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3.9 Hinterlüftete Fassade als bauphysikalisch optimale Lösung

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Neben der Minimalisierung der Wärmetransportverluste aus dem Gebäudeinnern, dem Schutz vor allzu starker Erwärmung infolge Sonneneinstrahlung hat eine Aussenwand noch andere Aufgaben zu übernehmen, wie z. B. Schutz vor Schlagregen, Feuchte, Lärm etc. Bei einschaligen Wandkonstruktionen werden diese Aufgaben meist nur von einem oder wenigen Baumaterialien übernommen. Die hinterlüftete Fassade bietet die Möglichkeit, diese zum Teil recht unterschiedlichen Schutzfunktionen an einzelne, dafür speziell geeignete Baustoffe (Wandschichten) zu übertragen [3.27]. Ein derartiger Konstruktionsaufbau (vgl. Abb. 3.28, Bsp. C) stellt eine bauphysikalisch optimale, wenn auch zum Teil kostspielige Lösung dar. Eine Wand- bzw. Dachkonstruktion mit hinterlüfteter Vorsatzschale erlaubt das Lostrennen der z. T. dampfdiffusionshemmenden Wetterschutzschicht vom Wärmedämmaterial und verhindert durch die Luftströmung im Spalt einen Feuchtigkeitsstau in einer inneren, tragenden oder wärmedämmenden Bauteilschicht. Für eine bauphysikalische Beurteilung der Funktionstüchtigkeit derartiger Wandkonstruktionen sind insbesondere Luftstromgeschwindigkeit und Temperaturverlauf im Spalt wichtig!

Thermischer Auftrieb und Windanströmung (vgl. Kap. 4.3) sind die treibenden Ursachen für die Luftbewegung im Spalt [3.16]. Um trotz Reibungsverlusten an rauhen Spaltoberflächen und Druckabfällen bei Querschnittsverengungen am Ein- resp. Austrittsspalt eine Luftdurchströmung im Spalt sicherzustellen, werden eine minimale Luftspalttiefe von einigen cm (2 bis 4 cm) und eine durchgehende Luftspaltlänge von mindestens einer Geschosshöhe (≈ 3 m) empfohlen. Bei Dächern ist der Belüftungsraum entsprechend der Neigung grösser zu dimensionieren. In Bezug auf den winterlichen Wärmeschutz hängt der Wärmedurchlasswiderstand im Luftspalt im Wesentlichen von der Strömungsgeschwindigkeit im Luftspalt und von den Wärmestrahlungseigenschaften der Spaltoberflächen ab. Bei nicht metallischen resp. Metallischblanken Spaltbegrenzungsflächen sind für den thermischen Widerstand des belüfteten Luftspaltes – je nach Spaltbreite – (0,05–0,07) m2 · K · W–1 bzw. (0,07–0,09) m2 · K · W–1 einzusetzen [3.20]. Im Sommer verbessert die Hinterlüftung den Wärmeschutz, indem die in der Vorsatzschale absorbierte Sonnenwärme zu einem beachtlichen Teil durch die Luftströmung abgeführt wird. Da mit zunehmender Höhe im Luftspalt der Feuchtigkeitsgehalt der aufsteigenden Luft zunimmt, ist im Hinblick auf eine feuchtetechnische Beurteilung der hinterlüfteten Wandkonstruktion die im Belüftungsraum abführbare Wasserdampfmenge mit der aus der inneren Wandschale diffundierenden Feuchtigkeit zu vergleichen.


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2018-08-06T11:11:06+00:00
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