{"id":357,"date":"2016-02-01T11:24:32","date_gmt":"2016-02-01T10:24:32","guid":{"rendered":"https:\/\/enbau-online.ch\/heizung-lueftung-elektrizitaet\/?p=357"},"modified":"2020-08-28T09:49:14","modified_gmt":"2020-08-28T07:49:14","slug":"8-5-fotovoltaik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/enbau-online.ch\/heizung-lueftung-elektrizitaet\/8-5-fotovoltaik\/","title":{"rendered":"8.5 Fotovoltaik"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"Title-1_sub\"><span class=\"Title_Number\">8.5.1<\/span> Energetische Bedeutung<\/h2>\n<p class=\"Bodytext\"><a id=\"_idIndexMarker024\"><\/a>Fotovoltaik (PV) hat sich von einer hochsubventionierten zu einer konkurrenzf\u00e4higen Stromquelle entwickelt. In den meisten \u00e4quatornahen L\u00e4ndern ist PV heute die g\u00fcnstigste Stromproduktionstechnologie. PV d\u00fcrfte mittelfristig nach der Wasserkraft zur wichtigsten Stromquelle der Schweiz werden. Das D\u00e4cherpotenzial (rund 50 TWh Stromproduktion) und das Fassadenpotenzial (17 TWh Stromproduktion) k\u00f6nnten den Schweizer Strombedarf in der Jahresbilanz decken. Die stromproduzierende Geb\u00e4udeh\u00fclle wird somit bei Neubauten genauso wie die W\u00e4rmed\u00e4mmung zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Mit PV alleine wird sich allerdings die Stroml\u00fccke insbesondere im Winter nicht schliessen lassen.<\/p>\n<h2 class=\"Title-1\"><span class=\"Title_Number\">8.5.2\u00a0<\/span>Dimensionierungs\u00fcberlegungen<\/h2>\n<p class=\"Bodytext\">Die Dimensionierung von PV-Anlagen unterscheidet sich grunds\u00e4tzlich von der Dimensionierung einer Heizung oder einer Solarthermieanlage. Sie richtet sich weniger nach dem Bedarf im Geb\u00e4ude, sondern st\u00e4rker nach dem Potenzial des Geb\u00e4udes. Der Transport von Strom ist so effizient, dass es technisch gesehen keine grosse Rolle spielt, ob er im eigenen Geb\u00e4ude oder im Nachbargeb\u00e4ude produziert wird.<\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Finanziell betrachtet ist die Dimensionierung etwas komplizierter. Eigenverbrauchter Solarstrom ist in fast allen Projekten profitabel, w\u00e4hrend die Einspeisung von Solarstrom meist noch ein Verlustgesch\u00e4ft ist. Es gilt also, einen Mittelweg zu finden: Ist die PV-Anlage zu gross dimensioniert, nimmt der Eigenverbrauchsanteil ab, ist sie zu klein, werden die Fixkosten und damit die Stromgestehungskosten unattraktiv hoch (Bild 8.11). Oft ist das Optimum jedoch recht breit. Insbesondere beeintr\u00e4chtigt eine nach dem Eigenverbrauch \u00fcberdimensionierte PV-Anlage die Wirtschaftlichkeit kaum, da die zus\u00e4tzlichen PV-Module die Anlage nur unwesentlich teurer machen. Damit ist es in den wenigsten F\u00e4llen sinnvoll, eine besonders kleine Anlage zu bauen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"_idGenObjectAttribute-1 alignnone\" src=\"\/images\/HLE-Web-2020\/chap_08_NEU-web-resources\/image\/Abb_08_11.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p class=\"Figure_Caption ParaOverride-9\" lang=\"fr-FR\">Bild 8.11 Renditeoptimierung einer PV-Anlage<\/p>\n<h2 class=\"Title-1\"><span class=\"Title_Number\">8.5.3<\/span> Ausrichtung der PV-Module<\/h2>\n<p class=\"Bodytext\">Fr\u00fcher wurden die Module zur Ertragsoptimierung meist nach S\u00fcden ausgerichtet. Weil die Module heute so g\u00fcnstig geworden sind, lohnt sich dieser Aufwand meist nicht mehr. Es wird deshalb empfohlen, die Module gestalterisch m\u00f6glichst optimal dem Geb\u00e4ude anzupassen. In Bild 8.12 kann abgelesen werden, wie eine nicht optimale Ausrichtung der Module den Energieertrag beeinflusst.