesetzt.<\/p>\n<h3>Erdreich-W\u00e4rme\u00fcbertrager (EWT)<\/h3>\n<p>Wird die Aussenluft \u00fcber ein Erdreich-W\u00e4rme\u00fcbertrager angesogen, kann die Zuluft im Sommer leicht vorgek\u00fchlt (keine Klimaanlage!) und im Winter leicht vorgew\u00e4rmt werden (vgl. Bild 5.2.5).<\/p>\n<p>Erdreich-W\u00e4rme\u00fcbertrager m\u00fcssen im Gef\u00e4lle verlegt werden und die Reinigung muss jederzeit sichergestellt sein. Der Bau erfolgt in enger Abstimmung mit der Umgebungsplanung.<\/p>\n<h3>Einzelwohnungsanlagen<\/h3>\n<p>In jeder Wohnung wird ein Luftaufbereitungsger\u00e4t eingebaut. Als Standort f\u00fcr die Ger\u00e4te eignen sich Nebenr\u00e4ume oder ein Schrank (vgl. Bild 5.2.6). Die Schallemissionen durch den Betrieb der Ger\u00e4te m\u00fcssen bei der Standortwahl und bei der Konstruktion allf\u00e4lliger Abdeckungen\/Schrankt\u00fcren ber\u00fccksichtig werden. Die Zug\u00e4nglichkeit zu den Ger\u00e4ten muss f\u00fcr die Instandhaltung sichergestellt sein.<\/p>\n<p>Bei Einfamilienh\u00e4usern wird das Luftaufbereitungsger\u00e4t im Keller oder im Estrich aufgestellt. Hier steht mehr Platz als in der Wohnung zur Verf\u00fcgung und es ergeben sich kaum Probleme betreffend den Schallschutz. Der Raum muss aber unbedingt frostsicher sein. Luftleitungen, die in unbeheizte R\u00e4ume gef\u00fchrt werden, m\u00fcssen w\u00e4rmeged\u00e4mmt sein.<\/p>\n<p>In Mehrfamilienh\u00e4usern besteht auch die M\u00f6glichkeit, dass die einzelnen Luftaufbereitungsger\u00e4te f\u00fcr die Wohnungen zentral im Keller aufgestellt werden. Die Luftleitungen werden ab jedem Ger\u00e4t in die jeweilige Wohnung gef\u00fchrt. Dabei gilt es, die Brandschutzvorschriften zu beachten.<\/p>\n<p>Der Betrieb der Einzelwohnungsanlagen erfolgt \u00fcber einen Betriebswahlschalter oder mit einer Zeitschaltuhr auf der gew\u00fcnschten Betriebsstufe. Wird die Anlage bedarfsgerecht \u00fcber eine CO<sub>2<\/sub>-Regulierung (CO<sub>2<\/sub>-F\u00fchler in der Abluft vor dem Luftaufbereitungsger\u00e4t) betrieben, darf nicht vergessen werden, dass bei der Ben\u00fctzung von WC-, Dusch- oder Bader\u00e4umen die Anlage mit einem Lichtkontakt \u00fcbersteuert und auf eine h\u00f6here Betriebsstufe gefahren werden muss. Nach ein paar Minuten f\u00e4llt der Anlagebetrieb wieder in den Normalmodus zur\u00fcck. Nur so kann sichergestellt werden, dass diese R\u00e4ume nach der Ben\u00fctzung gen\u00fcgend bel\u00fcftet werden.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-5-2-6\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/5.2.6.png\" alt=\"\" width=\"296\" height=\"417\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 5.2.6:\u2002Wohnungsl\u00fcftungsger\u00e4t in Wandschrank eingebaut.<\/div>\n<h3>Mehrwohnungsanlagen<\/h3>\n<p>In Mehrfamilienh\u00e4usern kann die Luftaufbereitung f\u00fcr mehrere Wohnungen zusammengefasst werden. Das Luftaufbereitungsger\u00e4t steht dann im Keller oder auf dem Dach (vgl. Bild 5.2.7). \u00dcber Steigzonen werden die einzelnen Wohnungen erschlossen. Um in den Wohnungen die Luftvolumenstr\u00f6me individuell einzustellen, werden entsprechende Apparate und Armaturen (Volumenstromregler) eingebaut. So kann der gleiche Bedienkomfort wie bei Einzelger\u00e4ten geboten werden.