{"id":2975,"date":"2020-12-30T11:22:56","date_gmt":"2020-12-30T10:22:56","guid":{"rendered":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/?p=2975"},"modified":"2021-06-14T15:09:47","modified_gmt":"2021-06-14T13:09:47","slug":"6-1-versorgungssicherheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/6-1-versorgungssicherheit\/","title":{"rendered":"6.1 Versorgungssicherheit"},"content":{"rendered":"<p>Wie Eingangs im Kapitel 3.3.1 Zielsetzung erw\u00e4hnt, stellt die Gew\u00e4hrleistung der Ver\u00adsorgungssicherheit das wohl wichtigste Ziel des Energiemanagements dar. Die heutigen Geb\u00e4ude, Produktionsmittel und Arbeitshilfen k\u00f6nnen ohne sichere Energieversorgung nicht betrieben werden. Auch die Sicherheit von Personen und Sachwerten ist ohne sichere Energieversorgung oft nicht zu gew\u00e4hrleisten. Die Versorgungssicherheit steht deshalb in der Praxis meist an erster Stelle, entsprechende Massnahmen werden priorit\u00e4r behandelt.<\/p>\n<p>Die wichtigste Energieform ist elektrischer Strom. Der Ausfall der Stromversorgung hat die meisten und unmittelbarsten Folgen. Der Ausfall der Wasserversorgung ist ebenfalls sehr l\u00e4stig, meist aber nicht mit unmittelbaren Sch\u00e4den oder Gefahren verbunden. Der Ausfall der W\u00e4rmeversorgung hat weniger rasch Folgen, da die Geb\u00e4ude \u00fcber eine mehr oder weniger grosse W\u00e4rmespeicherf\u00e4higkeit verf\u00fcgen. Sobald aufgrund der Nutzung eine bestimmte Innentemperatur erforderlich ist (z. B. Labors, Spit\u00e4ler) oder wenn W\u00e4rme f\u00fcr Prozesse erforderlich ist, muss auch die W\u00e4rmeversorgung sicher und l\u00fcckenlos gew\u00e4hrleistet sein. Analoges gilt f\u00fcr die K\u00e4lteversorgung.<\/p>\n<p>Zur Erreichung einer den Anforderungen entsprechenden Versorgungssicherheit ist ein nachfolgend beschriebenes Vorgehen m\u00f6glich. Diese folgt der allgemeinen Methodik aus Kapitel 3.3.<\/p>\n<h3>6.1.1 Definition der Anforderungen<\/h3>\n<p>Zu Beginn m\u00fcssen die Anforderungen an die Versorgungssicherheit definiert werden. Dies kommt einer Zielsetzung gleich. Die Sicherheit der Energieversorgung soll nur so weit gew\u00e4hrleistet sein, wie dies von den Anforderungen her erforderlich ist. Eine unn\u00f6tig grosse Sicherheit verursacht unn\u00f6tige Kosten. Die Versorgungssicherheit muss zudem nach dem Energietr\u00e4ger und nach der ben\u00f6tigten Nutzenergie resp. entsprechend der Energieanwendung unterschieden werden. Ebenfalls spielen die Dauer eines Unterbruchs sowie die H\u00e4ufigkeit von Unterbr\u00fcchen eine Rolle.<\/p>\n<p>Zur Festlegung der Anforderung an die Versorgungssicherheit m\u00fcssen der m\u00f6gliche Schaden sowie die m\u00f6gliche Gef\u00e4hrdung von Menschen beim Ausfall der Energieversorgung bestimmt werden.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Stromversorgung:<\/h4>\n<p>Der Ausfall der Stromversorgung in einem B\u00fcrogeb\u00e4ude hat unmittelbare und oft grosse Folgen. Zu den Sch\u00e4den und Risiken bei Wohngeb\u00e4uden kommt hinzu, dass w\u00e4hrend des Stromausfalls kaum mehr gearbeitet werden kann. Nicht nur die Computer fallen aus, auch das fehlende Licht kann die Arbeit behindern. Wo keine Fenster zum \u00d6ffnen vorhanden sind, kann bei fehlender L\u00fcftung oder Klimatisierung die Innenluft nach einer bestimmten Zeit unertr\u00e4glich werden. Der gr\u00f6sste Schaden kann durch den Absturz der EDV-Systeme und den dadurch verursachten Datenverlust entstehen. Solche Sch\u00e4den k\u00f6nnen schon bei k\u00fcrzesten Spannungsabf\u00e4llen auftreten, welche sonst kaum wahrgenommen werden. Die heutigen Kommunikationssysteme k\u00f6nnen bei Stromausfall nicht mehr oder nur teilweise genutzt werden. Eine Gef\u00e4hrdung der Personen kann entstehen, falls das Geb\u00e4ude ohne Licht nicht mehr gefahrlos verlassen werden kann. Deswegen ist eine netzunabh\u00e4ngige Sicherheits- resp. Notbeleuchtung der Fluchtwege erforderlich. Wo in einem B\u00fcrobau auch Server vorhanden sind, kann bei fehlender K\u00fchlung ein Schaden an diesen Systemen entstehen.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Stromausfall bei weiteren Geb\u00e4udetypen:<\/h4>\n<p>Ein Stromausfall in einem Spital kann unmittelbar Leben gef\u00e4hrden, insbesondere im Opera-tionssaal oder auf der Intensivstation. Dort sind die Anforderungen an die Stromversorgung sehr hoch, ein Stromausfall muss verhindert werden.<\/p>\n<p>Ebenfalls sehr hohe Anforderungen an die Stromversorgung bestehen bei Rechenzentren oder bei Produktionsbetrieben mit gef\u00e4hrlichen Prozessen (z. B. chem. Industrie). In beiden F\u00e4llen kann selbst bei einem nur kurzzeitigen Stromunterbruch grosser Schaden oder gar eine Gefahr f\u00fcr Mensch und Umwelt entstehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr jedes Geb\u00e4ude muss deswegen eine Analyse m\u00f6glicher Sch\u00e4den und Risiken erfolgen. Aus dieser Analyse der Folgen eines Stromausfalles k\u00f6nnen die Anforderungen an die Versorgungssicherheit formuliert werden. Es wird festgelegt, ab welcher Zeitdauer ein Stromausfall Sch\u00e4den anrichten kann oder Risiken verursacht. Daraus kann abgeleitet werden, ob resp. wie oft, f\u00fcr wie lange und unter welchen Bedingungen ein Stromausfall toleriert werden kann.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">W\u00e4rmeversorgung:<\/h4>\n<p>Der Ausfall der W\u00e4rmeversorgung hat oft beim Warmwasser den am raschesten sp\u00fcrbaren Effekt. Ein Ausfall der Warmwasserversorgung am Morgen stellt bei heutigen Hygieneanspr\u00fcchen eine starke Komforteinbusse dar. Je nach Geb\u00e4udenutzung (z. B. Hotel, Heim, Spital) k\u00f6nnen grosse Probleme entstehen.