<\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Mit einer Modulneigung von mindestens etwa 10\u00b0 wird eine gen\u00fcgende Selbstreinigung bei Regen erreicht. Heute werden oft eine Ost-West-Ausrichtung (teils Ost, teils West) und eine Neigung von 10\u00b0 verwendet. Dies erlaubt, eine Flachdachfl\u00e4che optimal auszunutzen. Bei wesentlich gr\u00f6sserer Modulneigung, z. B. auf einem Satteldach, kann mit einer Ost-West-Anlage ein gleichm\u00e4ssigerer Energieertrag \u00fcber den Tag erreicht werden.<\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Hingegen haben nach S\u00fcden geneigte PV-Module einen deutlich h\u00f6heren Winterstromertrag als quasihorizontale oder solche mit Ost-West-Ausrichtung.<\/p>\n<p class=\"Bodytext\">An schneereichen Lagen und bei auf Winterertrag optimierten Anlagen ist es wichtig, dass der Schnee gut abrutschen kann.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"_idGenObjectAttribute-1 alignnone\" src=\"\/images\/HLE-Web-2020\/chap_08_NEU-web-resources\/image\/Abb_08_12_sw.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p class=\"Figure_Caption ParaOverride-9\" lang=\"fr-FR\">Bild 8.12 J\u00e4hrliche hemisph\u00e4rische Einstrahlung <span class=\"CharOverride-1\">Q<\/span><span class=\"CharOverride-5\">G<\/span> auf geneigte Fl\u00e4che f\u00fcr Bern (1991\u20132010) in kWh\/m<sup>2<\/sup> (Datenquelle: Meteonorm, Grafik: Christof Bucher)<\/p>\n<h2 class=\"Title-1\"><span class=\"Title_Number\">8.5.4 <\/span>Absch\u00e4tzung des Energieertrags<\/h2>\n<p class=\"Bodytext\">Die Momentanleistung und der j\u00e4hrliche Energieertrag einer PV-Anlage sind in erster N\u00e4herung linear abh\u00e4ngig von der Sonneneinstrahlung. Diese variiert von Tag zu Tag sehr stark, ist aber \u00fcber die Jahre mit einer Standardabweichung von rund 5 % deutlich konstanter als z.B. die Variation der Niederschl\u00e4ge, welche bei rund 15 % liegt.<\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Der Ertrag einer PV-Anlage kann wie folgt abgesch\u00e4tzt werden:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"_idGenObjectAttribute-1 alignnone\" src=\"\/images\/HLE-Web-2020\/chap_08_NEU-web-resources\/image\/eq_8-5.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p><em>E<\/em> \u00a0j\u00e4hrlicher Elektrizit\u00e4tsertrag in kWh<br \/>\n<em>A<\/em>\u00a0 Modulfl\u00e4che in m<sup>2<\/sup><br \/>\n<em>\u03b7<\/em><sub>mod<\/sub>\u00a0 Modulwirkungsgrad unter Standardbedingungen<br \/>\n<em>Q<\/em><sub>G<\/sub>\u00a0 j\u00e4hrliche hemisph\u00e4rische Einstrahlung auf die geneigte Fl\u00e4che in kWh\/m<sup>2<\/sup><br \/>\n<em>f<\/em><sub>PR<\/sub>\u00a0 Korrekturfaktor (Performance Ratio)<\/p>\n<p>Die normierte DC-Leistung <em>P<\/em><sub>STC<\/sub> wird unter Standard-Testbedingungen (STC) ermittelt, d. h. bei einer Einstrahlung von 1000 W\/m<sup>2<\/sup>, einer Zelltemperatur von 25 \u00b0C und einer Air Mass von 1,5.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"_idGenObjectAttribute-1 alignnone\" src=\"\/images\/HLE-Web-2020\/chap_08_NEU-web-resources\/image\/eq_8-6.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p><em>P<\/em><sub>STC<\/sub>\u00a0normierte DC-Leistung in W (oft f\u00e4lschlicherweise als Watt-Peak Wp bezeichnet)<\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Daraus ergibt sich die einfache Energieertragsformel<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"_idGenObjectAttribute-1 alignnone\" src=\"\/images\/HLE-Web-2020\/chap_08_NEU-web-resources\/image\/eq_8-7.