<\/p>\n<p>Auch bei diesem Anlagekonzept m\u00fcssen die Brandschutzvorschriften und die Anforderungen an die W\u00e4rmed\u00e4mmung beachtet werden.<\/p>\n<p>\u00dcber einen Betriebswahlschalter oder mit einer Zeitschaltuhr kann die L\u00fcftungsanlage in den einzelnen Wohnungen auf der gew\u00fcnschten Stufe betrieben werden. Werden die Anlagen bedarfsgerecht \u00fcber eine CO<sub>2<\/sub>-Regulierung (CO<sub>2<\/sub>-F\u00fchler in der Abluft pro Wohnung) betrieben, m\u00fcssen auch hier bei der Ben\u00fctzung von WC- und Nassr\u00e4umen die Grundeinstellungen mit einem Lichtkontakt \u00fcbersteuert und ein h\u00f6herer Luftvolumenstrom gefahren werden.<\/p>\n<h2>5.2.5 L\u00fcftungsanlagen mit aktiven \u00dcberstr\u00f6mern<\/h2>\n<p>(auch als Verbundl\u00fcfter bezeichnet)<\/p>\n<p>Werden Mehrfamilienh\u00e4user saniert, ist es oft schwierig, alle R\u00e4ume, in denen sich bestimmungsgem\u00e4ss Personen aufhalten, mit Zuluft zu erschliessen. Um solche R\u00e4ume auch bei geschlossenen T\u00fcren mit ausreichend frischer Luft zu versorgen, werden Verbundl\u00fcfter in die T\u00fcre oder in den T\u00fcrrahmen eingebaut (vgl. Bild 5.2.8). Dabei wird mit kleinen und leisen Ventilatoren Luft, aus z.B. einem Korridor, in den gew\u00fcnschten Raum geblasen und abgesogen. Die Zuluft wird zentral an einem Standort eingeblasen. Bei diesen Ger\u00e4ten muss vor allem die Schallbelastung bei den gew\u00e4hlten Luftvolumenstr\u00f6men beachtet werden.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-5-2-7\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap05_3634-3_Bautechnik_Bild_5-2-7.png\" alt=\"Zentrale Luftaufbereitung f\u00fcr mehrere Wohnungen im Untergeschoss.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 5.2.7:\u2002Zentrale Luftaufbereitung f\u00fcr mehrere Wohnungen im Untergeschoss.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<div id=\"bild-hle-5-2-8\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap05_3634-3_Bautechnik_Bild_5-2-8.png\" alt=\"L\u00fcftung mit zentraler Zuluft und aktiven \u00dcberstr\u00f6mern\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 5.2.8:\u2002L\u00fcftung mit zentraler Zuluft und aktiven \u00dcberstr\u00f6mern (Verbundl\u00fcfter).<\/div>\n<h3><\/h3>\n<div id=\"bild-hle-5-2-9\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap05_3634-3_Bautechnik_Bild_5-2-9.png\" alt=\"Detail Einzelraum-L\u00fcftungsger\u00e4t\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 5.2.9:\u2002Detail Einzelraum-L\u00fcftungsger\u00e4t (Bild: EgoKiefer AG, Fenster und T\u00fcren).<\/div>\n<h2>5.2.6 Einzelraum-L\u00fcftungsger\u00e4te<\/h2>\n<p>Bei diesem L\u00fcftungskonzept werden L\u00fcftungsger\u00e4te eingebaut, die nur einen oder maximal zwei R\u00e4ume mit Luft ver- und entsorgen. Diese Ger\u00e4te werden direkt in die Fassade oder zusammen mit den Fenstern eingebaut und sie verf\u00fcgen meistens \u00fcber eine W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung, Filter und die notwendigen Ventilatoren f\u00fcr Zu- und Abluft (vgl. Bild 5.2.9). Die Bauweise ist sehr kompakt. Trotzdem muss die