<\/p>\n<p>Die Raumheizung kann in vielen Geb\u00e4uden einige Stunden ausfallen, ohne dass Probleme entstehen. In einer Schule, einem B\u00fcrobau oder in einem Wohngeb\u00e4ude stellt selbst ein Ausfall der Heizung von einem Tag noch kein allzu gros-ses Problem dar. Nach einiger Zeit wird aber die Innentemperatur ungem\u00fctlich. Der Ausfall der W\u00e4rmeversorgung ist umso rascher sp\u00fcrbar, je schlechter das Geb\u00e4ude ged\u00e4mmt ist und umso tiefer die Aussentemperatur ist. Gut ged\u00e4mmte, massiv gebaute neue Geb\u00e4ude haben eine W\u00e4rmespeicherf\u00e4higkeit von zwei bis drei Tagen. Erst danach wird die Innentemperatur unangenehm tief.<\/p>\n<p>Sofort sp\u00fcrbar ist der Ausfall der W\u00e4rmeversorgung bei Zuluftanlagen, insbesondere wo keine gute W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung vorhanden ist. Die erforderliche Zulufttemperatur kann nicht mehr erreicht werden und es besteht bei tiefen Aussentemperaturen Frostgefahr f\u00fcr die Heizregister. Die L\u00fcftungsanlagen m\u00fcssen ohne W\u00e4rmeversorgung ausgeschaltet werden, ausser sie verf\u00fcgen \u00fcber eine sehr gute W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung (WRG). In einem Krankenhaus oder in einem Pflegeheim kann eine zu tiefe Raumtemperatur die Gesundheit der Bewohner beeintr\u00e4chtigen. Dazu kommt, dass die Patienten oder Bewohner nicht einfach evakuiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In einem Hotel k\u00f6nnen bei zu tiefen Raumtemperaturen finanzielle Einbussen entstehen, weil den G\u00e4sten ein Preisnachlass gew\u00e4hrleistetet werden muss.<\/p>\n<p>Falls Prozesse mit W\u00e4rme versorgt werden (Kochen mit Dampf, Sterilisation, Produktionsprozesse etc.), dann muss die Sicherheit der W\u00e4rmeversorgung den Anforderungen dieser Prozesse angepasst sein. Diese sind oft sehr hoch.<\/p>\n<p>Aus solchen Analysen der Auswirkungen kann auch hier abgeleitet werden, wie lange eine bestimmte W\u00e4rmeversorgung maximal ausfallen und wie oft dies vorkommen darf.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Wasserversorgung:<\/h4>\n<p>Der Ausfall der Trinkwasserversorgung ist in allen Geb\u00e4uden sehr unangenehm. Es kann nicht mehr gekocht, gewaschen oder geduscht werden. In den WCs entstehen rasch sehr unhygienische Zust\u00e4nde. Auch hier sind die Anforderungen in Spit\u00e4lern und in Produktionsbetrieben, welche Wasser als Produktionshilfsmittel ben\u00f6tigen, am h\u00f6chsten.<\/p>\n<p>Es kann auch vorkommen, dass zwar weiterhin Wasser aus dem Wasserhahn fliesst, dieses aber nicht mehr Trinkwasserqualit\u00e4t hat. Kochen und pers\u00f6nliche Hygiene sind dann nicht oder nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich, zum Trinken muss Wasser aus Flaschen konsumiert werden. Solche Probleme k\u00f6nnen bei Starkregen entstehen oder infolge landwirtschaftlicher Aktivit\u00e4ten, oder bei St\u00f6rungen in den Wasseraufbereitungsanlagen.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Abwasserentsorgung:<\/h4>\n<p>Der Ausfall der Abwasserentsorgung kann dort, wo das Abwasser gepumpt werden muss, eine \u00dcberschwemmung mit grossem Sachschaden zur Folge haben. Dasselbe gilt bei Verstopfungen der Abwasser- und Kanalisationsleitungen. Die Geb\u00e4udenutzung ist nur noch eingeschr\u00e4nkt oder gar nicht m\u00f6glich. Es entstehen rasch unhygienische Verh\u00e4ltnisse. Die Abwasserentsorgung kann auch bei \u00dcberschwemmungen oder bei Starkregen nicht mehr funktionieren. Auch hier braucht es eine Analyse m\u00f6glicher Sch\u00e4den und Gef\u00e4hrdungen.<\/p>\n<p>Je nachdem m\u00fcssen auch bei der Abwasserentsorgung Vorgaben \u00fcber die maximale Ausfallsdauer und -h\u00e4ufigkeit gemacht werden.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Kommunikation:<\/h4>\n<p>Der Ausfall der Kommunikationsverbindungen in Wohngeb\u00e4uden ist unangenehm. In Gesch\u00e4ftsliegenschaften dagegen wird die Arbeit sp\u00fcrbar behindert, bei vernetzten Arbeitspl\u00e4tzen ganz verunm\u00f6glicht. Zumindest in solchen F\u00e4llen muss auch die Verf\u00fcgbarkeit der Kommunikations-einrichtungen und der Datenverbindungen<br \/>\ndefiniert werden.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">K\u00e4lteversorgung:<\/h4>\n<p>In \u00fcblichen Geb\u00e4uden ist die K\u00e4lteversorgung an die Stromversorgung gebunden. Zudem m\u00fcssen die K\u00e4ltemaschinen, die K\u00e4lteverteilung und die R\u00fcckk\u00fchlung funktionieren. Bei grossen Geb\u00e4udekomplexen, wo See- oder Grundwasser vorhanden ist, oder teilweise im Ausland wird eventuell Fernk\u00e4lte geliefert. Die Folgen eines Ausfalls der K\u00e4lteversorgung sind bei Klimaanlagen, die dem Komfort dienen, hinnehmbar.<\/p>\n<p>Die K\u00e4lteversorgung eines Rechenzentrums hingegen muss l\u00fcckenlos funktionieren, ansonsten drohen grosse Sch\u00e4den. Dasselbe gilt f\u00fcr Prozessk\u00e4lte und gewerbliche K\u00e4lte.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Fazit:<\/h4>\n<p>All diese Beispiele sollen zeigen, dass Energieversorgung, Medienversorgung und Entsorgung in die \u00dcberlegungen miteinbezogen werden m\u00fcssen, will man ein l\u00fcckenloses Bild der m\u00f6glichen Folgen eines Versorgungsausfalles erhalten. F\u00fcr alle Formen der Ver- und Entsorgung k\u00f6nnen dann die Anforderungen definiert werden.<\/p>\n<h3>6.1.2 Analyse der Energieversorgung<\/h3>\n<p>Die Analyse der Versorgungssituation der einzelnen Energie- resp. Medienformen am konkreten Ort entspricht dem Erfassen der aktuellen Situation. Alle Ver- und Entsorgungen resp. alle Energie- und Medienarten m\u00fcssen untersucht werden. Die bestehenden Risiken bei der Versorgung m\u00fcssen erfasst werden. Daraus ergeben sich Aussagen, welche Versorgungsunterbr\u00fcche oder -engp\u00e4sse wie oft entstehen k\u00f6nnten. Die m\u00f6glichen Risiken werden transparent.