{"id":3064,"date":"2020-12-30T12:43:10","date_gmt":"2020-12-30T11:43:10","guid":{"rendered":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/?p=3064"},"modified":"2021-06-14T15:23:07","modified_gmt":"2021-06-14T13:23:07","slug":"11-3-vergleichswerte-schwachstellenanalyse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/enbau-online.ch\/energiemanagement\/11-3-vergleichswerte-schwachstellenanalyse\/","title":{"rendered":"11.3 Vergleichswerte\/Schwachstellenanalyse"},"content":{"rendered":"<p>Die (Teil-)Energiekennzahlen lassen sich nun mit Vergleichswerten vergleichen. Vergleichswerte finden sich in den SIA-Normen und Merkbl\u00e4ttern (z. B. Merkblatt SIA 2056, Elektrizit\u00e4t in Geb\u00e4uden \u2013 Energie- und Leistungsbedarf, 2019), aber auch in Forschungsberichten und Untersuchungsergebnissen (z. B. unter www.energieforschung.ch), bei vergleichbaren Unternehmen, bei Kantonen oder St\u00e4dten oder auch im eigenen Betrieb, falls dieser \u00fcber mehrere Geb\u00e4ude verf\u00fcgt.<\/p>\n<p>Aus dem Vergleich l\u00e4sst sich der energetische Zustand des untersuchten Geb\u00e4udes beurteilen. Auch Vergleichswerte, bezogen auf die Leistungsgr\u00f6ssen des Unternehmens (z. B. W\u00e4rmeverbrauch pro \u00dcbernachtung, Stromverbrauch pro Mahlzeit, Wasserbedarf pro Kilogramm produziertes Papier), k\u00f6nnen wertvolle Hinweise auf Schwachstellen und das Optimierungspotenzial geben.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich muss ein im Vergleich guter eigener Wert nicht zwingend bedeuten, dass nicht doch noch Verbesserungsm\u00f6glichkeiten vorhanden sind, wie es umgekehrt nicht in jedem Fall m\u00f6glich ist, den besten Wert zu erreichen. Jedoch ist ein solcher Vergleich ein gutes Mittel, das m\u00f6gliche Optimierungspotenzial transparent zu machen und so ein zielgerichtetes Vorgehen zu erm\u00f6glichen. Aus der Differenz zwischen Istwert und Vergleichswert, multipliziert mit der Anzahl der Bezugsgr\u00f6ssen (z. B. Quadratmeter), l\u00e4sst sich sofort das Sparpotenzial und daraus auch die Kosteneinsparung pro Jahr errechnen.<\/p>\n<p>Es ist klar, dass die Aussagekraft und Nutzbarkeit solcher Vergleiche umso besser sind, je detailliertere Kennzahlen und Vergleichszahlen vorliegen. Leider macht dies das Erheben von Kennzahlen aufwendiger. Das Finden von detaillierten Vergleichswerten ist ebenso schwierig.<\/p>\n<h4 class=\"Titel_4 fusion-responsive-typography-calculated\" style=\"--fontsize: 28; line-height: 1.39;\" data-fontsize=\"28\" data-lineheight=\"38.9167px\">Schwachstellen<\/h4>\n<p>In diesem Zusammenhang werden unter Schwachstellen Installationen mit Energiesparpotenzial verstanden. Es gilt also, M\u00f6glichkeiten zu suchen, um durch eine Verbesserung den Energieverbrauch reduzieren zu k\u00f6nnen. Gleichzeitig soll auch angestrebt werden, fossile Brennstoffe durch nicht fossile Energietr\u00e4ger, am besten durch regenerative Energie, zu ersetzen. Der Komfort resp. die Funktionalit\u00e4t m\u00fcssen dabei weiterhin erf\u00fcllt werden. Es geht also nicht darum, nachher im dicken Pullover zu frieren, sondern dort Massnahmen zu ergreifen, wo der verlangte Komfort resp. die Leistung mit weniger Energieaufwand bereitgestellt werden kann. Oft wird man bei solchen Untersuchungen auch auf F\u00e4lle stossen, bei denen der Komfort oder die gebotene Leistung nicht gen\u00fcgen. Dann ist es besonders sinnvoll, Massnahmen zu ergreifen. Dabei muss versucht werden, beide Ziele, mehr Komfort oder Leistung und optimierter Energieverbrauch, synchron zu erreichen.<\/p>\n<p>Schwachstellen lassen sich einerseits \u00fcber die Vergleichswerte finden. Jedoch geben diese Werte keinerlei Auskunft \u00fcber den Grund des im Vergleich zu hohen Energieverbrauches. Es wird nur ersichtlich, ob und allenfalls wo ein im Vergleich zu hoher Energieverbrauch auftritt. Um Verbesserungen zu erreichen, m\u00fcssen nun konkrete Schwachstellen und praktisch umsetzbare Verbesserungsmassnahmen gefunden werden. Dazu braucht es neben der Kenntnis des Geb\u00e4udes, der installierten Anlagen und Ger\u00e4te auch das Verstehen der Prozesse und der Nutzung. Mit Gesp\u00fcr, Erfahrung und energietechnischen sowie geb\u00e4udetechnischen Kenntnissen muss nun nach M\u00e4ngeln und Verbesserungsm\u00f6glichkeiten gesucht werden. Dazu ist eine Inspektion des Geb\u00e4udes und seiner Anlagen erforderlich. Ebenso m\u00fcssen alle verf\u00fcgbaren Unterlagen \u00fcber Bau, Geb\u00e4udetechnik, Anlagen und Ger\u00e4te vorhanden sein und die Geb\u00e4udenutzung muss bekannt sein.