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Der Korrekturfaktor <em>f<\/em><sub>PR<\/sub>, genannt Performance Ratio, ist in erster N\u00e4herung standortunabh\u00e4ngig und bewegt sich bei einer neuen Anlage im Bereich von 80% bis 85%. Im Verlauf der Lebensdauer der Anlage nimmt die Performance Ratio um rund f\u00fcnf Prozentpunkte ab. Die Einstrahlung <em>Q<\/em><sub>G<\/sub> f\u00fcr das Schweizer Mittelland kann in Bild 8.12 abgelesen werden. Simulationen mit dem kostenlosen Solarrechner [Sol] erlauben auch, monatliche Ertr\u00e4ge zu ermitteln.<\/p>\n<h2 class=\"Title-1\"><span class=\"Title_Number\">8.5.5<\/span> PV-Module<\/h2>\n<p class=\"Bodytext\">PV-Module als Massenprodukt geh\u00f6ren heute mit Grosshandelspreisen von unter 50 CHF\/m<sup>2<\/sup>\u00a0zu den g\u00fcnstigen Materialien in der Baubranche. Die Wirkungsgrade sind in der Vergangenheit kontinuierlich gestiegen und liegen heute typischerweise im Bereich von 18 % bis 20 %. Die Module lassen sich in folgende Kategorien einteilen:<\/p>\n<ul>\n<li class=\"Item\"><span class=\"Italic\">Standardmodule:<\/span> Massenware, meist aus asiatischer Produktion. Tiefe Kosten bei guter Qualit\u00e4t. Abmessungen ungef\u00e4hr 1 m x 1,65 m. Farbe schwarz oder bl\u00e4ulich. Mit Aluminiumrahmen oder rahmenlos. F\u00fcr Fassaden nur bedingt geeignet.<\/li>\n<li class=\"Item\"><span class=\"Italic\">Semi-Standardmodule: <\/span>Meist aus europ\u00e4ischer Produktion und f\u00fcr eine bestimmte Anwendung optimiert (z.B. Geb\u00e4udeintegration). Werden oft als Gesamtsystem inkl. Montagestruktur angeboten. 2 bis 3 mal teurer als Standardmodule.<\/li>\n<li class=\"Item\"><span class=\"Italic\">Sondermodule:<\/span> Massangefertigte Module, meist aus europ\u00e4ischer Produktion. Form und Farbe frei w\u00e4hlbar. Produkte werden individuell f\u00fcr ein Projekt angefertigt. 5 bis10 mal teurer als Standardmodule.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"Bodytext\">Auf Flachd\u00e4chern und \u00e4sthetisch weniger anspruchsvollen Schr\u00e4gd\u00e4chern werden meist Standardmodule eingesetzt. F\u00fcr die Geb\u00e4udeintegration in Schr\u00e4gd\u00e4cher und Fassaden kommen vorzugsweise Semi-Standardmodule zum Einsatz, w\u00e4hrend die Sondermodule speziellen Bauten vorbehalten sind. Aluminiumrahmen vereinfachen den Transport und die Installation, zudem bieten sie dem Modul im Betrieb einen gewissen Schutz vor mechanischen Einfl\u00fcssen. Die Rahmung hat jedoch \u00e4sthetische Nachteile und reduziert den Selbstreinigungseffekt, da sich am Modulrahmen eine Schmutzkante bilden kann. F\u00fcr \u00e4sthetisch anspruchsvolle Anlagen (Geb\u00e4udeinte-gration) sowie gering geneigte Anlagen (weniger als 10\u00b0 Neigungswinkel) werden deshalb vorzugsweise unge-rahmte Module, auch Laminate genannt, verwendet.<\/p>\n<h2 class=\"Title-1\"><span class=\"Title_Number\">8.5.6 <\/span>Wechselrichter<\/h2>\n<p class=\"Bodytext\">Oft wird die Wechselrichterleistung deutlich geringer gew\u00e4hlt als die DC-Leistung, da die Leistungsspitzen einer PV-Anlage energetisch nicht relevant sind. \u00dcber 97 % des Energieertrags werden unterhalb von 70 % der DC-Leistung produziert. Mit einer geringeren Wechselrichterleistung k\u00f6nnen auch die Zuleitungskabel, die Sicherungen und die Hausanschlussleistung geringer dimensioniert werden. Das Bild 8.13 zeigt den Ertragsverlust bei reduzierter Wechselrichterleistung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"_idGenObjectAttribute-1 alignnone\" src=\"\/images\/HLE-Web-2020\/chap_08_NEU-web-resources\/image\/Abb_08_13.