<\/p>\n<p>In der Schweiz ist die Versorgung mit Energie bis heute sehr gut. Auch in der Schweiz sind aber Versorgungsunterbr\u00fcche m\u00f6glich. Die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sind sogar oft so gut, dass sich kaum jemand dar\u00fcber Gedanken macht. Dasselbe gilt f\u00fcr die Verf\u00fcgbarkeit der Kommunikationsmittel.<\/p>\n<p>Im Ausland stellt sich die Situation oft ganz anders dar. Es sind besondere Untersuchungen je nach Ort erforderlich. Die G\u00fcte der Energie- und Medienversorgung kann ein wichtiger Aspekt der Standortwahl f\u00fcr ein Betrieb oder Geb\u00e4ude sein.<\/p>\n<p>Im Folgenden sind einige typische Gr\u00fcnde f\u00fcr Unterbr\u00fcche pro Endenergietr\u00e4ger resp. Medium aufgelistet.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Stromversorgung:<\/h4>\n<p>Die Stromversorgung ist an allen Orten sehr hoch, wo f\u00fcr die Einspeisung in die Unterwerke eine Ringversorgung besteht resp. wo ab mindestens zwei unabh\u00e4ngigen Hochspannungsleitungen eingespiesen werden kann. Positiv wirkt sich auch die Verteilung zu den Kunden mit unterirdischen Leitungen aus.<\/p>\n<p>Bei oberirdischen Leitungen k\u00f6nnen Blitzeinschl\u00e4ge und atmosph\u00e4risch bedingte \u00dcberspannungen bei Gewittern h\u00e4ufige kurzzeitige Stromunterbr\u00fcche zur Folge haben. Die Gefahr, dass St\u00fcrme die oberirdischen Leitungen besch\u00e4digen, ist ebenfalls gr\u00f6sser, sodass dort auch mit seltenen, dann aber l\u00e4ngeren Unterbr\u00fcchen zu rechnen ist. Solche Verh\u00e4ltnisse herrschen in der Schweiz vor allem in l\u00e4ndlichen Gebieten.<\/p>\n<p>\u00dcberall k\u00f6nnen St\u00f6rungen entstehen, wenn die Trafostation ausf\u00e4llt, welche die Mittel- in Niederspannung umspannt.<\/p>\n<p>Eine Einspeisung ab zwei Unterwerken f\u00fchrt zu einer deutlichen Erh\u00f6hung der Versorgungssicherheit. Dies kommt f\u00fcr sehr grosse Geb\u00e4ude oder Betriebe infrage.<\/p>\n<p>Die Versorgungssicherheit der Stromversorgung kann beim Elektrizit\u00e4ts-Versorgungs-Unternehmen (EVU, in der Schweiz Elektrizit\u00e4tswerk EW) erfragt werden. Zudem erstellt die Eidgen\u00f6ssische Elektrizit\u00e4tskommission ElCom j\u00e4hrlich einen Bericht \u00fcber die Versorgungssicherheit mit Strom in der Schweiz. <span class=\"tooltips \" style=\"\" title=\"Siehe https:\/\/www.elcom.admin.ch\/elcom\/de\/home\/themen\/versorgungssicherheit.html\"><sup><span style=\"color: #ff6600;\">28<\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p>Im liberalisierten Strommarkt sollte die gew\u00fcnschte Versorgungssicherheit vertraglich vereinbart werden k\u00f6nnen. Die angebotene Versorgungssicherheit kann dann ein wesentliches Kriterium f\u00fcr die Wahl des Energielieferanten sein. Die Liberalisierung kann auch einen Einfluss auf die Versorgungssicherheit haben. Fr\u00fcher hatten die EVUs nicht nur den Versorgungsauftrag, sondern auch ein Gebietsmonopol. Damit konnten sie den Versorgungsauftrag sehr gut erf\u00fcllen, da sie die Kosten daf\u00fcr einfach den Konsumenten \u00fcberw\u00e4lzen konnten. Mit der Marktliberalisierung besteht zwar immer noch eine gesetzliche Pflicht, die Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten. Trotzdem k\u00f6nnte die Versorgungssicherheit leiden. Die EVUs stehen infolge Liberalisierung im Preiskampf zueinander und m\u00fcssen deshalb die Kosten optimieren.<\/p>\n<p>Ob das Beispiel Kalifornien zeigt, dass damit die Neigung der EVUs leidet, in neue Kraftwerke und eine gen\u00fcgende Versorgungssicherheit zu investieren, sei dahingestellt. Im Sommer, wenn alle Kalifornier ihre Klimaanlagen laufen lassen, kam es 2001 und in einer Hitzewelle 2020 zu l\u00e4ngeren sektoriellen Abschaltungen, da die Netzverf\u00fcgbarkeit nicht mehr vollst\u00e4ndig gew\u00e4hrleistet werden konnte. Die Versorgungssicherheit in Kalifornien ist auch durch viele oberirdische Leitungen beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n<p>In Europa ist die Stromversorgung bisher gut gesichert und auch Prognosen bis ins Jahr 2025 sehen keine wesentlichen Engp\u00e4sse voraus. Die Covid-Pandemie im Jahr 2020 hat einen d\u00e4mpfenden Einfluss auf die Stromnachfrage in Europa. Es werden viele regenerative Stromerzeuger (Wind und Solar) zugebaut, sowie Gaskraftwerke. Umgekehrt werden insbesondere Braunkohlekraftwerke und einzelne Kernkraftwerke stillgelegt.<\/p>\n<p>Prognosen aus den Jahren 2000 bis 2010, welche eine Stromversorgungsl\u00fccke in der Schweiz ab dem Jahr 2020 voraussagten, trafen nicht zu. Infolge abnehmenden Strombedarfs sind auch die Prognosen f\u00fcr die Schweiz heute optimistisch, bis etwa 2030 sollte nicht mit Engp\u00e4ssen zu rechnen sein.<\/p>\n<p>Seit etwa 2010 wird auf europ\u00e4ischer Ebene mehr Strom angeboten und weniger nachgefragt als prognostiziert. Dies ist auch eine Folge des starken Ausbaus der regenerativen Stromerzeugung. Die Folge sind tiefe Preise auf der Grosshandelsebene f\u00fcr elektrischen Strom.<\/p>\n<p>Gratis ist eine gleichbleibend hohe Versorgungssicherheit aber nicht zu haben. Es sind laufende Investitionen in den Erhalt und den Ausbau der entsprechenden Infrastruktur erforderlich. Insbesondere sind Ausbauten auf der Netzebene n\u00f6tig, um mit dem zunehmenden und schwankenden Angebot an erneuerbarer Energie umgehen zu k\u00f6nnen, aber auch um europaweit Strom \u00fcber grosse Distanzen \u00fcbertragen zu k\u00f6nnen. Nur so k\u00f6nnen gebietsweite Strommangellagen und an anderen Orten Strom\u00fcbersch\u00fcsse, die abgeregelt werden m\u00fcssten, verhindert werden. Da die neue erneuerbare Stromproduktion mit Fotovoltaik und Wind inzwischen sehr g\u00fcnstig geworden ist und auch Batterien immer billiger werden, werden allen Voraussagen nach die Strompreise aber nicht oder sicher nicht wesentlich steigen.