Zug\u00e4nglichkeit f\u00fcr Filterwechsel und Instandhaltung gew\u00e4hrleistet sein. Als eine grosse Herausforderung erweisen sich auch hier die Anforderungen an den Schallschutz und die Schw\u00e4chung der Aussenwand bez\u00fcglich des W\u00e4rmeschutzes. Weiter ist zu beachten, dass pro Wohnung vier bis sechs solcher Ger\u00e4te eingebaut und auch entsprechend instandgehalten werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Entl\u00fcftung der WC-, Dusch- und Bader\u00e4ume werden bei diesem L\u00fcftungskonzept oft Einzelventilatoren eingebaut, die in Verbindung mit den Einzelraum-L\u00fcftungsger\u00e4ten gesteuert und betrieben werden.<\/p>\n<h2>5.2.7 Abluftsysteme mit Aussenbauteil-Luftdurchlass (ALD)<\/h2>\n<p>Bei Abluftsystemen mit Aussenbauteil-Luftdurchl\u00e4ssen wird Luft aus stark belasteten Bereichen, z.B. K\u00fcche, Bad und WC, mit einem Ventilator abgesaugt und nach aussen gef\u00f6rdert. Zur Luftnachstr\u00f6mung werden Aussenbauteil-Luftdurchl\u00e4sse in Wohn- und Schlafzimmern eingebaut (vgl. Bild 5.2.10). Die mit der Abluft abgef\u00fchrte W\u00e4rme kann \u00fcber eine Luft-Wasser-W\u00e4rmepumpe zur\u00fcckgewonnen und z.B. f\u00fcr die Warmwassererw\u00e4rmung verwendet werden. Dazu m\u00fcssen aber die einzelnen Abluftstr\u00e4nge zusammengef\u00fchrt werden. Eine W\u00e4rmepumpe im Abluftstrom erfordert in der Regel einen grossen, m\u00f6glichst konstanten Abluftvolumenstrom.<\/p>\n<p>Der Installationsaufwand ist bei diesem System wesentlich kleiner als bei den einfachen L\u00fcftungsanlagen (Wohnungsl\u00fcftungen).<\/p>\n<p>Aus Sicht der thermischen Behaglichkeit ist zu beachten, dass die einstr\u00f6mende Aussenluft zu Zugluft f\u00fchren kann. Die Vermeidung von Zugluft wird massgeblich von der Anordnung und dem Funktionsprinzip des ALD beeinflusst. Mit dem Einbau der Aussenbauteil-Durchl\u00e4sse wird auch der Schallschutz der Wandkonstruktion geschw\u00e4cht. Dieser Umstand ist bei der Planung und bei der Wahl der ALD zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Im Betrieb von Abluftsystemen mit Aussenwand-Luftdurchl\u00e4ssen entsteht innerhalb der Wohnung ein leichter Unterdruck. Um diesen Unterdruck tief zu halten (&lt;4 Pa), m\u00fcssen die ALD grossz\u00fcgig ausgelegt werden. Um die Luftqualit\u00e4t sicherzustellen, m\u00fcssen in den ALD Luftfilter eingebaut werden. Die Qualit\u00e4t der Filter muss mind. der Klasse ISO ePM10 50 % entsprechen. Mit den besseren Filtern (M5) steigt auch der Druckverlust an.<\/p>\n<p>Auch bei diesem System str\u00f6mt die Aussenluft in der Kaskade durch die R\u00e4ume. Die dazu notwendigen \u00dcberstr\u00f6mer (z.B. Zimmer \u2013&gt; Korridor) m\u00fcssen grossz\u00fcgig ausgelegt werden, um den Unterdruck tief zu halten. Infolge des nicht zu vermeidenden Unterdrucks kann die Luft auch unkontrolliert durch Undichtheiten in der Geb\u00e4udeh\u00fclle und zwischen den Wohnungen angesaugt werden (Infiltration). Der Abluft-Volumenstrom ist deshalb auf einen mindestens 1,3-mal h\u00f6heren Wert auszulegen als die Summe der Aussenluft-Volumenstr\u00f6me, die durch den ALD str\u00f6mt (SIA 382\/5). Der Luftdichtheit der Geb\u00e4udeh\u00fclle und zwischen den Wohnungen ist daher entsprechend Aufmerksamkeit zu schenken.