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p class=\"Figure_Caption ParaOverride-10\" lang=\"fr-FR\">Bild 8.13 Ertragsverlust in Abh\u00e4ngigkeit des Nennleistungsverh\u00e4ltnisses AC\/DC (Datenquelle: Meteonorm, Berechnung und Grafik: Basler &amp; Hofmann AG)<\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Verschiedene <a id=\"_idIndexMarker026\"><\/a>Wechselrichter unterscheiden sich hinsichtlich Funktionalit\u00e4t nur wenig. Ein Wechselrichter \u00fcbernimmt typischerweise folgende Funktionen:<\/p>\n<ul>\n<li class=\"Item\">Er betreibt die PV-Module im maximalen Leistungspunkt (MPP) resp. ausserhalb des MPP, wenn die Wirkleistung abgeregelt werden soll.<\/li>\n<li class=\"Item\">Er wandelt den Gleichstrom der PV-Module in netzkonformen Wechselstrom um.<\/li>\n<li class=\"Item\">Er sch\u00fctzt und st\u00fctzt das Netz: Diverse Funktionalit\u00e4ten sind vorgeschrieben [EN 50549-1] und standardm\u00e4ssig im Wechselrichter enthalten.<\/li>\n<li class=\"Item\">Er bietet diverse Kommunikationsschnittstellen. Die meisten Wechselrichter k\u00f6nnen entweder direkt oder mit einem zus\u00e4tzlichen Kommunikationsmodul am Internet und an anderen Kommunikationssystemen angeschlossen werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"Bodytext\">Die Wechselrichter betreiben die PV-Module in ihrem maximalen Leistungspunkt (Maximum Power Point, MPP). Dieser unterscheidet sich innerhalb eines Modulfelds in Abh\u00e4ngigkeit von Ausrichtung sowie Beschattungssituation der Module. Bei der Wahl des Wechselrichters soll deshalb beachtet werden, dass Module, welche unterschiedlichen Einstrahlungen ausgesetzt sind, m\u00f6glichst an unterschiedliche MPP-Tracker angeschlossen werden. Die meisten <a id=\"_idIndexMarker027\"><\/a>Wechselrichter verf\u00fcgen \u00fcber ein bis drei MPP-Tracker.<\/p>\n<h2 class=\"Title-1\"><span class=\"Title_Number\">8.5.7 <\/span>Systemaufbau und elektrischer Anschluss<\/h2>\n<p class=\"Bodytext\">Ein typisches \u00dcbersichtsschema ist in Bild 8.14 gegeben. F\u00fcr die Elektroinstallationen ist die Niederspannungs-Installationsnorm (NIN) zu beachten. Einige Besonderheiten f\u00fcr PV-Anlagen werden im Folgenden beschrieben:<\/p>\n<p class=\"Title-2\"><span class=\"Title_Number\">Gleichstromkabel (DC-Kabel)<\/span><\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Weil von DC-Kabeln zwischen PV-Modulen und <a id=\"_idIndexMarker028\"><\/a>Wechselrichter eine h\u00f6here Gef\u00e4hrdung ausgeht als von Wechselstromkabeln, ist deren Qualit\u00e4t und Installation ein besonderes Augenmerk zu schenken. Es sollen grunds\u00e4tzlich doppelt isolierte Einzelleiter verwendet werden, und die Kabelverlegung soll mit einem erh\u00f6hten Schutz vor mechanischen Einfl\u00fcssen erfolgen.<\/p>\n<p class=\"Title-2\"><span class=\"Title_Number\">Generatoranschlusskasten (GAK)<\/span><\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Oft k\u00f6nnen die DC-Kabel direkt am <a id=\"_idIndexMarker029\"><\/a>Wechselrichter angeschlossen werden. Wenn aber z.B. die Kabel beim Geb\u00e4udeeintritt mit einem <a id=\"_idIndexMarker030\"><\/a>\u00dcberspannungsableiter (SPD) gesch\u00fctzt werden sollen, wird ein GAK ben\u00f6tigt. Dieser beinhaltet typischerweise die \u00dcberspannungsableiter und einen DC-Schalter. Oft werden im GAK die einzelnen Strangleiter parallelgeschaltet und als DC-Hauptleitung zum Wechselrichter gef\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"Title-2\"><span class=\"Title_Number\">Blitzschutzsystem und Potenzialausgleich<\/span><\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Parallel zu den DC-Leitungen ist jeweils ein