<\/p>\n<p>Die Sicherheit der Stromversorgung ist nicht nur vom Stromlieferanten abh\u00e4ngig, sondern auch von den eigenen Installationen. Die eigene Trafostation, die Hauptverteilung sowie die interne Stromverteilung k\u00f6nnen fehleranf\u00e4llig sein und einen vollst\u00e4ndigen oder teilweisen Stromversorgungsunterbruch im Geb\u00e4ude zur Folge haben.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Heiz\u00f6lversorgung:<\/h4>\n<p>Das Heiz\u00f6l als lagerbarer Energietr\u00e4ger ist ein sehr sicherer Energietr\u00e4ger. Bis heute hat die Versorgung seit Ende des Zweiten Weltkriegs immer l\u00fcckenlos funktioniert und es trat nie ein wirklicher Versorgungsengpass auf. Die Schweiz unterh\u00e4lt zudem Pflichtlagerbest\u00e4nde, welche den durchschnittlichem Verbrauch auf Grosshandelsstufe f\u00fcr etwa 4,5 Monate abdecken. Dazu kommen die Reserven bei den Endkunden.<\/p>\n<p>Weltweit betrachtet werden die neuen Techniken der Erd\u00f6lf\u00f6rderung (Fracting), welche zus\u00e4tzliche Erd\u00f6lquellen erschliessen k\u00f6nnen, um die Erd\u00f6lversorgung f\u00fcr die kommenden Jahrzehnte sicherzustellen. Die Versorgung mit Heiz\u00f6l als Erd\u00f6lprodukt h\u00e4ngt auch von der ausreichenden Verf\u00fcgbarkeit der Raffineriekapazit\u00e4ten ab. Die Schweiz verf\u00fcgt \u00fcber eine Raffinerie (Cressier), welche etwa einen Viertel des inl\u00e4ndischen Bedarfs an Erd\u00f6lprodukten erzeugt. Bisher stehen im Ausland gen\u00fcgend Raffineriekapazit\u00e4ten zur Verf\u00fcgung, eine Verknappung des Angebotes ist nicht zu erwarten.<\/p>\n<p>Die \u00f6rtliche, kurzfristige Versorgung mit Erd\u00f6lprodukten k\u00f6nnte durch unterbrochene Verkehrswege (z. B. in Alpent\u00e4lern) sowie durch politische Aktionen (z. B. Blockaden) gest\u00f6rt werden. Unter Umst\u00e4nden k\u00f6nnte so eine kurze \u00f6rtliche Versorgungsl\u00fccke auftreten. Diese kann leicht durch eigene Vorratshaltung kompensiert werden, indem gen\u00fcgend fr\u00fch neues Heiz\u00f6l bestellt wird. Heiz\u00f6l sollte aber auch nicht zu lange gelagert werden, da mit der Zeit (ab ca. 3 Jahren) ein Qualit\u00e4tsverlust eintritt, was zu Brennerst\u00f6rungen f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Eine weitere m\u00f6gliche St\u00f6rungsursache kann der \u00d6ltank sein (z. B. ein Leck) oder die \u00d6lversorgungsleitung zum Brenner. Beides ist selten.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Gasversorgung:<\/h4>\n<p>Das Erdgas ist ein leitungsgebundener Energietr\u00e4ger. Die Schweiz ist zu 100% auf Importe angewiesen. Trotzdem ist seit 1973, als erstmals Erdgas genutzt wurde, die Versorgungssicherheit sehr hoch. Auf europ\u00e4ischer Ebene sind verschiedene Erdgasquellen erschlossen, sodass momentan eine hohe Versorgungssicherheit besteht. Dies d\u00fcrfte bei gleichbleibendem Bedarf bis auf Weiteres so bleiben. Jedoch nimmt die Abh\u00e4ngigkeit von Russland zu, und es besteht das Risiko, dass Russland die Gaslieferungen drosselt oder aussetzt. Dies ist bereits zweimal geschehen, als Spannungen zwischen Russland und der Ukraine eskalierten. Derzeit wird zwischen Russland und Deutschland eine zus\u00e4tzliche Leitung durch die Ostsee gebaut, welche ab ca. 2022 eine Kapazit\u00e4tserweiterung f\u00fcr Gasimporte aus Russland bieten wird.<\/p>\n<p>Auch sehr kalte Perioden im Winter k\u00f6nnten bei der Gasversorgung zu gewissen Engp\u00e4ssen f\u00fchren, was bisher aber nicht auftrat. Auch beim Erdgas ver\u00e4ndern neue F\u00f6rdertechniken die weltweit verf\u00fcgbaren Reserven. Die USA werden sich \u00fcber mehrere Jahrzehnte wieder mit gen\u00fcgend Erdgas selbst versorgen k\u00f6nnen. Auch in West- und Osteuropa sind Bestrebungen im Gange, nach neuen Erdgaslagern zu suchen. Falls keine gr\u00f6sseren politischen Verwerfungen auftreten, ist kurz- und mittelfristig keine Erdgasknappheit zu bef\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Als leitungsgebundener Energietr\u00e4ger ist Erdgas nicht ohne Weiteres lagerbar. In Deutschland bestehen gr\u00f6ssere Erdgaslager in unterirdischen Kavernen. Die Schweiz verf\u00fcgt bisher \u00fcber keine wesentlichen Lagerm\u00f6glichkeiten, Kurzzeitlager ausgenommen.<\/p>\n<p>\u00d6rtlich und tempor\u00e4r k\u00f6nnen Versorgungsl\u00fccken entstehen, wenn ein Schaden an einer Versorgungsleitung auftritt. Da alle Erdgasleitungen unterirdisch verlegt und zudem meist noch eher neu sind, sind solche F\u00e4lle bisher selten. Am ehesten entstehen Sch\u00e4den an Erdgasleitungen bei Tiefbauarbeiten.<\/p>\n<p>Auch die Gasinstallationen im Haus, beim Endkunden, k\u00f6nnen eine St\u00f6rung verursachen. In der Schweiz m\u00fcssen Gasinstallationen durch konzessionierte Installateure erstellt werden, was eine hohe Qualit\u00e4t bewirkt und auch Unf\u00e4llen vorbeugt.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Feste Brennstoffe:<\/h4>\n<p>Feste Brennstoffe sind in der Schweiz vor allem Holz, da kaum mehr Kohle genutzt wird. In der Schweiz k\u00f6nnte Sch\u00e4tzungen zufolge etwa 40% mehr Holz f\u00fcr energetische Zwecke genutzt werden als bisher. Damit steht bisher ausreichend Holz zur Verf\u00fcgung. Die Lagerung von Holz, insbesondere in gr\u00f6sseren Mengen, ist verglichen mit der \u00d6llagerung teuer. Deshalb werden bei gr\u00f6sseren Holzschnitzelheizungen nur Silos f\u00fcr etwa 2 bis max. 4 Wochen Bedarf gebaut. In solchen F\u00e4llen muss genau abgekl\u00e4rt werden, wie gut und sicher die \u00f6rtliche Versorgung mit Holzschnitzeln ist, ausser es sei noch ein zweiter Energietr\u00e4ger nutzbar.