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Know-how-Tr\u00e4ger sind fast immer Hauswarte, Geb\u00e4udeverantwortliche oder Mitarbeitende des technischen Dienstes. Ohne diese Personen k\u00f6nnen viele Schwachstellen nicht gefunden werden. Auch ist es meist nutzlos, ohne ihre Mitwirkung zu versuchen, Verbesserungen umzusetzen. Eine Schwachstellenanalyse darf von diesen Personen nicht als Kontrolle ihrer Arbeit oder gar als Misstrauensvotum in Bezug auf ihre Kompetenzen verstanden werden. Besser ist es, ihnen Gelegenheit zu geben, schon lange bekannte M\u00e4ngel und erw\u00fcnschte Verbesserungen aufzuzeigen und umzusetzen. Bei allen Massnahmen ist die Umsetzung wesentlich einfacher, wenn von Anfang an alle betroffenen Personen informiert werden und sie ihre W\u00fcnsche, Ideen und Anliegen in die Schwachstellenanalyse einbringen k\u00f6nnen. Gegen den Willen von Betroffenen eine von aussen aufoktroyierte Massnahmenliste umzusetzen, ist sehr schwierig und f\u00fchrt kaum zum erhofften Erfolg.<\/p>\n<p>Daneben k\u00f6nnen auch Gespr\u00e4che mit den Geb\u00e4udenutzern, seien es Angestellte, Bewohner, Kunden oder Mieter, zu wertvollen Erkenntnissen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Oft ist es sinnvoll, die Schwachstellenanalyse an einen externen Energieberater zu vergeben.<\/p>\n<p>Die Untersuchung kann anhand einer Checkliste erfolgen, um alle m\u00f6glichen Sparpotenziale zu finden Dies erm\u00f6glicht ein strukturiertes Vorgehen. Keine Bauteile oder m\u00f6glichen Problemfelder gehen vergessen. Im Anhang 14.2 findet sich ein Beispiel einer solchen Checkliste, wobei kein Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit besteht.<\/p>\n<p>Es ist zu empfehlen, vor Beginn einer Schwachstellenanalyse eine entsprechende Checkliste f\u00fcr den konkreten Fall aufzustellen. Dabei kann auch bewusst auf Bereiche verzichtet werden, bei denen bekannt ist, dass kaum Schwachstellen oder Sparpotenziale vorhanden sind. Ebenso kann eine Unterteilung in Bereiche mit tendenziell grossem Sparpotenzial und solchen mit kleinem Sparpotenzial vorgenommen werden. Dabei helfen eine m\u00f6glichst detailliert aufgestellte Energiebilanz, ein Energieflussdiagramm, Teil-Energiekennzahlen sowie der Vergleich mit Kennzahlen.<\/p>\n<p>Bei jedem Untersuchungspunkt muss mit Sachkenntnis beurteilt werden, ob eine Schwachstelle vorhanden ist, wie eine Verbesserung aussehen k\u00f6nnte, was diese einspart resp. n\u00fctzt (Energie und Betriebskosten, eventuell Verbesserung des Komforts oder der Leistung), wie und wann diese Verbesserung realisiert werden k\u00f6nnte und was diese Massnahme etwa an Kosten verursacht. Dabei ist wiederum wichtig, nicht alles bis ins Detail und auf die letzte Kommastelle genau erfassen zu wollen, sondern mit Absch\u00e4tzungen und Erfahrungswerten zu m\u00f6glichst realistischen Zahlen zu kommen.<\/p>\n<p>Bei grossen resp. den wichtigsten Bau- und Technikelementen, z. B. der W\u00e4rmeerzeugung oder der Geb\u00e4udeh\u00fclle, kann auch eine vertiefte Untersuchung sinnvoll sein. Eventuell k\u00f6nnen hier auch verschiedene Varianten von Verbesserungen erarbeitet werden.<\/p>\n<p>Aus dieser Arbeit folgt eine Liste mit allen m\u00f6glichen Massnahmen, was im n\u00e4chsten Kapitel erkl\u00e4rt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die (Teil-)Energiekennzahlen lassen sich nun mit Vergleichswerten vergleichen. Vergleichswerte finden sich in den SIA-Normen und Merkbl\u00e4ttern (z. B. Merkblatt SIA 2056, Elektrizit\u00e4t in Geb\u00e4uden \u2013 Energie- und Leistungsbedarf, 2019), aber auch in Forschungsberichten und Untersuchungsergebnissen (z. 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