Die Architektur und das Wohlbefinden der Bewohner haben Priorität. Nach diesem Grundsatz bauten die Architekten Jost Kutter und Peter Schürch ein Zweifamilienhaus in Köniz-Liebefeld als offenes, lichtdurchflutetes Gebäude, das tendenziell ein Nullenergiehaus ist, dabei aber allen Ansprüchen hinsichtlich Komfort und Ästhetik entspricht.

Der Blick auf die Querschnitte zeigt, wie raffiniert die beiden Hausteile ineinander gefügt sind: Während sich die Westwohnung über 6 Halbgeschosse erstreckt, hat die Ostwohnung deren 5; im Hausgiebel überkragt die eine Wohnung die andere. Im ersten Halbgeschoss der Westwohnung ist links die Küche mit Esstisch, rechts der Wohnbereich. Das ist ungewöhnlich, denn links bedeutet südlich, rechts nördlich. Die Küche mit dem grossen Fenster ist ungewöhnlich platziert: im Süden. Dieser Grundriss folgt aber der Logik, dass die Bewohner tagsüber viel Zeit in der Küche verbringen, also soll es dort hell und warm sein.

Der Wohnbereich zeichnet sich durch seine Offenheit aus, indem sich ein Bereich über 2 Halbgeschosse erstreckt und der Raum sich zur oberen Treppenhausgalerie öffnet. Das ergibt eine spannungsvolle, fast skulpturale Struktur, bei der der Sichtbeton gut zur Geltung kommt. Das offene Prinzip prägt die ganze Abfolge der Räume, treppauf und treppab entsteht der Eindruck eines Raumkontinuums – zumal es zwischen den Zimmern nur die notwendigsten Schiebetüren hat. Der massive Holzriemenboden in allen Zimmern und der Kachelofen im Wohnzimmer steigern das Gefühl des Zuhauseseins zusätzlich. Jetzt wird eingeheizt: Das Holz liegt schön gestapelt in einer Nische neben der Kaminwand, die sich wegen der eingebauten Keramik nach und nach erwärmt. Notwendig wäre es nicht, jetzt einzufeuern – obwohl der Ofen die einzige Heizquelle ist. Denn das Haus nutzt die Sonne durch passiven Energiegewinn. Die Konstruktion des Gebäudes ist ein hybrider Holzbau, bei dem auch Backsteine, Beton und Kalkputze zum Einsatz kamen. Der massive Kern bildet den saisonal ausgleichenden Wärmespeicher. Die ohnehin vorhandene Wärme von Bewohnern und Geräten wird maximal gespeichert. Dank des Luftaustausches und der Anwendung teils alter, fast vergessener Materialien ist alles auf Low-tech ausgerichtet. Einzig das Kombi-Lüftungsgerät ist High-tech. Das Haus widerlegt viele gängige Vorurteile, schon allein durch die Tatsache der grösstenteils raumhohen Fenster, zumal just auch im Norden. (Konrad Tobler)

 

Abbildung 113: Schnitt durch die Aussenwand.

 

Detailschnitt Fassade

  • Dachaufbau
  • Doppelfalzdach
  • Holzschalung (27 mm)
  • Lattung für Hinterlüftung (60/100 mm)
  • Unterdachfolie, dampfdiffusionsoffen
  • Weichfaserplatte (52 mm)
  • Längslattung (60/80 mm; Dämmung 80 mm)
  • Balkenlage (120/200 mm; dazwischen Dämmung 200 mm)
  • Längslattung (60/80 mm; Dämmung 80 mm)
  • OSB (18 mm); als Dampfbremse
  • Gipsfaserplatten (13 mm) und Weiss-putz

 

Fassadenaufbau

  • Aussenputz (10 mm)
  • Putzträgerplatte (15 mm)
  • Hinterlüftung (30 mm)
  • Lattung und Dämmung (80 mm)
  • Lattung und Dämmung (80 mm)
  • zwei Dämmschichten im Mauerwerk verankert (je 220 mm)
  • Backstein (150 mm)
  • Kalkputz

 

Bodenaufbau Wohngeschosse

  • Bodenbelag Parkett (28 mm)
  • Unterlagsboden (60 mm)
  • Trittschalldämmung (22 mm)
  • Beton (220 mm)

 

Abbildung 114: Der Kachelofen ist die einzige Wärmequelle (Bild: Christine Blaser).

 

Abbildung 115: Hybride Holzkonstruktion mit massivem Kern als saisonal ausgleichender Wärmespeicher (Bild: Christine Blaser).

 

ObjektdatenWestflügelOstflügel
Baujahr20772077
StandortKöniz-LiebefeldKöniz-Liebefeld
Anzahl Wohnungen22
Grundstücksfläche1265 m21265 m2
Gebäudevolumen SIA 4161797,5 m31797,5 m3
Energiebezugsfläche (korr.)201,8 m2196,0 m2
Gebäudehüllziffer2,012,14
Gebäudehüllfläche (unkorr.)2295 m22295 m2
Anteil Fenster und Türen an der Gebäudehüllfläche24,2 %26,5 %
Heizwärmebedarf SIA 380/113,2 kWh/(m2 a)14,0 kWh/(m2 a)
LabelMinergie-P-EcoMinergie-P-Eco
ProjektverfasserHalle 58, Peter SchürchHalle 58, Peter Schürch

 

Abbildung 116: Untergeschoss.

 

Abbildung 117: Erdgeschoss.

 

Abbildung 118: Obergeschoss.

 

Abbildung 119: Dachgeschoss.

 

Abbildung 120: Längsschnitt.

 

Abbildung 121: Querschnitt.