<\/p>\n<p>Neben Holzschnitzeln werden mehr und mehr Holzpellets genutzt, insbesondere bei kleineren W\u00e4rmeerzeugern. Diese werden in der Schweiz hergestellt, k\u00f6nnen aber auch importiert werden. Derzeit ist keine Verknappung erkennbar. Beim Endverbraucher k\u00f6nnen Pellets f\u00fcr mehrere Monate, eventuell f\u00fcr eine ganze Heizperiode gelagert werden.<\/p>\n<p>Die Verwendung von St\u00fcckholz ist leicht r\u00fcckl\u00e4ufig und kann lokal meist ausreichend abgedeckt werden.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Wasserversorgung:<\/h4>\n<p>In der Schweiz ist die Trinkwasserversorgung so gut, dass sich kaum je Versorgungsunterbr\u00fcche ergeben. Eine schweizweite Trinkwasserverknappung ist trotz Klimaerw\u00e4rmung nicht abzusehen. \u00d6rtlich k\u00f6nnen in trockenen Jahren jedoch Mangellagen entstehen.<\/p>\n<p>Dagegen stellt sich dieses Problem in s\u00fcdlichen L\u00e4ndern und der Dritten Welt fast t\u00e4glich. Die Wasserversorgung wird weltweit ein zunehmendes Problem.<\/p>\n<p>Unterbr\u00fcche k\u00f6nnen sich kurzzeitig und \u00f6rtlich bei Leitungsbr\u00fcchen ergeben. Die Leitungen sind inzwischen oft alt und der Leitungsersatz teuer. Wie bei Gas k\u00f6nnen auch Bauarbeiten Unterbr\u00fcche hervorrufen.<\/p>\n<p>In den Geb\u00e4uden f\u00fchren die Installationen f\u00fcr die Wasserverteilung nur selten zu Problemen. Sanit\u00e4rinstallationen d\u00fcrfen nur durch konzessionierte Installateure ausgef\u00fchrt werden, was St\u00f6rungen vorbeugt.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Abwasserentsorgung:<\/h4>\n<p>Auch hier bestehen in der Schweiz von der \u00f6ffentlichen Kanalisation her kaum Probleme. Hingegen k\u00f6nnte im Haus eine Abwasserpumpe ausfallen. Ebenso k\u00f6nnen Kanalisationsrohre verstopfen und brauchen deswegen einen regelm\u00e4ssigen Unterhalt.<\/p>\n<p>Bei einer \u00dcberschwemmung der Magadinoebene wurde auch die Kanalisation \u00fcberschwemmt und funktionsunt\u00fcchtig, sodass einzelne Geb\u00e4ude deswegen unbenutzbar wurden.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Kommunikationsversorgung:<\/h4>\n<p>Heute ist die Kommunikationsversorgung \u00fcberall in der Schweiz sehr gut. Die weitgehende Liberalisierung erh\u00f6ht die Versorgungsqualit\u00e4t eher, da heute mehr Kommunikationskan\u00e4le bestehen (Telefon, Mobiltelefon, Datennetze und Internet). Dazu kommt, dass die meisten Leitungen inzwischen unterirdisch verlegt sind, was sie unempfindlicher gegen Besch\u00e4digungen und St\u00f6rungen macht. Der Trend zu einer B\u00fcndelung dieser Kommunikationstechniken, insbesondere Voice over IP (Telefonie via Internet), f\u00fchrt zu tendenziell wieder mehr Risiken. In Zukunft wird der technologische Wandel jeweils neue Beurteilungen erfordern.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">W\u00e4rmeversorgung:<\/h4>\n<p>Wo ein Anschluss an ein Nah- oder Fernw\u00e4rmenetz besteht, ist die Versorgungssicherheit von diesem Netz abh\u00e4ngig. Die Erzeugung der Nah- oder Fernw\u00e4rme ist meist redundant und somit sicher. Auch die Leitungen sind im Allgemeinen sehr sicher. Die W\u00e4rmeversorgung ab Fernw\u00e4rme ist deshalb gew\u00e4hrleistet und eine zus\u00e4tzliche W\u00e4rmeerzeugung beim Abnehmer kaum je erforderlich.<\/p>\n<p>Die Installationen beim Kunden (W\u00e4rmetauscher, Pumpen, Steuerung etc.) m\u00fcssen ebenfalls den gew\u00fcnschten Sicherheitsstandard aufweisen.<\/p>\n<p>Bei eigener W\u00e4rmeerzeugung muss die Sicherheit der W\u00e4rmeerzeuger intern gew\u00e4hrleistet und gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<h3>6.1.3 Bilden von Kennzahlen und Statistiken<\/h3>\n<p>Bei der Versorgungssicherheit ist die Bildung von eigenen Kennzahlen eher schwierig. Dennoch kann die quantitative Kenntnis der Versorgungsicherheit von Bedeutung sein. Damit kann die Wahl eines Energietr\u00e4gers und der Versorgungsunternehmung mitbeeinflusst werden. Ebenso sind qualitative Kenntnisse und quantitative Zahlenwerte \u00fcber die bestehende Versorgungssicherheit wichtig, um die Wirtschaftlichkeit von Massnahmen zur Erh\u00f6hung der Versorgungssicherheit absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Kennzahlen:<\/h4>\n<p>Bei der Versorgungssicherheit mit Nutzenergie ist die wichtigste Kennzahl die durchschnittliche Verf\u00fcgbarkeit. Es wird angegeben, zu wie viel Prozent der Zeit die Versorgung sichergestellt ist (z. B. 99,995 %, wenn j\u00e4hrlich w\u00e4hrend 30 Minuten ein Unterbruch zu erwarten ist). Die Verf\u00fcgbarkeit sagt jedoch nichts aus \u00fcber die Anzahl der Unterbr\u00fcche und deren L\u00e4nge.<\/p>\n<p>Dazu ist eine zweite Kennzahl erforderlich. Die \u00abmean time between failure\u00bb sagt aus, alle wieviel Stunden (oder Tage, Wochen, Jahre) ein Unterbruch resp. eine St\u00f6rung zu erwarten oder tolerierbar ist. Alternativ kann die Anzahl der Unterbr\u00fcche definiert werden, z. B. w\u00e4hrend eines Jahres.<\/p>\n<p>Die beiden letzten Kennzahlen sagen etwas \u00fcber die Anzahl der Unterbr\u00fcche aus. Zusammen mit der Verf\u00fcgbarkeit (resp. der Dauer der Unterbr\u00fcche insgesamt) kann die durchschnittliche Dauer der einzelnen Unterbr\u00fcche ermittelt werden. Immer sind zwei Kennzahlen notwendig, um die Versorgungssicherheit vollst\u00e4ndig beschreiben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Insbesondere bei der Verf\u00fcgbarkeit von Anlagen kann auch die Kennzahl \u00abmean time to repair\u00bb wichtig ein. Diese Zeit gibt an, wie lange eine Reparatur im Mittel dauert oder dauern darf. Alle diese Kennzahlen sind statistische Werte, welche der Zuf\u00e4lligkeit unterliegen. Deshalb muss mit gr\u00f6sseren Abweichungen gerechnet werden.