Potenzialausgleichsleiter von mindestens 10 mm<sup>2<\/sup>\u00a0zu f\u00fchren. Ist ein Geb\u00e4ude mit einem Blitzschutz versehen, so ist die PV-Anlage in dieses einzubinden. Das heisst, dass das Montagesystem mit dem \u00e4usseren und meist auch mit dem inneren Blitzschutz verbunden wird (kein getrenntes System) und dass beim Geb\u00e4udeeintritt \u00dcberspannungsableiter installiert werden m\u00fcssen. Falls kein Blitzschutzsystem vorhanden ist und die Leitungen k\u00fcrzer als 30 m sind (in der S\u00fcdschweiz mit h\u00f6herer Gewitterwahrscheinlichkeit 20 m), kann auf \u00dcberspannungsableiter verzichtet werden. Details dazu sind in der NIN beschrieben.<\/p>\n<p class=\"Title-2\"><span class=\"Title_Number\">Wechselstrominstallation (AC-Installation)<\/span><\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Die AC-Installation unterscheidet sich nicht wesentlich von der AC-Installation eines Verbrauchers gleicher Leistung wie der Wechselrichter. Dass der Leistungsfluss in die umgekehrte Richtung verl\u00e4uft, hat keinen Einfluss auf die Installation. Der Wechselrichter tr\u00e4gt kaum zur Kurzschlussleistung bei. Die Dimensionierung von Schalter und Sicherungen erfolgt nach den gleichen Regeln wie bei Verbrauchern derselben Leistung.<\/p>\n<p class=\"Title-2\"><span class=\"Title_Number\">Trenner und Schalter<\/span><\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Der Wechselrichter muss sowohl auf der AC- wie auch auf der DC-Seite mit einem Schalter freigeschaltet werden k\u00f6nnen. Dabei ist der DC-seitige Schalter meistens in den Wechselrichter integriert, w\u00e4hrend der AC-Schalter extern angebracht werden muss. Sogenannte \u00abFeuerwehrschalter\u00bb (fernausl\u00f6sbare DC-Schalter) sind nicht vorgeschrieben und nur in wenigen F\u00e4llen zweckm\u00e4ssig.<\/p>\n<p class=\"Title-2\"><span class=\"Title_Number\">Netz-Anlageschutz (NA-Schutz)<\/span><\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Bei Stromausfall oder grossen Frequenz- oder Spannungsabweichungen m\u00fcssen sich Wechselrichter vom Netz trennen. Die entsprechenden Funktionen m\u00fcssen in jedem Wechselrichter vorhanden sein. Einige Netzbetreiber verlangen f\u00fcr gr\u00f6ssere Anlagen, dass Spannung und Frequenz zentral gemessen werden und die PV-Anlage bei Grenzwertverletzungen mit einem zus\u00e4tzlichen Schalter vom Netz getrennt wird.<\/p>\n<p class=\"Title-2\"><span class=\"Title_Number\">Messeinrichtungen<\/span><\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Die Stromproduktion muss gemessen werden. Bei PV-Anlagen mit weniger als 30 kVA Wechselrichterleistung ist es jedoch ausreichend, nur die \u00dcberschussproduktion zu messen. Auf einen Produktionsz\u00e4hler kann somit verzichtet werden. Bei mehr als 30 kVA m\u00fcssen die Ertragsdaten monatlich an Swissgrid gesendet werden (Herkunftsnachweisverordnung), was einen elektronischen Z\u00e4hler mit Lastgangerfassung f\u00fcr die PV-Anlage erforderlich macht.<\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Weil heute praktisch alle PV-Anlagen als Eigenverbrauchsanlagen realisiert werden, erfolgt die Einspeisung meistens auf das gemessene Haus- oder Arealnetz. Der vorliegende Bez\u00fcgerz\u00e4hler muss entsprechend bi-direktional sein, damit er die R\u00fcckspeisung ins Stromnetz erfassen kann. Die jeweils g\u00fcltigen Anforderungen an die Messeinrichtungen sind mit dem zust\u00e4ndigen Verteilnetzbetreiber zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p class=\"Title-2\"><span class=\"Title_Number\">Anschlusspunkt<\/span><\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Die