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-5-2-10\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap05_3634-3_Bautechnik_Bild_5-2-10.png\" alt=\"L\u00fcftung nach dem Prinzip der \u00abAbluftanlage\u00bb mit Aussenwand-Luftdurchl\u00e4ssen.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 5.2.10:\u2002L\u00fcftung nach dem Prinzip der \u00abAbluftanlage\u00bb mit Aussenwand-Luftdurchl\u00e4ssen.<\/div>\n<h2>5.2.8 Energetische Betrachtungen<\/h2>\n<h3>Betriebsenergie<\/h3>\n<p>Werden f\u00fcr die Berechnung der Betriebsenergie die Werte aus Norm SIA 382\/1 (spezifische Ger\u00e4teleistung, Tabelle 11) eingesetzt, ergibt sich f\u00fcr eine 4<sup>1<\/sup>\/<sub>2<\/sub>-Zimmerwohnung bei einem idealen SPI-Wert von 0,25 W\/m<sup>3<\/sup>\u00b7h (SPI 1) und einem Volumenstrom von 135 m<sup>3<\/sup>\/h eine Leistung von 34 W. Wird die Anlage das ganze Jahr mit 135 m<sup>3<\/sup>\/h Zu- und Abluft betrieben (Auslegezustand), liegt der Strombedarf bei etwa 300 kWh\/a.<\/p>\n<p>Aus verschiedenen Messprojekten ist jedoch bekannt, dass einfache L\u00fcftungsanlagen beim Energieverbrauch 15 bis 20 % \u00fcber den Idealwerten liegen. Ein Grund daf\u00fcr kann der notwendige Vereisungsschutz f\u00fcr die WRG sein. Optimierungspotenzial f\u00fcr den Energieverbrauch gibt es bei der Einregulierung der richtigen Luftvolumenstr\u00f6me und wenn die L\u00fcftungsanlage bedarfsgerecht betrieben wird.<\/p>\n<p>Mehrwohnungsanlagen haben in der Regel h\u00f6here Druckverluste als Einzelwohnungsanlagen und somit auch einen h\u00f6heren spezifischen Leistungsbedarf und Energieverbrauch.<\/p>\n<h3>Graue Energie<\/h3>\n<p>Zur grauen Energie von L\u00fcftungsanlagen ist noch wenig bekannt. Ein grosser Teil der grauen Energie steckt in der Herstellung der Komponenten. Vor allem Bauteile aus Stahl (Luftleitungen, Schalld\u00e4mpfer usw.) tragen einen grossen Anteil zur grauen Energie bei.<\/p>\n<p>Werden Luftleitungen in der Betondecke eingelegt, muss aus statischen Gr\u00fcnden die Betondecke um einige Zentimeter dicker gew\u00e4hlt werden. Dieser zus\u00e4tzliche Aufwand an grauer Energie muss in diesem Fall der L\u00fcftungsanlage zugeschrieben werden. Verteilleitungen im Hohlraum von abgeh\u00e4ngten Decken oder Systeme mit weniger Installationsaufwand (Abluftsysteme mit ALD) k\u00f6nnen zu einem geringeren Aufwand an grauer Energie f\u00fchren.<\/p>\n<h2>5.2.9 Hygiene-Anforderungen<\/h2>\n<p>L\u00fcftungsanlagen sind offene Systeme. Die f\u00fcr die Bel\u00fcftung der R\u00e4ume notwendige Luft wird aussen angesogen, im L\u00fcftungsger\u00e4t aufbereitet (W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung, Filtrierung usw.), \u00fcber die Luftleitungen zum Raum gef\u00fchrt und dort eingeblasen. Die Nutzer dieser bel\u00fcfteten R\u00e4ume kommen in direkten Kontakt mit der aufbereiteten Luft. Somit hat die Qualit\u00e4t der aufbereiteten Luft auch einen direkten Einfluss auf das Wohlbefinden der Personen im Raum.