<\/p>\n<p>Diese Kennzahlen k\u00f6nnen entweder verwendet werden, um den bestehenden Zustand zu beschreiben \u2013 hier muss auf Daten aus der Vergangenheit zur\u00fcckgegriffen werden. Oder es werden Anforderungen definiert, die in Zukunft eingehalten werden m\u00fcssen. Um einigermassen sichere und objektive Grundlagen f\u00fcr Entscheidungen zu haben, sollten eigene Statistiken und Aufzeichnungen gef\u00fchrt werden. Mit heutigen Geb\u00e4udeautomationssystemen ist dies relativ einfach m\u00f6glich.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Stromversorgung:<\/h4>\n<p>In der Schweiz erhebt die Elcom j\u00e4hrlich die Versorgungssicherheit mit Strom und publiziert entsprechende Berichte zur Netzverf\u00fcgbarkeit. Auch hier werden zwei Werte erhoben. Der SAIDI-Wert (System Average Interruption Duration Index) gibt die mittlere Dauer der Nichtverf\u00fcgbarkeit des Netzes beim Verbraucher an (Abb. 28). Dabei wird zwischen geplanten und ungeplanten Unterbrechungen unterschieden. Demzufolge muss jeder Verbraucher im Mittel mit knapp 10 Minuten ungeplantem und etwa 10 Minuten geplantem Unterbruch pro Jahr rechnen. Der geplante Unterbruch ist insbesondere durch Netzausbauten oder Instandhaltungs- und Erhaltungsmassnahmen bedingt. Der SAIDI-Wert ist tendenziell leicht sinkend und europaweit einer der tiefsten.<\/p>\n<div><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-2655 alignnone\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_10-Unterbrechungsdauer.png\" alt=\"\" width=\"1225\" height=\"993\" srcset=\"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_10-Unterbrechungsdauer-177x142.png 177w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_10-Unterbrechungsdauer-200x162.png 200w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_10-Unterbrechungsdauer-300x243.png 300w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_10-Unterbrechungsdauer-400x324.png 400w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_10-Unterbrechungsdauer-600x486.png 600w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_10-Unterbrechungsdauer-768x623.png 768w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_10-Unterbrechungsdauer-800x648.png 800w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_10-Unterbrechungsdauer-1200x973.png 1200w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_10-Unterbrechungsdauer-1536x1245.png 1536w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_10-Unterbrechungsdauer.png 1695w\" sizes=\"(max-width: 1225px) 100vw, 1225px\" \/><\/div>\n<p><span class=\"bildlegende-em\">Abb. 28: Entwicklung der durchschnittlichen Unterbrechungsdauer pro Endverbraucher<\/span><br \/>\n<span class=\"quelle-em\">(Quelle: ElCom &#8211; Stromversorgungsqualit\u00e4t 2019-1)<\/span><\/p>\n<p>Daneben wird der SAIFI-Wert (System Average Interruption Frequency Index) erhoben (Abb. 29). Dieser Wert bezeichnet die mittlere Anzahl Unterbrechungen beim Verbraucher pro Jahr. Es wird wiederum in geplante und ungeplante Unterbrechungen unterschieden. Auch hier belegt die Schweiz einen Spitzenplatz in Europa, mit etwa einer Unterbrechung alle drei Jahre.<\/p>\n<div><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2657 alignnone\" src=\"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_11-Unterbrechungsfaehigkeit.png\" alt=\"\" width=\"1225\" height=\"993\" srcset=\"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_11-Unterbrechungsfaehigkeit-177x142.png 177w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_11-Unterbrechungsfaehigkeit-200x162.png 200w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_11-Unterbrechungsfaehigkeit-300x243.png 300w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_11-Unterbrechungsfaehigkeit-400x324.png 400w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_11-Unterbrechungsfaehigkeit-600x486.png 600w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_11-Unterbrechungsfaehigkeit-768x623.png 768w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_11-Unterbrechungsfaehigkeit-800x648.png 800w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_11-Unterbrechungsfaehigkeit-1200x973.png 1200w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_11-Unterbrechungsfaehigkeit-1536x1245.png 1536w, https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/12\/2020-abb_11-Unterbrechungsfaehigkeit.png 1695w\" sizes=\"(max-width: 1225px) 100vw, 1225px\" \/><\/div>\n<p><span class=\"bildlegende-em\">Abb. 29: Entwicklung der durchschnittlichen Unterbrechungsh\u00e4ufigkeit pro Endverbraucher<\/span><br \/>\n<span class=\"quelle-em\">(Quelle: ElCom &#8211; Stromversorgungsqualit\u00e4t 2019-1)<\/span><\/p>\n<p>Allerdings unterscheiden sich diese Werte stark zwischen urbanen, suburbanen, l\u00e4ndlichen und alpinen Regionen. In den suburbanen Gebieten liegen sie am tiefsten, in einzelnen l\u00e4ndlichen Regionen deutlich h\u00f6her.<\/p>\n<h3>6.1.4 Vergleich mit Referenzwerten<\/h3>\n<p>Falls Kennwerte und Statistiken der Versorgungssicherheit von verschiedenen Versorgungsvarianten und Standorten vorliegen, kann ein Vergleich eine klare Aussage \u00fcber die zu bevorzugende Variante erm\u00f6glichen. Solche Vergleiche, vor allem f\u00fcr Strom, k\u00f6nnen in einem liberalisierten Energiemarkt an Bedeutung gewinnen.<\/p>\n<p>Vergleiche k\u00f6nnen auch gezogen werden, um verschiedene Standorte, z. B. f\u00fcr einen Produktionsbetrieb, zu vergleichen.<\/p>\n<p>In jedem Falle sollte versucht werden, Referenzwerte zu sammeln, um zuk\u00fcnftig Vergleiche ziehen zu k\u00f6nnen. Kennwerte, Statistiken und eventuell Referenzwerte k\u00f6nnen auch von Energieversorgungsunternehmen als Teil der Offerten verlangt werden.