PV-Anlage kann an verschiedenen Orten im Geb\u00e4ude ans Netz angeschlossen werden. Gerade bei gr\u00f6sseren Bauten lohnt es sich, den Anschluss- oder Einspeisepunkt sorgf\u00e4ltig zu w\u00e4hlen. Folgende Anschlusspunkte sind m\u00f6glich:<\/p>\n<ul>\n<li class=\"Item\"><span class=\"Italic\">Unterverteilung:<\/span> Technisch und wirtschaftlich ist dies oft der ideale Anschlusspunkt, da weniger Kabel verlegt werden m\u00fcssen. Nachteilig kann die Energiemessung sein, welche dann ebenfalls dezentral erfolgen muss. Ebenfalls nachteilig ist die un\u00fcbersichtliche Elektroinstallation. In der Hauptverteilung l\u00e4sst sich die PV-Anlage nur gemeinsam mit der ganzen Unterverteilung ausschalten.<\/li>\n<li class=\"Item\"><span class=\"Italic\">Hauptverteilung: <\/span>Dies ist der am h\u00e4ufigsten verwendete Einspeisepunkt. Oft f\u00fchrt er zu langen und parallelen Kabelwegen, daf\u00fcr ist das Elektroschema \u00fcbersichtlicher. Eine sp\u00e4tere Anpassung des Anschlusses (z.B. Einspeisung auf eine andere Verbrauchergruppe) ist relativ einfach m\u00f6glich.<\/li>\n<\/ul>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"_idGenObjectAttribute-1 alignnone\" src=\"\/images\/HLE-Web-2020\/chap_08_NEU-web-resources\/image\/Abb_08_14.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p class=\"Figure_Caption\" lang=\"fr-FR\">Bild 8.14 Vereinfachtes Elektro-\u00dcbersichtsschema einer PV-Anlage mit Eigenverbrauchsregler<\/p>\n<ul>\n<li class=\"Item\"><span class=\"Italic\">Extern:<\/span> Diese Variante wurde fr\u00fcher teilweise gew\u00e4hlt, um die Energie einer PV-Anlage auf einem Areal in das externe Stromnetz einspeisen und verkaufen zu k\u00f6nnen. Mit zunehmenden Eigenverbrauchsschemen sowie flexiblen Smart-Metern und virtuellen Z\u00e4hlpunkten wird dieser Anschlusspunkt heute jedoch kaum mehr gew\u00e4hlt.<\/li>\n<\/ul>\n<h2 class=\"Title-1\"><span class=\"Title_Number\">8.5.8 <\/span>Planungshinweise<\/h2>\n<p class=\"Bodytext\">Die Planung einer PV-Anlage ist ein interdisziplin\u00e4rer Prozess. Der PV-Planer muss sich mit den anderen Gewerken absprechen und gleichzeitig diverse administrative Abl\u00e4ufe initiieren und begleiten. Dabei ist es ein wesentlicher Unterschied, ob eine PV-Anlage in einem gr\u00f6sseren Gesamtprojekt mit Architekt und Fachplaner realisiert wird oder ob es sich um einen reinen PV-Anlagenbau ohne Architekt und Fachplaner handelt.<\/p>\n<p class=\"Title-2\"><span class=\"Title_Number\">Dachlayout und Absturzsicherung<\/span><\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Die Anordnung der PV-Module ist von allerlei Randbedingungen gepr\u00e4gt:<\/p>\n<ul>\n<li class=\"Item\">Das Dachlayout soll \u00e4sthetisch ansprechend sein. Es soll beispielsweise eine gewisse Regelm\u00e4ssigkeit aufweisen.<\/li>\n<li class=\"Item\">Die PV-Module sollen weder sich gegenseitig beschatten noch von anderen Objekten beschattet werden. Beschattungen haben immer einen \u00fcberproportionalen Einfluss auf den Energieertrag.<\/li>\n<li class=\"Item\">Objekte, welche kontrolliert werden m\u00fcssen, sollen zug\u00e4nglich bleiben (bei Flachd\u00e4chern insbesondere der Dachrand und die Abl\u00e4ufe). Bei Steild\u00e4chern wird eine eingeschr\u00e4nkte Zug\u00e4nglichkeit des Dachs meist hingenommen, da f\u00fcr Reparaturen am Dach ohnehin Baustelleninstallationen notwendig sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"Bodytext\">Auf D\u00e4chern wird grunds\u00e4tzlich eine Absturzsicherung ben\u00f6tigt. Oft wird diese in Form von einem umlaufenden Seil in 2,5 