{"id":2971,"date":"2020-12-30T11:16:00","date_gmt":"2020-12-30T10:16:00","guid":{"rendered":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/?p=2971"},"modified":"2021-06-14T15:09:09","modified_gmt":"2021-06-14T13:09:09","slug":"5-7-vorgehen-bei-neubauten-und-bestehenden-gebaeuden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/5-7-vorgehen-bei-neubauten-und-bestehenden-gebaeuden\/","title":{"rendered":"5.7 Vorgehen bei Neubauten und \u00adbestehenden Geb\u00e4uden"},"content":{"rendered":"<p>Grunds\u00e4tzlich lassen sich zwei F\u00e4lle unterscheiden, die im Hinblick auf die anstehenden Aufgaben der Energieoptimierung unterschiedliche Auswirkungen haben:<\/p>\n<ul>\n<li class=\"liste_bullet_orange\">Neubau<\/li>\n<li class=\"liste_bullet_orange\">Bestehendes Geb\u00e4ude<\/li>\n<\/ul>\n<h3>5.7.1 Neubau<\/h3>\n<p>Ein eigentlich g\u00fcnstiger Fall ist der Neubau. Im Sinne des Energiemanagements l\u00e4sst sich dann von Beginn an ein Energiekonzept und korrespondierend dazu ein Messkonzept erstellen. Vielfach sind diese Konzepte auch vorgeschrieben oder im Rahmen einer Zertifizierung des Geb\u00e4udes vorgesehen.<\/p>\n<p>Die besondere Herausforderung ist die Absch\u00e4tzung des zuk\u00fcnftigen, durch die Geb\u00e4ude\u00adnutzung verursachten Energiebedarfs. In der Praxis treten dabei verschiedene Schwierigkeiten auf.<\/p>\n<p>Ist die Nutzung in etwa bekannt, kann ein erfahrener Planer absch\u00e4tzen, wie viel Energie etwa verbraucht werden wird. Zudem kann dann auch bestimmt werden, wo es Sinn macht, Daten f\u00fcr das Erfassen der energetischen Situation aufzunehmen und auszuwerten.<\/p>\n<p>In vielen F\u00e4llen ist es aber gar nicht bekannt, wer der sp\u00e4tere Nutzer bzw. wie die Nutzung des Geb\u00e4udes sein wird. In diesem Fall ist es entsprechend schwer m\u00f6glich, den Energiebedarf einigermassen genau vorherzusagen. Die Messkonzepte m\u00fcssen auf diesen Fall ausgerichtet sein. Es werden vorerst nur Messger\u00e4te vorgesehen, die sich auf die Erfassung mehrheitlich globaler Energiedaten von gr\u00f6sseren Einheiten eines Geb\u00e4udekomplexes oder eines Geb\u00e4udes beschr\u00e4nken. Eine Aufschl\u00fcsselung nach verschiedenen Etagen oder Bereichen ist in solchen F\u00e4llen erst nachtr\u00e4glich vorzunehmen. In der Regel ist dann auch der (finanzielle) Aufwand entsprechend hoch. Das Messkonzept muss es soweit wie m\u00f6glich erm\u00f6glichen, dort, wo es notwendig ist, eine Messstelle unterzubringen.<\/p>\n<p>Weiter ist die Konzentration aller Beteiligten in der Planungs- und Bauphase auf die eigentliche Geb\u00e4udeentstehung gerichtet. Das Messkonzept ist aber auf die sp\u00e4tere Nutzung ausgerichtet. Es wird deshalb oft nicht in der n\u00f6tigen Qualit\u00e4t erstellt.<\/p>\n<p>Ein anderes ernst zu nehmendes Problem in der Praxis ist die \u00dcbergabe von Informationen von der Baufertigstellung zur Inbetriebnahme. Das Konzept der Geb\u00e4udetechnik ist den Betreibern h\u00e4ufig nicht in der n\u00f6tigen Detaillierung bekannt. Dadurch werden die Anlagen in den wenigsten F\u00e4llen optimal betrieben. Neben der Phase, wo die Anlagen \u00abeingefahren\u00bb werden, gibt es eine l\u00e4ngere Phase, wo die Anlagen an den Geb\u00e4udebetrieb angepasst werden m\u00fcssen. Erst dann kann mit einem sinnvollen Energie\u00admanagement begonnen werden, bzw. diese Betriebsoptimierung ist eine der ersten und wichtigsten Phasen im Energiemanagement.