<\/p>\n<p>Um sicherzustellen, dass die Aussenluft auf dem Weg durch die Anlage keine Verschlechterung erf\u00e4hrt bzw. im Idealfall qualitativ besser wird, sind Massnahmen bei der Planung, bei der Auswahl der Komponenten, bei der Installation und bei der Instandhaltung notwendig. Diese Massnahmen werden in der Schweiz seit 2004 in der SWKI-Richtlinie VA104-01 \u00abHygiene-Anforderungen an Raumlufttechnische Anlagen und Ger\u00e4te\u00bb umschrieben.<\/p>\n<p>Eine gross angelegte Untersuchung der Hochschule Luzern (Hygieneuntersuchung von 100 raumlufttechnischen Anlagen) hat gezeigt, dass mit der richtigen Dimensionierung und Platzierung der Aussenluftfassung (vgl. Bild 5.2.11), dem Einbau der vorgeschriebenen Filter in der Zuluft (mindestens Qualit\u00e4t ISO ePM1 50 %) und der notwendigen Sorgfalt bei der Installation der Anlage wesentliche Forderungen aus der Richtlinie erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen. Weiter sollen die L\u00fcftungsanlagen durch geschulte Fachpersonen in Betrieb genommen und instand gehalten werden. Dazu muss dem Zugang zu den Anlagen und Komponenten bereits bei der Planung gen\u00fcgend Aufmerksamkeit geschenkt werden. Nur Komponenten und Anlagen, die auch zug\u00e4nglich sind, k\u00f6nnen fachgerecht instand gehalten werden.<\/p>\n<div id=\"bild-hle-5-2-11\" class=\"img-hle\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/bautechnik-der-gebaeudehuelle\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2018\/08\/Kap05_3634-3_Bautechnik_Bild_5-2-11.png\" alt=\"Aussenluftfassung.\" \/><\/div>\n<div class=\"bildlegende-hle\">Bild 5.2.11:\u2002Aussenluftfassung.<\/div>\n<h3><\/h3>\n<p>Neben den regelm\u00e4ssigen Instandhaltungsarbeiten (z. B. mind. einmal j\u00e4hrlich Filterwechsel) sind L\u00fcftungsanlagen in Wohnbauten alle 8 bis 10 Jahre einer umfangreichen Inspektion zu unterziehen. Aufgrund dieser Inspektion kann dann entschieden werden, welche weiteren Massnahmen (z.B. Reinigung der Luftleitungen) notwendig sind.<\/p>\n<h3>Raumluftfeuchte in Wohn- und Schlafr\u00e4umen mit Wohnungsl\u00fcftungsanlagen<\/h3>\n<p>Immer wieder werden Stimmen laut, dass in mechanisch gel\u00fcfteten R\u00e4umen im Winter die Raumluftfeuchte auf Werte unter 25 % relative Feuchte sinke.<\/p>\n<p>Durch den kontinuierlichen Betrieb der L\u00fcftungsanlage wird, bei tiefen Aussentemperaturen, sehr trockene Luft in die R\u00e4ume gef\u00fchrt. Ist nun die Feuchtelast (z.B. Personen, Kochen usw.) in diesen R\u00e4umen sehr klein und der eingestellte Luftvolumenstrom eher hoch, f\u00fchrt dies tats\u00e4chlich zu einer trockenen Raumluft. Wenn dann, wie oft im Winter, die Raumlufttemperatur noch bei 23 \u00b0C oder sogar 24 \u00b0C liegt, kann sich an wenigen sehr kalten Tagen eine relative Raumluftfeuchte von &lt; 25 % einstellen. Dabei muss jedoch festgehalten werden, dass aus medizinischer Sicht relative Raumluftfeuchten unter 30 % f\u00fcr den Menschen kein gesundheitliches Problem darstellen.<\/p>\n<p>Mit den folgenden, kostenlosen Massnahmen kann die Situation verbessert werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Raumlufttemperatur auf max. 21 \u00b0C einstellen. Beispiel: Wird bei einem Raumluftzustand von 24 \u00b0C und 25 % relative Feuchte die Raumlufttemperatur auf 21\u00b0C reduziert, steigt die relative Feuchte auf &gt; 30 % an.