Metern Abstand zum Dachrand, bei Steild\u00e4chern auch mit Einzelanschlagspunkten gebaut. Diese Massnahmen sind jedoch in der Bedienung recht aufwendig und werden deshalb, trotz Vorschrift, vom Wartungspersonal oft nicht eingesetzt. Es geh\u00f6rt deshalb zur guten Planung, eine PV- Anlage so zu bauen, dass man sich zu Wartungszwecken gar nicht erst in besonders absturzgef\u00e4hrliche Bereiche begeben muss. Detaillierte Informationen hierzu stellt die SUVA zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p class=\"Title-2\"><span class=\"Title_Number\">Gr\u00fcndach<\/span><\/p>\n<p class=\"Bodytext\">\u00d6kologisch ist die Kombination von PV und Gr\u00fcndach wertvoll. Beim Bau und Betrieb sind jedoch einige Punkte zu beachten:<\/p>\n<ul>\n<li class=\"Item\">PV-Module auf einem Gr\u00fcndach beschatten das Gr\u00fcndach und reduzieren das Austrocknen des Dachs. Dadurch werden die Biodiversit\u00e4t und das Pflanzenwachstum gef\u00f6rdert. Nachteilig ist, dass damit auch der Unterhaltsaufwand (Zur\u00fcckschneiden des Gr\u00fcnbewuchses) steigt. Die PV-Module sollten deshalb immer einen angemessenen Abstand zum Dachsubstrat aufweisen (ca. 40 cm). Alle Dachbereiche sollen zu Unterhaltszwecken gut zug\u00e4nglich sein.<\/li>\n<li class=\"Item\">Sowohl im Bau als auch im Betrieb sind PV-Anlagen auf Gr\u00fcnd\u00e4chern rund 5\u201310 % teurer als PV-Anlagen auf Kiesd\u00e4chern.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"Title-2\"><span class=\"Title_Number\">PV-Fassaden<\/span><\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Die Planung von PV-Anlagen in der Fassade weist gegen\u00fcber einer Dachanlage eine deutlich h\u00f6here Komplexit\u00e4t auf, insbesondere:<\/p>\n<ul>\n<li class=\"Item\">Hohe \u00e4sthetische Anforderungen bei einem deutlich geringeren Modulangebot.<\/li>\n<li class=\"Item\">Einschr\u00e4nkungen bei Sonderanfertigungen (kleiner Markt, hohe Kosten, je nach Hersteller unterschiedliche technische Limitierungen).<\/li>\n<li class=\"Item\">H\u00f6here statische Anforderungen an das Gesamtsystem.<\/li>\n<li class=\"Item\">Kabelf\u00fchrung in der Fassade.<\/li>\n<li class=\"Item\">Zug\u00e4nglichkeit resp. Austauschbarkeit von defekten Modulen im Betrieb.<\/li>\n<li class=\"Item\">Diverse Details wie Randabschl\u00fcsse, Kleintierschutz, Hinterl\u00fcftung, W\u00e4rmebr\u00fccken, Beschattung.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"Title-2\"><span class=\"Title_Number\">Eigenverbrauch<\/span><\/p>\n<p class=\"Bodytext\">In einer Vorstudie oder im Vorprojekt zu einer PV-Anlage soll der erwartete Eigenverbrauchsanteil abgesch\u00e4tzt werden. Meistens sind die daf\u00fcr ben\u00f6tigten Informationen jedoch unvollst\u00e4ndig. Gut zu wissen ist deshalb, dass sich der Eigenverbrauchsanteil bei vielen Verbrauchern in einem recht engen Band bewegt. Sind Absch\u00e4tzungen f\u00fcr den Energieertrag der PV-Anlage sowie f\u00fcr den Energiebedarf des Geb\u00e4udes verf\u00fcgbar, so kann mithilfe von Bild 8.15 eine erste Absch\u00e4tzung f\u00fcr den Eigenverbrauchsanteil gemacht werden. Interessant ist dabei, dass der Solarstromanteil (d.h., die Jahresproduktion dividiert durch den Jahresverbrauch) die wichtigste Gr\u00f6sse f\u00fcr die Eigenverbrauchsberechnung ist. Das Verbraucherprofil spielt eine geringere Rolle.