<\/p>\n<p>Der Lebenszyklus eines Geb\u00e4udes wird anschaulich mit dem am Institut f\u00fcr Facility Mana\u00adgement entwickelten 4P-Modell dargestellt. Die verschiedenen Phasen im Lebenszyklus werden im Kontext der 4P \u00abPeople, Performance, Planet und Profit\u00bb betrachtet.<\/p>\n<p>Im Lebenszyklus eines Geb\u00e4udes dominiert die Nutzungs- und Betriebsphase (Abb. 27). Wird es in der Phase des Informations\u00fcbergangs von Planung und Errichtung zum Betrieb des Geb\u00e4udes vers\u00e4umt, die n\u00f6tigen Details an die Betreiber weiterzugeben, wird der Aufwand in der \u00adAnfangsphase, also nach der Inbetriebnahme des Geb\u00e4udes, oft unverh\u00e4ltnism\u00e4ssig gross.<\/p>\n<div><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2683 alignnone\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/abb_07_Life_cycle_DE.png\" alt=\"\" width=\"908\" height=\"871\" srcset=\"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/abb_07_Life_cycle_DE-200x192.png 200w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/abb_07_Life_cycle_DE-300x288.png 300w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/abb_07_Life_cycle_DE-400x384.png 400w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/abb_07_Life_cycle_DE-600x576.png 600w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/abb_07_Life_cycle_DE-768x737.png 768w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/abb_07_Life_cycle_DE-800x767.png 800w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/abb_07_Life_cycle_DE-1200x1151.png 1200w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/abb_07_Life_cycle_DE-1536x1473.png 1536w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/abb_07_Life_cycle_DE.png 1695w\" sizes=\"(max-width: 908px) 100vw, 908px\" \/><\/div>\n<p><span class=\"bildlegende-em\"><br \/>\nAbb. 27: 4P-Modell zum Lebenszyklus eines Geb\u00e4udes<\/span><br \/>\n<span class=\"quelle-em\">\u00dcbersetzt von: Ashworth S., 2012, Added Value of FM Know-how, Masterarbeit ZHAW, W\u00e4denswil<\/span><\/p>\n<p>Je besser diese \u00dcbergabe gelingt und je \u00adbesser der anschliessende Betrieb schon in der Konzeptions-, Planungs- und Errichtungsphase ber\u00fccksichtigt wurde, umso besser l\u00e4uft die \u00adInbetriebnahme und die Anpassung des Betriebs der Geb\u00e4udetechnik an die reale Ge\u00adb\u00e4ude\u00adnutzung. Das Energiemanagement kann dann verst\u00e4rkt auf den Nutzereinfluss ausgerichtet werden.<\/p>\n<p>Im Zentrum des 4P-Modells steht nicht zuf\u00e4llig das Facility Management. Dort liegt die Verantwortung f\u00fcr den optimalen Geb\u00e4udebetrieb. Das Modell zeigt auf, wo und wie ein Mehrwert im Geb\u00e4udelebenszyklus erreicht wird, wenn von Beginn an ein strategisch denkender, erfahrener Facility Manager miteinbezogen wird.<\/p>\n<p>Teil eines guten Konzepts ist in diesem Fall auch die Ausarbeitung eines Kommunikationskonzeptes f\u00fcr die Geb\u00e4udenutzer. Gelingt es den Nutzer \u00ababzuholen\u00bb, beeinflusst dies sein sp\u00e4teres Verhalten auf positive Weise. Viele Nutzer (Mitarbeiter eines Unternehmens im Geb\u00e4ude) bringen durchaus eine positive, im Sinne des effizienten Energieeinsatzes nutzbare Grundhaltung mit. Ein solches Konzept sollte die folgenden Punkte ber\u00fccksichtigen:<\/p>\n<ul>\n<li class=\"liste_bullet_orange\">Den Grundgedanken des Geb\u00e4udes (Was war die Idee?)