<\/li>\n<li>Die L\u00fcftungsstufe der Anzahl der anwesenden Personen anpassen. Beispiel: Am Morgen gehen die Kinder in die Schule, ein oder beide Elternteile gehen zur Arbeit. Da sich jetzt nur noch wenige oder gar keine Personen mehr in der Wohnung aufhalten, kann die L\u00fcftungsanlage auf der tiefsten Betriebsstufe oder im\u00a0Intervallbetrieb gefahren werden. Mit dem tiefen Luftvolumenstrom kommt nur noch wenig trockene Aussenluft in die R\u00e4ume. Sobald sich \u00fcber Mittag oder\u00a0gegen Abend wieder Personen in der Wohnung aufhalten, kann die L\u00fcftungsanlage eine Stufe h\u00f6her gestellt werden (h\u00e4ndisch oder \u00fcber eine Zeitschaltuhr).<\/li>\n<li>Nach dem Duschen oder Baden die T\u00fcren zu diesen R\u00e4umen offen lassen. Die hohe Raumluftfeuchte verteilt sich in den restlichen R\u00e4umen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bevor Massnahmen mit Kostenfolge realisiert werden, soll die Raumluftfeuchte in verschiedenen R\u00e4umen und \u00fcber l\u00e4ngere Zeit gemessen und aufgezeichnet werden. Nicht immer stimmt das Gef\u00fchl mit der wirklichen Situation \u00fcberein. Folgende Massnahmen k\u00f6nnen zu h\u00f6herer Raumluftfeuchte f\u00fchren:<\/p>\n<ul>\n<li>Verwendung von L\u00fcftungsger\u00e4ten, die neben der W\u00e4rme auch Teile der Feuchte aus der Abluft an die Zuluft \u00fcbertragen k\u00f6nnen. Hier gilt es jedoch zu beachten, dass keine Feuchte zur\u00fcckgewonnen werden kann, wenn keine Feuchte entsteht.<\/li>\n<li>Mit dem Einbau einer nach dem CO<sub>2<\/sub>-Gehalt der Abluft geregelten L\u00fcftungsanlage wird der Luftvolumenstrom der tats\u00e4chlichen Belastung in den R\u00e4umen angepasst. Durch diese Regelstrategie reduziert sich der durchschnittliche Volumenstrom in der Wohnung und somit auch die Gefahr von zu tiefer Raumluftfeuchte. Wie bereits erw\u00e4hnt, darf bei dieser Betriebsart nicht vergessen werden, dass bei der Ben\u00fctzung von WC-, Dusch- oder Bader\u00e4umen die Anlage mit einem Lichtkontakt \u00fcbersteuert und f\u00fcr ein paar Minuten auf einer h\u00f6heren Betriebsstufe gefahren werden muss.<\/li>\n<li>Bauliche Massnahmen: Verwendung von feuchteausgleichenden Lehm- oder Kalkputzen.<\/li>\n<li>In den kurzen Zeiten mit zu trockener Raumluft kann ein mobiler Raumluftbefeuchter (Verdampfersysteme) eingesetzt werden. Diese m\u00fcssen unbedingt mit einem Hygrostaten ausger\u00fcstet sein. Damit kann die Raumluftfeuchte auf 35 bis max. 40% relative Feuchte beschr\u00e4nkt und die Betriebskosten (Strom) k\u00f6nnen tief gehalten werden.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5.2.1 Luftwechsel Neu gebaute oder sanierte Geb\u00e4ude sind in der Regel dermassen luftdicht, dass ohne eine systematische Lufterneuerung aus bauphysikalischer Sicht Probleme auftreten k\u00f6nnen. Architekten und Fachplaner m\u00fcssen daher f\u00fcr alle Geb\u00e4udekategorien in einer fr\u00fchen Planungsphase L\u00fcftungskonzepte entwickeln (Norm SIA180). Das L\u00fcftungskonzept und das Luftdichtheitskonzept m\u00fcssen aufeinander abgestimmt sein. 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