<\/p>\n<h3>6.1.5 Schwachstellenanalyse<\/h3>\n<p>Wenn die Zustandsanalyse der Energieversorgung erstellt und eventuell der Vergleich mit<br \/>\nReferenzwerten erfolgt ist, k\u00f6nnen die Resultate mit den zu Beginn definierten Anforderungen und Zielen verglichen werden. Daraus lassen sich M\u00e4ngel resp. Schwachstellen erkennen.<\/p>\n<p>Beispiele:<br \/>\n<em>Ein typischer Mangel in der W\u00e4rmeversorgung eines Altersheimes w\u00e4re, falls festgestellt w\u00fcrde, dass ein Ausfall der W\u00e4rmeversorgung \u00fcber mehr als 24 Stunden m\u00f6glich ist. Es sind Komponenten vorhanden, welche ausfallen k\u00f6nnen und nicht innert 24 Stunden repariert werden k\u00f6nnen. F\u00fcr die Bewohner k\u00f6nnte dann eine Gef\u00e4hrdung der Gesundheit eintreten.<br \/>\n<\/em><em>Eine Umstellung auf ein neues, zentrales EDV-System bewirkt, dass eine St\u00f6rung der Stromversorgung der zentralen Server einen Systemabsturz bewirkt und Daten besch\u00e4digen k\u00f6nnte. Daraus ergibt sich m\u00f6glicherweise ein betr\u00e4chtlicher Schaden. Das \u00f6rtliche EW gibt eine mittlere Zeit zwischen zwei Netzst\u00f6rungen von durchschnittlich 6 Monaten an, sodass 2-mal j\u00e4hrlich ein Absturz anzunehmen ist. Nun kann mit den Zielen verglichen werden, ob dies akzeptiert werden kann.<\/em><\/p>\n<h3>6.1.6 Massnahmenplanung<\/h3>\n<p>Sollten sich Schwachstellen zeigen, so m\u00fcssen Massnahmen dagegen geplant werden. Je besser eine Schwachstelle eingegrenzt werden kann und die Ursache einer m\u00f6glichen St\u00f6rung bekannt ist, desto gezielter k\u00f6nnen Massnahmen dagegen geplant werden.<\/p>\n<p>Die Massnahmen k\u00f6nnen sich auf die Wahl des Energietr\u00e4gers beziehen, falls dadurch eine h\u00f6here Versorgungssicherheit erreicht werden kann. Im Allgemeinen werden lagerbare Energietr\u00e4ger (insbesondere Heiz\u00f6l) als sicherer gegen\u00fcber leitungsgebundenen Energietr\u00e4gern (Strom, Erdgas, Fernw\u00e4rme) angenommen. Beim Erdgas und der Fernw\u00e4rme ist die Sicherheit aber fast so hoch wie bei einem lagerbaren Energietr\u00e4ger. Eine besonders hohe Versorgungssicherheit kann erreicht werden, wenn zwei Energietr\u00e4ger genutzt werden k\u00f6nnen (z. B. Strom f\u00fcr eine W\u00e4rmepumpe und Heiz\u00f6l als Redundanz und Spitzenabdeckung). Zu beachten ist, dass f\u00fcr die Energieumwandlung und -verteilung mit Heiz\u00f6l, Erdgas oder Holz immer auch Hilfsenergie (Strom) erforderlich ist. Gegebenenfalls muss eine Feuerung auch mit Notstrom betrieben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im liberalisierten Energiemarkt haben bei Strom und Erdgas der Energielieferant und der Netzbetreiber einen Einfluss auf die Versorgungssicherheit. Im Liefervertrag k\u00f6nnte eine Klausel bez\u00fcglich Versorgungssicherheit und Minderpreis bei Verfehlen der Versorgungsziele enthalten sein. Beim Strom kann eine zu 100 Prozent sichere Versorgung nicht erreicht werden.<\/p>\n<p>Neben der Energieversorgung k\u00f6nnen Schwachstellen auch bei den eigenen Installationen vorhanden sein. Um eine Anlage, einen Prozess oder ein Geb\u00e4ude sicher mit Energie und Medien zu ver- und entsorgen, muss die ganze Versorgungskette sicher sein. Entsprechend m\u00fcssen sich Massnahmen auf die ganze Versorgungskette beziehen.<\/p>\n<p>Falls es sich zeigt, dass die Energieversorgung die erforderliche Sicherheit nicht erreicht, so sind Massnahmen erforderlich.<\/p>\n<p>Beispiele:<br \/>\n<em>Bei W\u00e4rmepumpen muss auch die Gewinnung der W\u00e4rmequelle sicher sein.<br \/>\nBei Holzfeuerungen muss die Versorgung mit Holz und dessen Zufuhr zum Kessel sichergestellt werden. Transportschnecken f\u00fcr Holzschnitzel oder Pellets sind oft Quellen von St\u00f6rungen.<br \/>\nDie Sicherheit von technischen Anlagen kann durch Redundanzen erh\u00f6ht werden. Alle Teile der Versorgungs- resp. Umwandlungskette sind doppelt resp. parallel vorhanden. Eine solche Sicherheit ist aber nur dann sinnvoll, wenn sie auch wirklich erforderlich ist.<br \/>\nHeute k\u00f6nnen Ersatzw\u00e4rme- und k\u00e4lteerzeugungsanlagen gemietet werden. Eine solche L\u00f6sung ist oft billiger und einfacher als gros<\/em><em>se Investitionen in redundante Anlagen. Der Platz f\u00fcr die Aufstellung einer solchen tempor\u00e4ren Anlage sowie ein g\u00fcnstig platzierter Anschlussstutzen ans W\u00e4rme- oder K\u00e4lteverteilnetz m\u00fcssen vorausgeplant werden.<br \/>\nMit zwei Einspeisungen ab zwei unabh\u00e4ngigen Unterwerken kann (wie schon erw\u00e4hnt) eine aus technischer Sicht fast sichere Stromversorgung gew\u00e4hrleistet werden. Falls aber auf der \u00fcbergeordneten Ebene ein technisches Problem auftritt oder eine Strommangellage, k\u00f6nnten infolge sektorieller Abschaltungen trotzdem Unterbr\u00fcche entstehen. Diese automatischen sektoriellen Abschaltungen w\u00fcrden vorgenommen, um grossfl\u00e4chige und lange andauernde Netzzusammenbr\u00fcche zu verhindern, falls die Stromnachfrage das verf\u00fcgbare Angebot \u00fcbersteigt.<br \/>\nBei nicht gen\u00fcgend sicherer Stromversorgung muss eine eigene M\u00f6glichkeit vorgesehen werden, eine Versorgungsl\u00fccke zu \u00fcberbr\u00fccken. F\u00fcr kleine Leistungen resp. f\u00fcr kurze Zeit k\u00f6nnen dies batteriegest\u00fctzte Systeme sein (z. B. batteriegest\u00fctzte unterbruchsfreie Versorgungssysteme USV f\u00fcr Computer und Server oder f\u00fcr Notbeleuchtungssysteme). F\u00fcr gr\u00f6ssere Leistungen und um l\u00e4nger andauernde Unterbr\u00fcche zu bew\u00e4ltigen, sind alternativ oder zus\u00e4tzlich Netzersatzanlagen mit Notstromaggregaten erforderlich.<br \/>\nBei Energieversorgungssystemen mit automatischer Steuerung (Geb\u00e4udeautomation) muss auch der Ausfall des Steuerungssystems abgesichert werden. Es braucht eine Not<\/em><em>bedienebene, von der aus die Anlage manuell gesteuert werden kann. Dies muss getestet <\/em><em>und geprobt werden.