<\/p>\n<p class=\"Bodytext\">In vielen Projekten soll der Eigenverbrauchsanteil optimiert werden. Dies ist finanziell meistens jedoch nur dann interessant, wenn diese Optimierung g\u00fcnstig gemacht werden kann. Batteriespeicher sind z.B. meist zu teuer. F\u00fcr die Eigenverbrauchsoptimierung kommen darum insbesondere folgende Massnahmen infrage:<\/p>\n<ul>\n<li class=\"Item\">Solaroptimierte Ansteuerung von W\u00e4rme- und K\u00e4lteerzeugern. Bei PV-Anlagen, welche im Verh\u00e4ltnis zu den Verbrauchern grossz\u00fcgig dimensioniert sind, kann sich hierzu eine Vergr\u00f6sserung des W\u00e4rmespeichervolumens lohnen.<\/li>\n<li class=\"Item\">Solaroptimiertes Laden von Elektrofahrzeugen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"_idGenObjectAttribute-1 alignnone\" src=\"\/images\/HLE-Web-2020\/chap_08_NEU-web-resources\/image\/Abb_08_15.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p class=\"Figure_Caption\" lang=\"fr-FR\">Bild 8.15 Eigenverbrauchsanteil f\u00fcr verschiedene Verbraucher (Quelle: Basler &amp; Hofmann AG)<\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Die Eigenverbrauchsoptimierung kann in eingeschr\u00e4nkter Form \u00fcber standardm\u00e4ssig im Wechselrichter integrierte Relais, \u00fcber Eigenverbrauchsregler oder \u00fcber ein Geb\u00e4udeleitsystem gel\u00f6st werden. Bild 8.14 zeigt hierzu eine typische Anordnung.<\/p>\n<p class=\"Bodytext\">Falls elektrische Speicher in Zukunft noch deutlich g\u00fcnstiger installiert werden k\u00f6nnen und falls auch kleinere Endverbraucher Leistungstarife f\u00fcr den Strom bezahlen m\u00fcssen, wird der Einsatz von Batterien interessant. Mit einem Batteriespeicher l\u00e4sst sich der Eigenverbrauchsanteil erh\u00f6hen, z.B. im Wohnbereich von 30 % auf 60 %.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8.5.1 Energetische Bedeutung Fotovoltaik (PV) hat sich von einer hochsubventionierten zu einer konkurrenzf\u00e4higen Stromquelle entwickelt. In den meisten \u00e4quatornahen L\u00e4ndern ist PV heute die g\u00fcnstigste Stromproduktionstechnologie. PV d\u00fcrfte mittelfristig nach der Wasserkraft zur wichtigsten Stromquelle der Schweiz werden. Das D\u00e4cherpotenzial (rund 50 TWh Stromproduktion) und das Fassadenpotenzial (17 TWh Stromproduktion) k\u00f6nnten den Schweizer Strombedarf in  [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-357","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-elektrische-energie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/heizung-lueftung-elektrizitaet\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/357","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/heizung-lueftung-elektrizitaet\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/heizung-lueftung-elektrizitaet\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/heizung-lueftung-elektrizitaet\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/heizung-lueftung-elektrizitaet\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=357"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/heizung-lueftung-elektrizitaet\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/357\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1143,"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/heizung-lueftung-elektrizitaet\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/357\/revisions\/1143"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/heizung-lueftung-elektrizitaet\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=357"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/heizung-lueftung-elektrizitaet\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=357"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/enbau-online.ch\/heizung-lueftung-elektrizitaet\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=357"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}