<\/li>\n<li class=\"liste_bullet_orange\">Die Qualit\u00e4t des Geb\u00e4udes (Minergie P, DGNB-Zertifizierung nach SGNI)<\/li>\n<li class=\"liste_bullet_orange\">Die allgemeinen Informationen zu Gr\u00f6sse, Fl\u00e4che usw.<\/li>\n<li class=\"liste_bullet_orange\">Die intendierte Nutzung (Wie soll was \u00adgemacht werden?)<\/li>\n<li class=\"liste_bullet_orange\">Die Funktion der Geb\u00e4udetechnik<\/li>\n<li class=\"liste_bullet_orange\">Die verantwortlichen Stellen (Wo k\u00f6nnen M\u00e4ngel und Anregungen platziert \u00adwerden?)<\/li>\n<li class=\"liste_bullet_orange\">ggf. weitere Punkte<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer den Gedanken des Kommunikationskonzepts weiterf\u00fchrt, kommt automatisch zu der Forderung, dass f\u00fcr Geb\u00e4udenutzer eigen\u00adtlich eine Art \u00abF\u00fchrerschein\u00bb eingef\u00fchrt \u00adwerden sollte. Dies ist wohl \u00fcberzogen, aber dennoch w\u00e4re eine obligatorische Einf\u00fchrung in die Nutzung des Geb\u00e4udes sehr w\u00fcnschenswert. Bei \u00adeinem neuen Auto beispielsweise ist dies selbstverst\u00e4ndlich. Die genaue Vorgehensweise ist zwischen dem Planungsteam (zu dem selbst\u00adverst\u00e4ndlich der Facility Manager geh\u00f6rt) und dem Betreiber des Geb\u00e4udes abzustimmen.<\/p>\n<h3>5.7.2 Bestehendes Geb\u00e4ude<\/h3>\n<p>Viele f\u00fcr den Geb\u00e4udebetrieb relevante Parameter sind in genutzten Geb\u00e4uden nat\u00fcrlich schon gegeben. Dies betrifft die Fl\u00e4chen, die ein\u00adgesetzte Geb\u00e4udetechnik und die Nutzung.<\/p>\n<p>Nach einer vollst\u00e4ndigen Bestandsaufnahme der energetischen Situation des betrachteten Geb\u00e4udes ist zun\u00e4chst der Vergleich mit bekannten Vorgaben oder Benchmarks zu Verbrauchswerten zu ziehen. Als N\u00e4chstes wird die Funktionalit\u00e4t der existenten Geb\u00e4ude\u00adtechnik analysiert. Die mit einer Optimierung dieser technischen Einrichtungen m\u00f6glichen Verbesserungen werden untersucht, die Massnahmen soweit m\u00f6glich und sinnvoll realisiert.<\/p>\n<p>Ab diesem Zeitpunkt wird das Nutzerverhalten untersucht. H\u00e4ufig geht mit diesem Schritt auch ein grunds\u00e4tzliches Hinterfragen der normal gewordenen Abl\u00e4ufe und Prozesse einher. Die Kommunikation spielt hier eine entscheidende Rolle. Die erfolgreichsten Mass\u00adnahmen sind diejenigen, die Energie einsparen, aber keiner\u00adlei Einschr\u00e4nkungen oder Komfort\u00adeinbussen zu Folge haben. Da ja Geb\u00e4ude h\u00e4ufig geplant und gebaut werden, ohne dass die Nutzung oder der Nutzer vorher genau bekannt ist, ist es der Regelfall, dass sich eine Organisation bzw. ein Unternehmen an die Gegebenheiten eines Geb\u00e4udes anpassen muss. Dies ist ein l\u00e4ngerer Prozess, der einiges an Aufwand bedeutet. Wenn nun im Zuge der Einf\u00fchrung des Energiemanagements \u00abliebgewonnene\u00bb Verhaltens\u00adweisen hinterfragt bzw. unterbunden werden m\u00fcssen, ist Konfliktpotenzial vorhanden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grunds\u00e4tzlich lassen sich zwei F\u00e4lle unterscheiden, die im Hinblick auf die anstehenden Aufgaben der Energieoptimierung unterschiedliche Auswirkungen haben: Neubau Bestehendes Geb\u00e4ude 5.7.1 Neubau Ein eigentlich g\u00fcnstiger Fall ist der Neubau. Im Sinne des Energiemanagements l\u00e4sst sich dann von Beginn an ein Energiekonzept und korrespondierend dazu ein Messkonzept erstellen. 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