<\/em><\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Planung Vorprojekt:<\/h4>\n<p>Nach der Definition von n\u00f6tigen Massnahmen zur Erh\u00f6hung der Versorgungssicherheit muss ein Projekt f\u00fcr die Umsetzung erstellt werden. Diese Arbeit wird in den meisten F\u00e4llen ausw\u00e4rts an Spezialisten resp. Fachplaner vergeben. Mit einem Vorprojekt wird festgelegt, wie eine Massnahme am geeignetsten (meistens am wirtschaftlichsten und sichersten) realisiert werden kann. Dabei werden auch die Investitionen und Betriebskosten ermittelt und es wird ein Terminplan erstellt. Die Machbarkeit und Bewilligungsf\u00e4higkeit werden nachgewiesen.<\/p>\n<h3>6.1.7 Kosten-Nutzen-Vergleich<\/h3>\n<p>Die Investition und die Kosten der Massnahmen m\u00fcssen nun mit dem erwarteten Nutzen verglichen werden. Es ist denkbar, dass zwar ein Mangel bei der Schwachstellenanalyse gefunden wurde, dessen Behebung sich aber als sehr aufwendig herausstellt. Die Kosten der erforderlichen Massnahmen \u00fcbersteigen den Nutzen, wie die Vermeidung des Schadens bei einem Netzausfall. Mit solchen Schwachstellen wird man dann leben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Kosten-\/Nutzenanalyse muss der finanzielle Schaden bei einem Versorgungsunterbruch beziffert werden k\u00f6nnen. Dies ist dann schwierig, wenn es sich um die Gesundheit von Menschen handelt. Diese kann kaum monet\u00e4r bewertet werden, sodass bei derartigen M\u00e4ngeln auch bei hohen Kosten Massnahmen ausgef\u00fchrt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Eine Kosten-\/Nutzenanalyse kann auch Auskunft dar\u00fcber geben, welche Versorgungsvariante bei geringsten Kosten den gr\u00f6ssten Nutzen erzeugt.<\/p>\n<p>Die Kosten umfassen die Kapital- und Amortisationskosten (Annuit\u00e4ten) der Investitionen, die Energie-, Wartungs- und Betriebskosten. F\u00fcr die Berechnung der Amortisationskosten muss die Abschreibedauer (max. die Nutzungs- oder Lebensdauer der Installationen) und die verlangte Kapitalverzinsung definiert werden. (Siehe auch Kapitel 13.)<\/p>\n<h3>6.1.8 Massnahmen umsetzen<\/h3>\n<p>Die Massnahmen mit positivem Kosten-\/Nutzenverh\u00e4ltnis werden so rasch wie m\u00f6glich umgesetzt. Der Umsetzungstermin h\u00e4ngt allenfalls vom vorhandenen Budget ab, evtl. muss die Umsetzung gestaffelt erfolgen. Allerdings ist so lange die Schwachstelle nicht behoben.<\/p>\n<p>Bei Neuanlagen oder neuen Projekten m\u00fcssen die Massnahmen mit der Realisierung des Projektes ausgef\u00fchrt werden. Sie k\u00f6nnen in das entsprechende Projektbudget aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Die Umsetzung der Massnahmen erfolgt wie jede Projektrealisierung. Es sind fast immer externe Fachplaner erforderlich. Es braucht bei gr\u00f6sseren Massnahmen Projektplanung, ggf. Bewilligungen, Ausschreibung und Vergabe, Ausf\u00fchrungsplanung und Ausf\u00fchrung. Eventuell k\u00f6nnen bei kleineren Massnahmen klar definierte Auftr\u00e4ge direkt an ausf\u00fchrende Unternehmer vergeben werden.<\/p>\n<p>Besonders wichtig sind hier eine seri\u00f6se Inbetriebnahme, Funktionstests, Abnahme und Dokumentation der Anlagen resp. Massnahmen.<\/p>\n<p>Bei der Umsetzung der Massnahmen, vor allem bei Verbesserungsmassnahmen im laufenden Betrieb, muss beachtet werden, dass die Realisierung von Umbauten oder Umstellungen immer selbst eine Gefahrenquelle darstellt. Es muss vermieden werden, dass die als Verbesserung geplante Massnahme zu einer St\u00f6rung resp. einem Schaden f\u00fchrt. So trivial dieser Satz klingt, so gross kann der Schaden sein, wenn dieser Gefahr nicht die geb\u00fchrende Beachtung geschenkt wird. Auch das Austesten von Sicherheitsanlagen oder z. B. Notbedienebenen kann ein grosses Risiko f\u00fcr den laufenden Betrieb darstellen.<\/p>\n<h3>6.1.9 Erfolgskontrolle<\/h3>\n<p>Der Erfolg von Massnahmen zur Verbesserung der Versorgungssicherheit kann eigentlich einfach festgestellt werden. Ein Versorgungsunterbruch stellt ein augenf\u00e4lliges Ereignis dar. Eine seri\u00f6se und objektive Beurteilung des Nutzens kann aber nur erfolgen, wenn vor und nach der Realisierung der Massnahmen die entsprechenden Kennzahlen gen\u00fcgend lang erfasst und ausgewertet wurden oder wenn geeignete Vergleichsobjekte zur Verf\u00fcgung stehen. Nur dieser objektive Vergleich kann letztlich mit Sicherheit aussagen, ob sich die Massnahmen bew\u00e4hren und das vorausgesagte Kosten-\/Nutzenverh\u00e4ltnis erreicht wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Eingangs im Kapitel 3.3.1 Zielsetzung erw\u00e4hnt, stellt die Gew\u00e4hrleistung der Ver\u00adsorgungssicherheit das wohl wichtigste Ziel des Energiemanagements dar. Die heutigen Geb\u00e4ude, Produktionsmittel und Arbeitshilfen k\u00f6nnen ohne sichere Energieversorgung nicht betrieben werden. Auch die Sicherheit von Personen und Sachwerten ist ohne sichere Energieversorgung oft nicht zu gew\u00e4hrleisten. Die Versorgungssicherheit steht deshalb in der Praxis meist [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-2975","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-energieversorgung-im-betrieb"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2975","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2975"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2975\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3240,"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2975\/revisions\/3240"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2975"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2975"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2975"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}